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Die Große Belagerung von Malta: Die blutigste Schlacht des 16. Jahrhunderts

5.7.2024Von History Editor
Die Große Belagerung von Malta: Die blutigste Schlacht des 16. Jahrhunderts

Wenn Sie allen Ernstes glauben, dass Fantasy-Serien wie Game of Thrones über intensiv inszenierte, blutige Schlachten verfügen, dann haben Sie offensichtlich noch nie einen detaillierten historischen Bericht über die Große Belagerung von Malta (The Great Siege of Malta) gelesen. Die historische Realität übertrifft hier jede Hollywood-Fiktion.

Im brütend heißen Hochsommer des Jahres 1565 färbte sich das ansonsten friedliche, ruhige blaue Wasser des Mittelmeers im Grand Harbour buchstäblich tiefrot vor Blut. Das riesige Osmanische Reich (Ottoman Empire) – die absolute, unangefochtene Supermacht (Superpower) jenes Zeitalters, der stolze Eroberer von Konstantinopel und der ständige, drängende Terror ganz Osteuropas – entsandte eine furchteinflößende Kriegsarmada von fast 200 Kriegsschiffen (Ships) und eine erfahrene Invasionsarmee von weit über 40.000 schwer bewaffneten Soldaten (Soldiers). Ihr einziges, klares Ziel: Die vollständige Eroberung und Vernichtung der winzigen, felsigen Insel Malta (Malta).

Und wer verteidigte diesen kargen Felsen gegen diese Übermacht? Eine kleine, zusammengewürfelte Truppe von etwa 8.000 tapferen maltesischen Milizionären (Maltese militia), ein paar Hundert regulären spanischen Soldaten (Spanish soldiers) und der absolute Kern der Verteidigung: gerade einmal rund 700 Johanniterritter (Knights Hospitaller) – fanatische, hoch trainierte Kriegermönche (Warrior monks), die vor Gott einen heiligen Eid (Sworn) geschworen hatten, lieber bis zum allerletzten Mann in ihrem eigenen Blut zu sterben, als sich jemals den Ungläubigen zu ergeben (Surrender). Was unmittelbar darauf in den folgenden Monaten folgte, war ohne jede Übertreibung eine der wildesten, grausamsten, verzweifeltsten (Desperate) und gleichzeitig militärstrategisch brillantesten (Strategically brilliant) Belagerungen in der gesamten aufgezeichneten menschlichen Geschichte.

Hier ist die fast unglaubliche, aber völlig wahre Geschichte (The Story), wie nur eine Handvoll gut geplanter, harter Steinmauern (Stone walls) und eine schier unmenschliche Menge an sturem, religiös motiviertem Mut (Courage) den gesamten historischen Verlauf der westlichen Zivilisation (Western civilization) dauerhaft veränderten.


Der unschätzbare Preis: Warum ausgerechnet Malta? (Why Malta?)

Die Antwort ist ein ewiges Gesetz der Geopolitik: Lage, Lage, absolute Lage (Location, location, location). Die kleine Insel Malta sitzt geographisch betrachtet fast exakt und punktgenau im Zentrum (Centre) des gesamten Mittelmeeres (Mediterranean). Wer auch immer in jener Zeit die stark befestigten Tiefwasserhäfen Maltas militärisch kontrollierte, der kontrollierte automatisch auch die extrem wichtigen, überlebenswichtigen See- und Handelswege (Sea lanes and trade routes) zwischen dem muslimisch dominierten Osten und dem christlich dominierten Westen. Zudem lag die Insel strategisch bedrohlich nah – nur läppische 60 Seemeilen entfernt – vor der Küste Siziliens (Sicily) und damit dem direkten Zugang zur italienischen Halbinsel (Italian peninsula).

Der osmanische Herrscher Süleyman der Prächtige (Suleiman the Magnificent), der sich damals auf dem absoluten Zenit (Height) seiner ohnehin schon immensen Macht befand, verstand dieses geostrategische Schachbrett meisterhaft. Er wusste genau: Eine erfolgreiche Einnahme Maltas (Taking Malta) würde seiner mächtigen osmanischen Flotte (Ottoman fleet) endlich eine sichere, permanente und unangreifbare Operationsbasis (Permanent base) tief im westlichen Mittelmeer verschaffen. Von diesem perfekten Sprungbrett aus war eine großangelegte, systematische Invasion Siziliens und anschließend Süditaliens (Southern Italy) nur noch der logische, fast unausweichliche nächste militärische Schritt (Logical next step). Und Rom (Rome) – die reiche, absolute spirituelle Hauptstadt der gesamten westlichen Christenheit (Christendom) – war der lockende, ultimative Hauptpreis (Ultimate prize) am Ende dieses Feldzugs.

Zusätzlich zu diesen harten, strategischen Überlegungen gab es jedoch auch noch eine extrem intensive, persönliche und von tiefem Hass geprägte Dimension (Personal dimension) für diesen Krieg. Die militanten Johanniterritter (Knights Hospitaller) waren seit 1530 auf der kargen Insel Malta stationiert, nachdem sie zuvor von den Osmanen nach einer langen Belagerung blutig von ihrer alten Basis auf der Insel Rhodos (Rhodes) vertrieben worden waren (Expelled). Sie hatten diese dazwischenliegenden 35 Jahre keineswegs in stiller, betender Kontemplation verbracht, sondern hatten sie hochaktiv dazu genutzt, unaufhörlich als staatlich sanktionierte christliche Korsaren (Corsair attacks) das lukrative osmanische Schifffahrtsnetz auszuplündern (Raiding Ottoman shipping) und ständig ungeschützte muslimische Häfen (Muslim ports) entlang der nordafrikanischen Küste zu überfallen. Süleyman hatte sie zwar bereits 1522 schon einmal aus Rhodos vertrieben, aber sie waren zurückgekehrt, aggressiver denn je. Nun, im hohen Alter, wollte er dieses lästige Problem ein für alle Mal, blutig und absolut endgültig aus der Welt schaffen (Finish the job).


Die Johanniterritter: Wer genau waren diese Männer? (Who Were They?)

Der formelle Orden der Ritter des Heiligen Johannes zu Jerusalem (Order of St. John of Jerusalem), der später in der Geschichte primär als die Malteserritter (Knights of Malta) weltbekannt wurde, begann seine Existenz im Heiligen Land ironischerweise völlig friedlich als ein rein medizinischer Orden (Medical order), dessen einzige, demütige Aufgabe die Pflege (Caring) erschöpfter und kranker Pilger (Pilgrims) war. Doch im gnadenlosen, extrem blutigen Schmelztiegel der Kreuzzüge (im 12. Jahrhundert) waren sie durch die schiere Notwendigkeit des Überlebens gezwungen, sich radikal zu transformieren. Sie wandelten sich langsam, aber sicher in eine der absolut furchteinflößendsten, am besten trainierten und diszipliniertesten militärischen Eliteeinheiten (Military forces) im gesamten Mittelmeerraum.

Zu Beginn der Großen Belagerung im Jahr 1565 war ihr absoluter Anführer, der Großmeister (Grand Master), ein Mann namens Jean Parisot de Valette (Jean de Valette). Er war ein bereits 70 Jahre alter, wettergegerbter und von Narben gezeichneter Franzose, dessen Lebenslauf sich wie ein Abenteuerroman liest: Er war selbst in jüngeren Jahren von osmanischen Korsaren im Kampf gefangen genommen worden (Captured by Ottomans) und musste das unfassbare Trauma eines vollen, mörderischen Jahres als angeketteter Galeerensklave (Galley slave) auf einem osmanischen Schiff erleiden, bevor er schließlich befreit oder freigekauft wurde (Ransoming himself). Dieser bemerkenswerte alte Mann sprach fließend sechs verschiedene Sprachen (Six languages), darunter Arabisch und Türkisch, er war ein extrem hartgesottener Veteran unzähliger blutiger Belagerungen (Veteran of multiple sieges) in Nordafrika und der Ägäis, und er war – getrieben von einem eisernen Glauben und persönlicher Rache – absolut präzise exakt die Art von kompromisslosem, unnachgiebigem Führer, die eine derart verzweifelte und eigentlich aussichtslose Verteidigung (Desperate defence) nun zwingend erforderte.

Seine Ritter (The Knights) waren keine simplen, angeworbenen Söldner oder gewöhnliche Fußsoldaten (Ordinary soldiers). Sie wurden fast ausschließlich und sehr selektiv aus den edelsten Adelsfamilien (Nobility) jeder größeren katholischen Nation (Catholic nation) Europas (den sogenannten “Zungen”) rekrutiert. Sie legten feierliche, bindende religiöse Gelübde der völligen Armut, der strengen Keuschheit und des absoluten, unbedingten Gehorsams (Vows of poverty, chastity, and obedience) gegenüber ihrem Großmeister ab. Sie trainierten täglich und hart für den Krieg (Trained for war), und das oft schon seit ihrer frühen Adoleszenz (Adolescence). In schwerer Plattenrüstung waren sie wohl unbestreitbar die beste, am schwersten gepanzerte und disziplinierteste schwere Infanterie (Heavy infantry) in ganz Europa zu dieser Zeit – und sie kämpften nun mit dem Mut der Verzweiflung auf den Mauern Maltas nicht nur um ihr eigenes, nacktes Überleben (Survival), sondern um das physische Überleben ihres gesamten alten Ordens.


Fort St. Elmo: Der blutige, unerwartete Star der Show (The Star of the Show)

Die gewaltige osmanische Invasionsstreitmacht, befehligt von dem brillanten Admiral Piyale Pascha (Piyale Pasha) zur See und dem brutalen Heereskommandanten Mustafa Pascha (Mustafa Pasha) an Land, machte gleich zu Beginn der Kampagne das, was moderne Militärhistoriker (Historians) übereinstimmend als einen absoluten, tödlichen und letztlich kriegsentscheidenden strategischen Fehler (Fatal strategic mistake) bezeichnen. Sie entschlossen sich, ihre gewaltige Macht aufzuteilen und den Angriff auf ein relativ kleines Ziel zu konzentrieren: Fort St. Elmo (Fort St. Elmo).

St. Elmo war ein vergleichsweise kleines, isoliertes Artilleriefort in der modernen, abgewinkelten Form eines Sterns (Star-shaped artillery fort), das strategisch auf der äußersten Spitze der Halbinsel lag, die den wichtigen maritimen Eingang zum sicheren Grand Harbour (Grand Harbour) bewachte. Die äußerst siegesgewissen osmanischen Kommandeure (Ottoman commanders) rechneten in ihren Lagebesprechungen arrogant damit, dass dieses winzige Fort (Small to matter much) dem massiven Beschuss höchstens drei bis vielleicht fünf Tage (Three to five days) lang standhalten würde, bevor es unter den Kanonenkugeln zu Staub zerfiel. Sie wollten es in einer schnellen Aktion säubern (Cleared quickly), um ihre gigantische Flotte (Fleet) vor den gefährlichen Herbststürmen sicher in den ruhigen, tiefen Gewässern des Hafens ankern zu lassen.

Mit dieser katastrophalen Fehleinschätzung lagen sie blutiger und falscher, als sie es sich jemals hätten erträumen lassen (Catastrophically wrong).

Das apokalyptische Bombardement (The Bombardment): Die Osmanen positionierten ihre absolut massiven, übermächtigen Belagerungsgeschütze (Massive artillery) – darunter die gefürchteten, gigantischen Basilisken (Basilisks), die solide Steinkugeln (Stone balls) mit einem Gewicht von über 150 Pfund mit vernichtender Wucht abfeuerten – auf den dominierenden Höhen direkt über dem kleinen Fort und begannen ein wochenlanges, unaufhörliches und zermürbendes Bombardement (Sustained bombardment). Tag für qualvollen Tag wurden buchstäblich Tausende von schweren Geschossen (Thousands of rounds) auf die Mauern gefeuert. Die äußeren Steinmauern zerbröselten (Crumbled) tagsüber unter den Treffern zu Schutt, nur um in der Dunkelheit der Nacht von der erschöpften Garnison in übermenschlicher Anstrengung aus den Trümmern wieder hastig aufgebaut (Rebuilt each night) zu werden. Kleine, mutige Versorgungsboote (Relief boats) überquerten nachts unter schwerem, lebensgefährlichem feindlichen Beschuss (Under fire) still den Hafen, um frische Munition und neue, freiwillige Verteidiger heranzubringen, um die furchtbaren Verluste des Tages auszugleichen. Großmeister De Valette (De Valette) weigerte sich mit eiserner Härte strikt, das völlig zerschossene Fort aufzugeben (Refused to abandon), selbst als allen Beteiligten längst schmerzlich klar wurde, dass es letztendlich unmöglich auf Dauer zu halten sein würde (Could not ultimately hold). Er opferte St. Elmo und seine Männer ganz bewusst, um wertvolle Zeit zu erkaufen.

Die heroische Verteidigung in den Ruinen (The Defense): Im zerbombten Inneren von St. Elmo griffen die schwer dezimierten Ritter und die tapferen maltesischen Milizionäre (Maltese soldiers) in ihrer extremen Verzweiflung zu absolut jeder verfügbaren Waffe. Sie nutzten das gefürchtete Griechische Feuer (Greek Fire) – eine schreckliche, hochgeheime Brandmischung (Incendiary compound), die an Kleidung und Haut klebte und sogar auf dem Wasser weiterbrannte (Burned on water) –, sie setzten primitive, aber verheerende frühe Flammenwerfer ein, die sie treffend “Trumps” nannten, sie gossen aus großen Kesseln kochendes, sprudelndes Öl (Boiling oil) hinab und ließen systematisch tödliche Schauer von explodierenden Feuertöpfen (Showers of firepots) auf die dicht gedrängten Angreifer in den Gräben regnen, um sie unter Qualen zurückzutreiben (Drive back the attackers). Massive Frontalangriffe durch menschliche Wellen (Human wave assaults) der Eliteeinheit der Janitscharen (Janissary troops) – der absoluten, bestausgebildeten osmanischen Elite-Infanterie – wurden unter astronomischen, blutigen Verlusten auf beiden Seiten (Enormous cost to both sides) wieder und wieder und wieder von den Trümmern aus blutig zurückgeschlagen (Repulsed).

Tag für Tag starteten die völlig frustrierten Osmanen neue, verzweifelte Sturmangriffe (Launched attacks). Tag für Tag wurden sie von der ausblutenden Garnison abgewehrt. Die eigentlich von den Generälen geplante, simple und schnelle “Drei-bis-fünf-Tage-Eroberung” verwandelte sich in ein zermürbendes, vierwöchiges (Four weeks) apokalyptisches Schlachten, das in der Militärgeschichte einzigartig ist.

Der unausweichliche Fall (The Fall): Als das kleine Fort St. Elmo nach genau 31 qualvollen Tagen (31 days) des völlig ununterbrochenen, mörderischen Artilleriebeschusses und ständiger Nahkämpfe am 23. Juni endlich unter dem letzten, massiven Sturm fiel, war fast absolut jeder einzelne Verteidiger (Every defender) darin heldenhaft im Kampf gestorben. Niemand hatte sich ergeben. Doch der Preis für diesen Sieg war für die Angreifer vernichtend: Die gigantische osmanische Armee hatte nach eigenen Schätzungen etwa 8.000 (8,000 men) ihrer allerbesten, unersetzlichen Männer verloren, nur um ein im Grunde winziges, völlig zerstörtes Fort einzunehmen, das anfangs gerade einmal ein paar Hundert Verteidiger (Few hundred defenders) beheimatet hatte. Als der osmanische Oberbefehlshaber Mustafa Pascha an diesem Tag inmitten der rauchenden Trümmer stand (Surveying the damage), den Blick über den breiten Grand Harbour auf das gigantische, völlig unbeschädigte Hauptquartier der Ritter – Fort St. Angelo (Fort St. Angelo) – richtete, soll er der Legende nach völlig verzweifelt gemurmelt haben: “Wenn uns ein so kleiner Sohn bereits so unglaublich teuer zu stehen gekommen ist (Cost us so dear), welchen unfassbaren Preis werden wir dann erst für den massiven Vater bezahlen müssen (Pay for the father)?”


Der gnadenlose Psychologische Krieg des Terrors (The Psychological War)

Diese Belagerung war jedoch von Anfang an niemals nur ein rein physischer und militärischer Wettbewerb (Physical contest) um Mauern und Kanonen. Die Führung auf beiden Seiten verstand zutiefst und auf instinktive Weise die vernichtende, demoralisierende Macht brutaler, extremer symbolischer Handlungen (Symbolic acts).

Die blutigen Kreuze im Hafenwasser (The Crosses in the Harbour): Unmittelbar nach der verlustreichen Einnahme von St. Elmo ordnete der von Wut und Frustration getriebene Mustafa Pascha eine grausame Tat an. Er ließ die nackten Leichen (Bodies) der gefallenen Ritter systematisch enthaupten (Decapitated), ihre Gliedmaßen brutal abhacken (Limbs cut off) und die verbliebenen blutigen Torsos an großen Holzkreuzen (Wooden crosses) festnageln, die wie christliche Kruzifixe aussahen. Diese makabren, schrecklichen Kreuze wurden dann einfach in die Strömung des Hafens geworfen (Cast into the harbour), damit sie als grausame Warnung direkt auf die verbliebenen, entsetzten christlichen Befestigungsanlagen auf der anderen Seite zutrieben (Drift towards).

Die furchtbare Antwort aus der Kanone (The Cannonball Response): Als Großmeister de Valette – der nun über 70 Jahre alte Mann, der trotz seines Alters fast ununterbrochen selbst im direkten Feindfeuer (Under fire) auf den bröckelnden Zinnen stand – dieses abscheuliche Schauspiel sah, kannte er kein Zögern. Er befahl augenblicklich (Immediate execution) als Vergeltungsmaßnahme die sofortige, gnadenlose Hinrichtung absolut aller (All) osmanischen Gefangenen (Ottoman prisoners), die derzeit im Kerker von Fort St. Angelo festgehalten wurden. Ihre blutigen, frisch abgetrennten Köpfe (Their heads) wurden von seinen Artilleristen anstelle von normalen Eisenkugeln direkt in die großen Kanonen geladen (Loaded into cannon) und mit voller Wucht zurück über das Hafenwasser (Across the harbour) direkt in das osmanische Hauptlager gefeuert (Fired back).

Dieser brutale, beispiellose Austausch von Leichenteilen war eine unmissverständliche, laute Botschaft an den Feind: Es würde ab diesem Moment absolut keinen Pardon (No quarter) geben, keine wie auch immer gearteten Verhandlungen (No negotiations) und nicht den kleinsten Funken von Gnade (No mercy). Dies war längst kein normaler Krieg mehr; es war ein brutaler, religiöser Krieg der absoluten, totalen Vernichtung (War of annihilation).

De Valette war ganz offensichtlich kein weicher Mann voller friedenszeitlicher Tugenden (Peacetime virtues). Er war ein extrem harter, kompromissloser Krieger, der in seinem ganzen Leben ausschließlich für exakt diesen einen, alles entscheidenden Moment geschmiedet worden war (Forged for exactly this moment) – und er selbst wusste das besser als jeder andere.


Der dramatische Wendepunkt (The Turning Point)

Während der unerträglich heißen Monate Juli und August verlagerte die osmanische Armee (The Ottomans) die volle Wucht ihres zermürbenden Artillerieangriffs (Assault) notgedrungen auf die verbliebenen, starken Hauptfestungen der Insel: Das massive Fort St. Angelo, Fort St. Michael und die befestigte Stadt Birgu (Il Birgu, heute zu Ehren des Sieges oft Vittoriosa / Vittoriosa genannt). Jeder einzelne dieser massiven, oft mit zehntausenden Männern geführten Angriffe (Each attack) wurde jedoch von den Verteidigern unter schrecklichen Verlusten zurückgeschlagen (Repulsed at terrible cost).

Gegen Ende August (By late August) hatte sich die allgemeine Lage für die Invasoren im osmanischen Lager fast unbemerkt zu einer akuten, katastrophalen Krise entwickelt (Become critical):

  • Krankheiten (Disease): Ausbrüche von Ruhr (Dysentery), Typhus (Typhoid) und die völlig unerbittliche, stehende maltesische Sommerhitze (Relentless summer heat) im Lager dezimierten die Reihen der osmanischen Soldaten weitaus schneller, effektiver und tödlicher, als es die Kanonen und Schwerter der christlichen Verteidiger jemals hätten tun können.
  • Logistischer Albtraum: Die enormen, für unerschöpflich gehaltenen Vorräte an schwerer Artillerie-Munition (Ammunition) und wichtigem Proviant (Supplies) gingen angesichts der langen Dauer der Belagerung extrem schnell zur Neige (Running low).
  • Psychologischer Zusammenbruch: Die Kampf-Moral (Morale) im Lager war praktisch nicht mehr existent (Collapsed). Die kampferprobten, elitären Janitscharen (Elite Janissary troops), die in der Vergangenheit fast mühelos riesige europäische Reiche erobert hatten (Conquered vast empires), wurden hier auf einem winzigen Felsen seit Monaten von ein paar bröckelnden Steinmauern (Stone walls) und einer Handvoll wildgewordener, religiöser Fanatiker (Fanatics) erfolgreich in Schach gehalten (Held at bay). Das war für sie unfassbar.
  • Der Tod des Piraten: Ein dringend benötigter, von See aus zugesagter maritimer Entsatz durch die Flotte ihres Verbündeten Dragut (Dragut) – der damals unbestritten als der absolut furchterregendste und fähigste muslimische Korsar (Corsair) seiner gesamten Epoche galt – kam niemals vollends zustande. Dragut selbst war bereits im Juni auf tragische Weise getötet worden, als ihn bei der Besichtigung der Frontlinien ein großer Splitter (Cannon fragment) eines nahen Kanoneneinschlags tödlich am Kopf traf (Killed).

Als dann schließlich im frühen September das sogenannte Gran Soccorso (Gran Soccorso) – eine lange ersehnte, aber verspätete spanische Entsatzstreitmacht (Spanish relief force) von gerade einmal rund 9.000 frischen Soldaten (9,000 soldiers) – endlich erfolgreich im Norden der Insel anlandete (Landed), begingen die ohnehin entnervten osmanischen Kommandeure (Ottoman commanders) einen fatalen, letzten nachrichtendienstlichen Fehler (Fatal error of intelligence). Im Chaos glaubten sie den übertriebenen Gerüchten, dass die eingetroffene christliche Streitmacht weitaus, weitaus größer und mächtiger sei, als sie in der Realität tatsächlich war (Far larger than it was). In Panik gab Mustafa Pascha den hastigen, demütigenden Befehl zum sofortigen Rückzug der gesamten restlichen Armee auf die Schiffe (Retreat to the ships).

Malta hatte dem Unmöglichen standgehalten (Malta had held). Nach exakt 112 grauenhaften, endlosen Tagen der ununterbrochenen Belagerung (112 days of siege), nach astronomischen 30.000 toten oder verwundeten osmanischen Invasoren (30,000 Ottoman casualties) und der nahezu vollständigen, physischen Zerstörung (Near-total destruction) all ihrer einst stolzen Befestigungsanlagen (Fortifications), war die blutende, zerbombte Insel Malta endlich wieder völlig frei (Free).


Warum dieser Sieg die Welt veränderte (Why It Mattered)

Die siegreiche Verteidigung in der Großen Belagerung von Malta war nicht weniger als ein massiver historischer Wendepunkt (Turning point) in dem empfindlichen, ständigen Kampf um die geopolitische Machtbalance (Balance of power) zwischen dem expansionistischen Osmanischen Reich (Ottoman Empire) und dem stark fragmentierten, christlichen Europa (Christian Europe). Es war in der Tat die allererste wirklich große, vernichtende militärische Niederlage (First major Ottoman defeat), die die Osmanen in einer ganzen Generation erlitten hatten – und dieser spektakuläre Sieg auf Malta zerschmetterte endgültig und irreparabel den lähmenden Mythos (Shattered the myth) der völligen, unaufhaltsamen osmanischen Unbesiegbarkeit (Ottoman invincibility), der die gelähmten Höfe (Paralyzed European courts) ganz Europas über Jahrzehnte hinweg in panischer Angst erstarren ließ.

Der damalige Papst Pius IV. (Pope Pius IV) deklarierte in Rom den heldenhaften Sieg offiziell zum absolut größten und wichtigsten christlichen Ereignis des gesamten Jahrhunderts (Greatest event of the century). Es wird historisch berichtet, dass König Karl IX. von Frankreich (Charles IX of France) beim Erhalt der Nachricht in Tränen ausbrach (Reportedly wept). Selbst König Philipp II. von Spanien (Philip II of Spain) – der, um ehrlich zu sein, die rettende Entsatzstreitmacht erst nach quälenden, monatelangen Verzögerungen (Agonizing delays) entsandt hatte – sonnte sich im Ruhm und wurde überall als der glorreiche Retter des Westens (Saviour of the West) gefeiert.

Der enorme psychologische Einfluss (Psychological impact) dieses Sieges war für Europa mindestens genauso entscheidend (At least as important) wie der rein strategische und militärische (Military one) Erfolg. Als die gewaltige, übermächtige osmanische Flotte nur sechs kurze Jahre später (Six years later) in der berühmten, gewaltigen Seeschlacht von Lepanto (Battle of Lepanto) erneut erschien, flohen die Christen diesmal nicht in Panik. Die verbündete christliche Heilige Liga (Christian Holy League) schöpfte Mut aus dem Wunder von Malta; sie standen auf dem Meer, sie kämpften erbittert – und sie gewannen (Won) die Schlacht in einem Ausmaß, wie es das verängstigte, tief gespaltene Europa vor der heldenhaften Verteidigung Maltas (Pre-Malta Europe) wohl niemals auch nur im Traum geschafft hätte (Never have managed).

Wie der berühmte französische Philosoph Voltaire (Voltaire) fast ein Jahrhundert später so treffend schrieb: “Nichts ist in der Welt bekannter als die Belagerung von Malta.” (Nothing is better known than the siege of Malta).


Der Besuch der historischen Schlachtfelder heute (Visiting the Battlefields Today)

Die Insel Malta bietet für Geschichtsinteressierte den absolut außergewöhnlichen und einzigartigen Vorteil (Extraordinary advantage), dass sie geographisch klein genug ist (Small enough), um sie bequem komplett in nur wenigen Tagen (A few days) intensiv zu erkunden (Explore), und gleichzeitig unfassbar dicht gedrängt (Densely packed) ist mit zahllosen historischen Stätten, die alle unmittelbar und direkt mit der epischen Belagerung verbunden sind (Directly connected to the siege).

  1. Fort St. Elmo, Valletta: Diese heilige Stätte beherbergt heute das exzellente, umfassende Nationale Kriegsmuseum (National War Museum). Obwohl das völlig zerschossene Fort nach der historischen Belagerung im Laufe der Jahrhunderte substanziell modifiziert und fast komplett neu aufgebaut wurde (Substantially rebuilt), behält es aus der Vogelperspektive (Visible from above) glücklicherweise immer noch seinen unverkennbaren, originalen sternförmigen Grundriss (Star-shaped plan) bei. Sie können als Besucher ganz authentisch über genau die steinernen Zinnen (Ramparts) spazieren, auf denen die allerletzten Ritter 1565 bis auf den letzten Tropfen Blut kämpften und schließlich grausam starben (Fought and died). Wenn man sehr genau hinsieht, zeigen die alten, unteren Mauern (The walls show traces) unterhalb späterer, modernerer Restaurierungen (Later restoration) vereinzelt immer noch die tiefen, vernarbten Spuren der massiven osmanischen Kanonenkugeln (Cannon damage). Das hervorragend kuratierte Museum (The museum itself) selbst behandelt extrem detailliert die gesamte, bewegte maltesische Militärgeschichte, von den ruhmreichen Tagen der alten Ritter (The Knights) bis hin zu den massiven Bombardements im Zweiten Weltkrieg (World War II).

  2. Fort St. Angelo, Birgu: Dies war während der gesamten endlosen Belagerung das absolute, unbezwingbare Hauptquartier (Headquarters) von Großmeister De Valette. Ein Besuch hier oben auf den Wällen bietet Ihnen heute den absolut definitiven, majestätischsten Panoramablick (Definitive view) über den gesamten glitzernden Grand Harbour. Es erlaubt Ihnen als Besucher, die komplexe, weitreichende strategische Anlage (Strategic layout) des historischen Konflikts mit einer fast schon unheimlichen Klarheit visuell zu erfassen (Visualize with extraordinary clarity). Die extrem kurze, fast schon klaustrophobische Distanz über das Wasser zu jenem genauen Punkt, an dem das zerstörte St. Elmo stand (Where St. Elmo stood) – eine Entfernung von nur wenigen hundert Metern (A few hundred metres) –, lässt den zuvor beschriebenen grauenhaften Austausch von abgeschlagenen Köpfen durch Kanonenkugeln (Cannon exchange) plötzlich nicht mehr wie eine Legende, sondern viszeral, extrem nah und furchtbar real (Viscerally real) erscheinen.

  3. Die Hauptstadt Valletta (Valletta): Es ist faszinierend zu wissen: Die gesamte heutige prachtvolle Hauptstadt (Capital city) Valletta existierte während der Belagerung noch gar nicht. Sie wurde erst nach dem triumphalen Sieg auf den Trümmern und der Asche der ehemaligen osmanischen Artilleriestellungen (Ottoman artillery positions) auf der nackten Halbinsel des Mt. Sciberras (Mt. Sciberras peninsula) komplett neu aus dem Fels geschlagen und erbaut (Built after the siege). Sie wurde von den besten Militäringenieuren Europas ganz spezifisch, extrem sorgfältig und mit massiven Festungswällen so entworfen, dass sie für alle Zukunft absolut uneinnehmbar sein sollte (Designed to be impregnable). Der strenge, gitterförmige Stadtplan (City plan) – ein modernes Netz aus völlig geraden, schmalen Straßen (Grid of streets) auf einer extrem stark befestigten, steilen Landzunge (Fortified promontory), die von tief in den harten Fels gehauenen Gräben (Deep ditches) umgeben ist – ist in sich selbst bereits ein riesiges architektonisches Monument (Monument) an all die blutigen militärischen Lektionen, die 1565 gelernt wurden (Lessons learned). Zu Ehren des großen Helden der Verteidigung wurde diese herrliche neue Stadt ehrfürchtig nach Jean de Valette (Named after Jean de Valette) benannt, jenem sturen alten Mann, der sich dem Osmanischen Reich entgegenstellte und sich trotzig weigerte, aufzugeben oder zu sterben (Refused to die).

  4. Die “Malta Experience” (The Malta Experience): Dies ist eine wirklich sehr gut produzierte, professionelle audiovisuelle Präsentation (Audio-visual presentation), die zentral in Valletta gezeigt wird und die dramatische Belagerung sowie die lange, komplexe maltesische Geschichte detailliert abdeckt. Sie bietet Besuchern einen fantastischen, leicht verständlichen historischen Kontext (Useful context), ideal bevor man sich aufmacht, die eigentlichen, realen physischen Stätten (Physical sites) in der Hitze zu besuchen.

Praktische und wichtige Reisetipps (Practical Tips):

  • Malta ist geografisch gesehen nur einen kurzen, angenehmen Flug (Short flight) von fast allen großen europäischen Städten (European cities) entfernt und eignet sich hervorragend als fantastisches, ganzjähriges Reiseziel (Year-round destination).
  • Seien Sie gewarnt: Die drückende Sommerhitze (Summer heat) im Juli und August (oft deutlich über 35°C+) macht jegliches anstrengende Sightseeing (Sightseeing) zur Mittagszeit (Midday) zu einer absolut erschöpfenden (Exhausting) Qual. Es wird dringend empfohlen, die ausgedehnten, schattenlosen Festungsanlagen am besten früh am kühleren Morgen (Morning) zu besichtigen.
  • Die sogenannten “Drei Städte” (The Three Cities: Birgu, Senglea, Cospicua), die malerisch auf der anderen Seite des Hafens direkt gegenüber von Valletta liegen, belohnen jeden Reisenden massiv, der sie aufmerksam zu Fuß erkundet (Reward exploration on foot). Ihre engen, verwinkelten und authentischen mittelalterlichen Straßenführungen (Street plans) sind seit den grausamen Tagen der Belagerung von 1565 (Since the siege) faszinierenderweise weitgehend unverändert (Largely unchanged) geblieben und atmen pure Geschichte.