Jedes Kind weiß es instinktiv: Wenn man mit Buntstiften eine anständige Burg malt, dann zeichnet man zwingend auch einen Burggraben (Moat) um sie herum. Das ist einfach das ungeschriebene Gesetz. Meistens ist es ein dicker, fröhlich blauer Kringel (Blue squiggle) ganz unten um die braunen Ringmauern, aus dem zur allgemeinen Belustigung vielleicht noch die graue Haifischflosse (Shark fin) eines Seeungeheuers bedrohlich herausragt.
Aber in der harten, historischen Realität (Reality) waren diese tiefen Gräben ganz sicher keine Zierteiche; sie waren die absoluten, oft völlig unterschätzten und unbesungenen wahren Helden (Unsung heroes) der mittelalterlichen Burgverteidigung. Sie waren im direkten Vergleich zum Bau massiver Steintürme relativ günstig und extrem kosteneffizient (Cheap) auszuheben, sie waren in der Abwehr feindlicher Heere absolut tödlich und effektiv (Effective), und sie waren – wenn man den Wahrheitsgehalt historischer Quellen betrachtet – im Alltag meistens schlichtweg absolut ekelhaft und widerwärtig (Disgusting). Vergessen Sie also all die romantisierten Hollywood-Mythen (Hollywood myths) über gefräßige Alligatoren (Alligators) und exotische Piranhas in europäischen Burggräben (diese faszinierenden Tiere existierten im eiskalten mittelalterlichen Europa schlicht und ergreifend überhaupt nicht in freier Wildbahn / Didn’t exist). Der wahrhaftige, reale Horror (Real horror), den ein solcher Graben für einen Angreifer darstellte, war in der Praxis weitaus subtiler, viel tödlicher und zeugte von weitaus größerer militärischer Genialität (More ingenious), als Hollywood es jemals darstellen könnte.
Hier finden Sie absolut alles, was Sie schon immer (und vielleicht auch einiges, was Sie eigentlich niemals) über den profanen, aber hochkomplexen Festungsgraben wissen wollten (Never wanted to know).
1. Überraschung: Längst nicht alle Burggräben waren nass (Not All Moats Were Wet)
Der hartnäckige Mythos (Myth): Absolut jeder klassische Burggraben war früher ein friedlich schimmernder, tiefer See (Shimmering lake), in dessen ruhiger Oberfläche sich die stolzen Burgmauern majestätisch spiegelten. Der historische Fakt (Fact): Das Gegenteil ist der Fall. Die absolute und überwältigende Mehrheit (Most) aller jemals gebauten mittelalterlichen Gräben waren in Wirklichkeit trockene, leere Erdkuhlen (Dry ditches) – oft als Halsgraben oder Trockengraben bezeichnet.
Warum war das so? Weil fließendes oder stehendes Wasser (Water) architektonisch extrem schwer und teuer dauerhaft zu bändigen und zu verwalten (Manage) ist. Um einen nassen Burggraben überhaupt funktionsfähig zu halten, benötigt der Burgherr zwingend eine konstante, absolut verlässliche natürliche Wasserquelle (Reliable source) in direkter Nähe – sei es ein umgeleiteter Fluss (River), eine sehr starke unterirdische Quelle (Spring) oder ein natürlich extrem hoch stehender Grundwasserspiegel (High water table). Stillstehendes, warmes Wasser zieht zudem im Sommer unweigerlich Schwärme von blutsaugenden Mücken an und brütet schreckliche, tödliche Krankheiten (Breed mosquitoes and disease) direkt vor den eigenen Schlafzimmern aus. Im harten nordeuropäischen Winter (Winter) friert ein nasser Graben zudem völlig solide und fest zu (Freezes solid) – was dem Angreifer ironischerweise eine breite, völlig natürliche und unzerstörbare Brücke (Natural bridge) direkt bis an den ungeschützten Fuß der eigenen Burgmauer (Walk across) baut, was den gesamten Zweck der Verteidigung völlig ad absurdum führt. Darüber hinaus sorgt stehendes Wasser dauerhaft dafür, dass die massive, äußere steinerne Stirnseite der Ringmauer ständig tief durchfeuchtet (Perpetually damp) bleibt, was den verwendeten Kalkmörtel (Mortar) extrem schnell zersetzt, aufweicht und die Mauer so über die Jahre systematisch von unten (Decay) her ruiniert.
Ein klassischer trockener Graben (A dry moat), im Französischen oft auch fosse genannt, vermied all diese lästigen und gefährlichen infrastrukturellen Probleme völlig elegant und kostengünstig. Es handelte sich dabei im Grunde einfach nur um einen extrem massiven, an beiden Seiten fast senkrecht abfallenden Schützengraben (Steep-sided trench), der in der Regel beeindruckende 15 bis 30 Fuß (etwa 5 bis 9 Meter) tief und locker 20 bis 40 Fuß breit war. Um den Effekt noch drastisch zu verstärken, war der flache Grund (The bottom) eines solchen trockenen Grabens extrem oft dicht an dicht mit rasiermesserscharf angespitzen, in den Boden gerammten hölzernen Pfählen (Sharpened vertical stakes), sogenannten Fraises (Fraises), tödlich präpariert.
Die Taktik war simpel und brutal: Wenn Sie als feindlicher Soldat im Eifer des Gefechts oben abrutschten und in diesen tiefen Graben stürzten (Fell in), brachen Sie sich beim harten Aufprall unten fast unweigerlich sofort beide Beine (Broke your legs) oder wurden von den versteckten, spitzen Pfählen grausam aufgespießt (Stakes). Wenn Sie das wundersamerweise überlebten und dann panisch versuchten, die ferne, steile äußere Mauer der Burg irgendwie mühsam wieder hinaufzuklettern (Climb the far wall), wurden Sie durch die Schräge sofort extrem stark abgebremst und verwandelten sich zwangsläufig in ein sehr langsam kriechendes, wehrloses und perfektes Übungsziel (Slow-moving target) für die zielsicheren Armbrustschützen, die völlig sicher auf den hohen Zinnen (Battlements above) direkt über Ihnen standen. Wenn die Angreifer stattdessen versuchten, den breiten Graben mit Holzkonstruktionen elegant zu überbrücken (Bridge it), war die physisch benötigte Spannweite (Span) oft schlichtweg viel zu enorm (Enormous); und jeder verzweifelte, zeitaufwändige Versuch, dies unter dem ständigen, konzentrierten und tödlichen Kreuzfeuer (Sustained fire) der Verteidiger zu tun, endete fast immer in einem blutigen Fiasko. Das Prinzip des trockenen Grabens war konzeptionell absolut simpel (Simple), in der Ausführung zutiefst brutal (Brutal) und in der Wirkung über Jahrhunderte hinweg höchst effektiv (Effective).
Der viel zitierte, romantisch-pittoreske nasse Wassergraben (Water moat) – wie er heute in seiner absoluten Perfektion beispielsweise rund um das berühmte Bodiam Castle in der englischen Grafschaft East Sussex zu bewundern ist – war in Wahrheit eine weitaus spätere und seltenere architektonische Entwicklung (Later development). Diese Wassergräben tauchten vermehrt erst viel später im 14. und späten 15. Jahrhundert (14th and 15th centuries) auf, als sich das gesamte Burgdesign langsam weg von der reinen, militärischen Notwendigkeit und hin zu repräsentativen Palästen entwickelte, und sich die ohnehin schon unermesslich reichen adligen Lords die immensen, laufenden Ingenieurs- und Instandhaltungskosten (Engineering cost) für den dauerhaften Unterhalt eines solchen spektakulären, künstlichen “Wasserspiels” (Water feature) rein aus Prestigegründen (Afford) überhaupt leisten konnten.
2. Der wichtigste, streng geheime Zweck: Die absolut ultimative Anti-Bergbau-Technologie (Anti-Mining Technology)
Die allermeisten modernen Burgbesucher nehmen intuitiv und fälschlicherweise an, dass Burggräben (ganz gleich ob tief und nass oder steil und trocken) in allererster Linie ausschließlich dazu gegraben wurden, wütende Horden feindlicher Infanteristen (Infantry assault) physisch davon abzuhalten, mit Leitern direkt an die unteren Tore und Fußmauern zu stürmen. Diese Annahme ist jedoch völlig falsch (They were not). Die mit Abstand allergrößte, tödlichste und absolut existenzielle Bedrohung (Existential threat) für eine dicke, scheinbar unbesiegbare Steinburg stellte niemals der Frontalangriff von oben dar, sondern immer der Angriff von ganz unten: der feindliche Sappeur (Sapper) oder Mineur.
Diese Sappeure waren hochgradig spezialisierte, militärische Bergbauingenieure (Specialist engineers) und zählten aufgrund ihres enorm gefährlichen, aber oft kriegsentscheidenden Fachwissens zu den mit Abstand wertvollsten und absolut bestbezahlten Profis (Valued professionals) in jeder großen mittelalterlichen Belagerungsarmee. Ihre streng geheime und lebensgefährliche Aufgabe war es, oft tief im Verborgenen der Nacht monatelang unbemerkt extrem lange, tiefe unterirdische Stollen und Tunnel (Tunnels) direkt unter das massive, steinerne Fundament (Beneath castle walls) der hoch aufragenden Burgmauern oder Türme des Feindes zu graben. Während sie sich zentimeterweise vorarbeiteten, stützten (Shore up) sie die schwere, drückende Erddecke ihres Tunnelsystem akribisch mit provisorischen dicken Holzbalken und Stützen (Wooden props) ab. Sobald sie den strategisch perfekten Punkt direkt unterhalb des massivsten Eckturms der feindlichen Ringmauer erreicht hatten, füllten (Pack) sie den hintersten, entscheidenden Hohlraum (End space) des Tunnels bis unter die Decke mit Tonnen von extrem brennbarem Material: trockenem Reisig, Stroh und sehr oft auch mit dem extrem fettigen, leicht entzündlichen Fett von geschlachteten Schweinen (Pig fat and kindling). Dann zündeten sie dieses höllische Gemisch an (Alight) und rannten um ihr Leben. Wenn das lodernde Feuer die stützenden Holzbalken schließlich nach Stunden völlig verbrannte und diese unter dem enormen Druck nachgaben (Burned and collapsed), stürzte der gesamte unterirdische Tunnel plötzlich mit einem gewaltigen Ruck in sich zusammen (Caved in). Dem tonnenschweren, massiven Teil der hoch aufragenden Steinmauer direkt darüber (Section of wall above) wurde dadurch schlagartig im wahrsten Sinne des Wortes das feste Fundament entzogen, und er stürzte in Bruchteilen von Sekunden völlig in den leeren, rauchenden Abgrund hinab (Collapsed into the void), was unweigerlich eine riesige, klaffende und völlig ungeschützte Bresche in der ehemals unbesiegbaren Verteidigung hinterließ, durch die nun die wartende feindliche Armee ungehindert direkt in den Burghof stürmen konnte.
Genau diese heimtückische, aber hochgradig effektive unterirdische Taktik, die in der Militärsprache als Unterminieren oder Sappen (Undermining) bezeichnet wird, brachte im Laufe des Mittelalters nachweislich absolut Dutzende der größten und am stärksten befestigten großen Burgen in ganz Europa endgültig zu Fall. Der dramatische, totale Einsturz des massiven Südturms des Rochester Castle im fernen Jahr 1215 (Rochester Castle in 1215) – ein Meisterstück, das Berichten zufolge von König Johns eigenen, hochspezialisierten Mineuren (King John’s sappers) unter Zuhilfenahme des schnell brennenden Fetts von genau vierzig geopferten Schweinen (Fat of forty pigs) erreicht wurde – gilt bis heute als eines der am besten dokumentierten, berühmtesten und spektakulärsten historischen Beispiele für diese Taktik (Documented examples).
Hier betritt nun der rettende Burggraben die Bühne (Enter the Moat): Eine dicke Schicht Wasser ist der absolute, natürliche Endgegner für jeden noch so erfahrenen Mineur. Sie tötet (Kills) jede heimliche Bergbauoperation (Mining operation) fast augenblicklich und sofort im Ansatz ab. Wenn ein eifriger Tunnelgräber unter der Erde bei seiner Arbeit auch nur versehentlich auf die stark wasserführende Schicht des tiefen Burggrabens stößt, bricht die dünne Erdwand unter dem immensen Druck des Wassers schlagartig in den Stollen ein. Der gesamte Tunnel wird innerhalb von Sekunden gewaltsam, dunkel und unaufhaltsam geflutet (Floods), und ausnahmslos jeder einzelne Bergmann darin ertrinkt (Drowns) elendig und grausam im Schlamm, noch bevor er auch nur um Hilfe schreien kann. Doch selbst wenn es sich um einen trockenen Graben (A dry moat) handelte, entfaltete dieser eine extrem mächtige, präventive abschreckende Wirkung: Ein solcher tiefer Schnitt in die Landschaft zwang die feindlichen Sappeure logischerweise dazu, ihren ohnehin schon gefährlichen Stollen noch viel, viel tiefer im Erdreich beginnen (Dig much deeper) zu lassen – sehr oft mussten sie so tief graben, dass sie unweigerlich auf den natürlichen Grundwasserspiegel (Water table) oder sogar auf extrem harten, fast undurchdringlichen und ungrabbaren Felsuntergrund (Bedrock) stießen, noch lange bevor sie überhaupt auch nur in die direkte, horizontale Nähe der eigentlichen feindlichen Burgmauer gelangen konnten (Lateral tunneling). Dies steigerte den benötigten Zeitaufwand (Time), die enormen finanziellen Kosten (Cost) für die Belagerer und das ohnehin schon extrem hohe, ständige Risiko eines spontanen Einsturzes (Risk) der Operation in absolut astronomische, oft kaum noch vertretbare Höhen.
Die brillanten, weitsichtigen Burgbaumeister (Castle builders) des Mittelalters verstanden diese geologischen Zusammenhänge absolut und explizit (Understood explicitly). Extrem viele Burgen, die strategisch bewusst in flachen Gebieten mit naturgemäß sehr hohen Grundwasserspiegeln (High water tables) erbaut wurden, wurden von ihren Schöpfern oft absichtlich (Positioned specifically) genau so platziert und künstlich tief angelegt, dass das natürliche, rettende Grundwasser extrem nah an der sichtbaren Oberfläche lag (Near the surface). Dadurch verwandelten sie das feuchte Gelände und den schlammigen Boden um sie herum von ganz alleine in eine absolut unbezwingbare, tödliche natürliche Waffe (Defensive asset) gegen jeden Angriff von unten. Der mit Wasser gefüllte Graben (The moat) war in diesen schlauen Fällen nicht primär ein hübscher Swimmingpool; er war der deutlich sichtbare, oberirdische, feuchte Beweis (Visible expression) für einen absichtlich und geschickt genutzten Grundwasserspiegel (Water table), der einzig und allein dort existierte und freigelegt wurde, um heimliche feindliche Sappeure effektiv zu stoppen und gnadenlos zu ertränken (Defeat miners).
3. Der ultimative Stopper für riesige Belagerungsmaschinen (The Siege Engine Stopper)
Neben den unsichtbaren Tunnelgräbern stellten riesige, hölzerne Belagerungstürme (Siege towers) die andere große, völlig existenzielle, oberirdische Bedrohung (Great threat) für eine dicke Burgmauer dar. Dabei handelte es sich um kolossale, oft mehrstöckige und schwer gepanzerte Holzstrukturen, die auf enormen, dicken Holzrädern ruhten (Wheels) – es waren effektiv gewaltige, schiebende, fahrende mobile Angriffs-Plattformen (Mobile assault platforms), die so groß waren wie ein Haus. Sie wurden von Hunderten von Männern unter Einsatz ihres Lebens unter Beschuss qualvoll langsam direkt und press an die hohe Burgmauer geschoben (Pushed up to the wall). Dort angekommen, ermöglichten sie es den wartenden Elite-Soldaten im obersten Stockwerk des Turms, in relativer Deckung überraschend eine schwere hölzerne Zugbrücke (Drawbridge) herabzulassen, die dann mit einem lauten Knall genau auf den feindlichen Zinnen (Battlements) landete. Die Truppen konnten dann einfach und auf gleicher Augenhöhe auf die ungeschützte Mauer strömen (Pour across) und den entscheidenden, blutigen Nahkampf eröffnen.
Aber es gab ein gigantisches logistisches Problem: Diese unfassbar schweren Belagerungstürme erforderten zwingend (Required) absolut festen, trockenen, stabilen und vor allem extrem ebenen, waagerechten Boden (Firm, level ground). Sie waren durch ihre immense Höhe von Natur aus extrem kopflastig (Top-heavy) konstruiert und wogen durch das dicke Holz und den Panzerschutz oft viele Dutzend Tonnen (Dozens of tons). Selbst auf nur leicht nassem, extrem aufgeweichtem und schwammigem, weichem Boden (Soft, waterlogged ground) sanken ihre riesigen Räder sofort tief in den weichen Schlamm ein (Sink), der gesamte Turm verlor sofort die wichtige Balance und kippte (Tip) oft tragischerweise auf die Seite, wobei er Hunderte von eigenen Männern unter sich zerquetschte. Und was absolut, physisch unmöglich war (Absolutely could not): Sie konnten unter absolut gar keinen Umständen jemals unvorbereitet einen offenen, unebenen Burggraben überqueren (Cross a moat) – egal ob dieser nass oder trocken war. Es bedurfte vorher immenser und oft wochenlanger Ingenieurs-Vorbereitungen (Engineering preparation).
Um einen solchen riesigen Belagerungsturm auch nur in die unmittelbare Nähe der Mauer bringen zu können (To get a siege tower to the wall), waren die Angreifer unter enormem Zeitdruck gezwungen, zunächst einmal den gesamten breiten, schlammigen Graben komplett mühsam mit Material aufzufüllen (Fill the moat). Diese zermürbende militärische Taktik wurde in der Fachsprache als das „Anlegen eines Dammes“ (Making a causeway) oder das langsame, offene „Heransappen an die feindliche Mauer“ (Sapping to the wall) bezeichnet. Diese Wahnsinnsaufgabe erforderte es, dass die Angreifer im Laufe von Wochen schlichtweg abertausende und abertausende gebündelte, schwere Reisigbündel (Faschinen / Fascines), riesige, schwere Felsbrocken (Stones), Tonnen von purer Erde (Earth) und dicke, schwere Holzstämme (Timber) unaufhörlich per Hand nach vorne in den tiefen Graben warfen. Und das Schlimmste daran: All dieses schwere, langsame Tragen (Carried forward) der Arbeiter musste unweigerlich unter dem völlig ungebremsten, ständigen, intensiven und tödlichen Pfeil- und Armbrustbeschuss (Intense fire) der wachsamen Verteidiger von oben erfolgen, die diesen Dammbau natürlich mit aller Macht verhindern wollten. Diese Knochenarbeit war extrem, katastrophal und unvergleichlich gefährlich (Catastrophically dangerous) und konnte selbst bei großen Armeen oft viele verlustreiche Wochen (Take weeks) andauern, bevor der Graben überhaupt eben genug war, um den riesigen Turm darauf zu schieben.
Und selbst dann (Even then), wenn der Graben endlich erfolgreich aufgefüllt war, war dieser notdürftig aufgeschüttete, schmale, neu entstandene Dammabschnitt (Filled section) in der Regel oft extrem eng und schmal (Narrow). Diese bauliche Tatsache zwang den riesigen, schwerfälligen Belagerungsturm unweigerlich genau auf eine einzige, ganz extrem stark eingeschränkte und vorhersehbare, enge Angriffs-Linie (Restricted line). Dies war ein enormer Vorteil für die Burginsassen: Die Verteidiger konnten nun einfach ihre gesamte, geballte Feuerkraft von Pechnasen, Kanonen und Bogenschützen exakt und tödlich auf genau diesen einen, engen Punkt auf dem Damm konzentrieren (Concentrate all their fire), wo der Turm zwangsläufig durch musste. Der einst so einfache, leere Burggraben transformierte somit auf geniale Weise einen an sich relativ simplen, schnellen Frontalangriff (Simple assault) des Feindes in eine extrem langwierige, blutige, extrem hochkomplexe Ingenieurs-Operation (Complex engineering operation) und erkaufte (Buying) den belagerten, wartenden Verteidigern oft die absolut entscheidenden, rettenden zusätzlichen Tage oder sogar rettenden Wochen (Days or weeks), die sie dringend brauchten, um auf Verstärkung vom König zu warten oder den nahenden, eiskalten Wintereinbruch abzuwarten, der die Belagerer oft zum Rückzug zwang (Additional time).
4. Der bedauernswerte “Nachtmann” (Gong Farmer) und der unfassbare Gestank (The Smell)
Kommen wir nun unvermeidlich zum wirklich zutiefst ekligen Teil (The gross part). Und dieser unappetitliche Abschnitt ist historisch absolut unverhandelbar (Non-negotiable): Er muss ganz zwingend in jedem ehrlichen, ungeschönten historischen Bericht (Honest account) über die wahre Funktion europäischer Burggräben (Castle moats) ausdrücklich erwähnt werden, weil er essenziell für die Abwehr war.
In der überwiegenden Mehrheit der alten Burgen waren die Toiletten – in der mittelalterlichen Sprache vornehm als Garderoben oder Abtritte (Garderobes) bezeichnet – nichts anderes als extrem kleine, kalte, zugige Steinkammern (Small chambers). Diese Kammern waren direkt hoch oben tief in die dicke steinerne Außenmauer der Burg integriert (Built into the thickness of the outer wall) und kragten oft wie kleine Balkone nach außen über den Graben. Sie besaßen im Boden ein einfaches Loch mit einem direkten, vertikalen, völlig offenen Steinschacht (Shaft), der den menschlichen Kot geradewegs und senkrecht nach unten fallen ließ (Empty directly), um ihn direkt im tiefen Graben (Into the moat) zu entsorgen. Er fiel in absolut kein geschlossenes Rohr (Not into a pipe). Er gelangte in keinerlei ausgeklügeltes Reinigungssystem (Not into a treatment system). Alles fiel einfach völlig ungefiltert und roh direkt in das stehende oder fließende Wasser (Directly into the water) weit unten.
Die traurige, schmutzige Wahrheit lautet also: Ja. Der vermeintlich ach so romantische, sanft im Sonnenlicht schimmernde, wunderschöne tiefblaue Burggraben (Shimmering blue moat) war in der schieren, unbarmherzigen Realität des Burgalltags sehr, sehr oft überhaupt nichts anderes als ein gewaltiger, stinkender, offener, öffentlicher Abwasserkanal (Open sewer), der sich um die gesamte Burg zog.
Diese zutiefst unhygienische, stinkende Tatsache hatte für Angreifer mehrere fatale, oft tödliche militärische Konsequenzen (Consequences):
Ungewollte biologische Kriegsführung (Biological Warfare): Allein das versehentliche Abrutschen und der ungewollte Sturz (Falling) hinab in diesen modrigen, brackigen Wassergraben (Moat) bedeutete für den Feind fast schon eine sichere, tödliche bakterielle Infektion (Almost certain infection). Selbst eine noch so winzige, ansonsten völlig harmlose und lächerliche kleine Wunde (Small wound), die man sich beim hektischen Strampeln im tiefen Wasser zuzog – sei es nur ein leichter, oberflächlicher Kratzer von einem der spitzen Holzpfähle (Scratch from the stakes) oder eine völlig bedeutungslose kleine Schramme von einem vorbeifliegenden Pfeil (Graze from an arrow) – führte im unsauberen Graben sofort zum direkten, fatalen Kontakt mit einer extrem hochkonzentrierten, tödlichen Suppe aus gefährlichen Fäkalkeimen und tödlichen Erregern (Soup of pathogens). Der scheinbar harmlose Wassergraben fungierte also historisch, ob nun von den Baumeistern von Anfang an völlig ungewollt und unbeabsichtigt (Inadvertently) oder im Laufe der Zeit völlig bewusst, absichtlich und zynisch einkalkuliert (Deliberately), als eine extrem effektive, hochgefährliche biologische Todes- und Gefahrenzone (Biological hazard zone).
Extreme, eklige Abschreckung durch Ekel (Deterrence through Disgust): Der unerträgliche, penetrante und beißende Gestank (Smell) eines voll aktiven, stark genutzten Burggrabens voller Exkremente im heißen Hochsommer (Summer) war historischen Berichten zufolge oft schon aus einer sehr großen Entfernung über Meilen hinweg überdeutlich wahrnehmbar (Detectable from a considerable distance). Während zahlreiche mittelalterliche Chroniken und Aufzeichnungen (Medieval accounts) bereits in den schillerndsten Farben den furchtbaren, pestilenzartigen Gestank (Stench) unhygienischer großer Belagerungslager (Siege camps) detailliert beschreiben, trug der feindliche Graben selbst noch einmal massiv zu diesem olfaktorischen Albtraum bei (Contributed). Angreifende, oft in schwere Rüstungen gepanzerte Truppen (Attacking troops), die den direkten Befehl hatten, bei einem Frontalangriff todesmutig hüft- oder brusttief durch diese ekelhafte Brühe zu waten (Wade through it), um überhaupt erst einmal die rettende, aber umkämpfte feindliche Mauer stürmen (Assault the wall) zu können, sahen sich dadurch einer absolut grauenhaften, durch und durch entsetzlichen (Thoroughly unpleasant) und extrem demoralisierenden Erfahrung gegenüber, die viele Männer zögern ließ.
Die unbesungene Arbeit des Nachtmanns (The Gong Farmer): Trotz (oder gerade wegen) des offenen Systems musste irgendjemand, der ganz unten in der sozialen Hierarchie stand, diesen tiefen Graben in regelmäßigen Abständen auch einmal von dem sich über die Jahre ansammelnden, festen Unrat befreien und säubern (Clean it). Das war die wenig beneidenswerte, extrem gefährliche und absolut stinkende Aufgabe des sogenannten Gong Farmers (Abtrittanbieters / Gong Farmer) oder des Nachtmanns (Nightsoil Man). Laut strengem, offiziellem Gesetz (By law) in großen Teilen von England war es diesen unglücklichen Männern strikt und unter Strafe vorgeschrieben, diese extrem stark geruchsintensive Knochenarbeit absolut zwingend nur tief in der völligen Dunkelheit der Nacht (At night) auszuführen – der offizielle, etwas heuchlerische Grund dafür lautete: „um das zarte, empfindliche Auge von anständigen, respektablen Bürgern bei hellichtem Tageslicht nicht mit diesem abstoßenden, ekligen Anblick zu beleidigen“ (Offend the sight of respectable persons). Der stoische Gong Farmer stieg mit einer Leiter in den tiefen Graben (Descended) (oder kroch in die tiefen, unterirdischen, dunklen Sickergruben im Inneren der Burg / Internal cesspits) und schaufelte die ekligen, oft stark verfestigten und stinkenden Hinterlassenschaften (Shoveled the accumulated waste) mühsam von Hand in große, hölzerne Fässer (Barrels). Diese vollen Fässer wurden dann in der Morgendämmerung auf rumpelnden Holzkarren aus der Stadt oder Burg gefahren (Carted away) und von den Bauern, die den Dung dringend brauchten, oft sogar für relativ viel Geld als wertvoller, sehr reicher organischer Dünger (Agricultural fertilizer) zur massiven Steigerung der Ernteerträge auf den kargen Feldern aufgekauft (Sell).
Obwohl ihr Berufsstand stark stigmatisiert war, wurden diese Männer, streng gemessen an den sonst eher kärglichen allgemeinen Lohnstandards (Standards of the time) der mittelalterlichen einfachen Arbeiterklasse, oft erstaunlich und vergleichsweise gut (Reasonably well-paid) entlohnt, um sie bei Laune zu halten. Sie und ihre oft großen Familien lebten fast immer völlig isoliert in speziellen, abseits gelegenen, armen und vor allem extrem streng riechenden Vierteln direkt am äußersten Rand der stark besiedelten Stadt (Part of town), ganz einfach aus dem völlig nachvollziehbaren Grund, dass wirklich absolut niemand aus der feinen Gesellschaft jemals freiwillig Tür an Tür in direkter Nachbarschaft (Near them) zu diesem beißenden, ständigen Gestank wohnen oder leben wollte. Dennoch, und das ist wichtig, waren sie eine völlig offiziell rechtlich anerkannte, organisierte und gut geschützte Handwerksgilde (Recognized craft guild). Ohne die harte Arbeit dieser Männer wäre die Burg in ihrem eigenen Unrat erstickt. Sie erfüllten mit ihrer harten, oft tödlichen Arbeit (an giftigen Gasen in den Gruben) eine absolut essenzielle, vitale Grundfunktion, von der letzten Endes wirklich ausnahmslos jeder einzelne Adlige, Soldat und Bewohner der gesamten Burg – vom mächtigen Lord oben bis zum armen Diener – für die Aufrechterhaltung der elementarsten, grundlegendsten basalen Hygiene (Basic sanitation) völlig abhängig war (Depended on).
Man kann also sagen: Es war, ganz nüchtern und pragmatisch betrachtet, durchaus ein sehr ehrlicher, harter und nützlicher Broterwerb (Honest living), wenn, und nur wenn, man das große Glück hatte, absolut von Geburt an über überhaupt keinen intakten, funktionierenden Geruchssinn (Sense of smell) zu verfügen.
5. Das versteckte Ingenieurswesen: Wie genau man damals einen Graben baute (The Engineering)
Das erfolgreiche, dauerhafte und dichte Bauen eines wirklich großen, nassen Wassergrabens (Water moat) stellte für die mittelalterlichen Architekten eine wahrhaft gigantische, oft Jahre andauernde, intellektuelle und massive physische Herausforderung (Significant feat) der mittelalterlichen Ingenieurskunst (Medieval engineering) dar, ganz besonders und speziell dann, wenn auf dem flachen Burgberg überhaupt gar keine sprudelnde, natürliche Wasserquelle direkt aus dem Boden zur sofortigen und einfachen Verfügung stand (No natural water source).
Gestaute und massiv umgeleitete Flüsse (Dammed and Diverted Rivers): Am berühmten Beispiel von Leeds Castle, das oft als die schönste Burg Englands bezeichnet wird, in der englischen Grafschaft Kent, wurde der eigentlich kleine, harmlose lokale Fluss namens Len (River Len) unter enormem, unfassbarem Arbeitsaufwand massiv gestaut (Dammed) und in seinem weiten Flussbett völlig umgeleitet (Diverted), um den riesigen See, der die Burg wie einen weiten, breiten Graben (Moat) umgab, künstlich überhaupt erst zu erschaffen (Create) und dann für Jahrhunderte auf dem exakt gleichen Niveau stabil zu halten (Maintain). Dies war eine gigantische militärische, bauliche Groß-Operation (Operation), die Erdbewegungen auf einem fast schon unvorstellbar großen, enormen Maßstab (Considerable scale) zwingend erforderte. Es verlangte zudem unaufhörlich eine völlig endlose, ständige, personalintensive und teure Wartung (Ongoing maintenance), um sicherzustellen, dass die unverzichtbaren hölzernen Ein- und massiven Auslassschleusen (Inlet and outlet sluices), die den Druck regulierten, in den feuchten Wintern und trockenen Sommern stets fehlerfrei und sicher funktionsfähig blieben (Functional), da sonst die Burg entweder weggespült wurde oder auf dem Trockenen saß.
Die Kunst der Lehmabdichtung (Clay Puddling): Man kann Wasser nicht einfach in ein gegrabenes Erdloch füllen; es würde innerhalb von Tagen im porösen Boden völlig versickern. Sowohl der flache Grund (The bed) als auch die extrem steilen, künstlichen Seitenwände (Sides) eines nassen Wassergrabens mussten daher in monatelanger Schwerstarbeit zwingend und absolut wasserdicht (Waterproof) versiegelt werden. Dies erreichte man fast ausschließlich durch eine extrem mühsame, primitive Methode namens “Puddling” (Puddling) – das systematische, stundenlange Kneten und Durchwalken von unzähligen Tonnen dicken, feuchtem Lehm oder Tonerde (Wet clay) ausschließlich mit nackten menschlichen Füßen (By foot). Dabei trampelten die Arbeiter buchstäblich so lange auf dem Schlamm herum (Trampling it), bis durch den massiven Druck auch noch absolut jede letzte, mikroskopisch kleine eingeschlossene Luftblase restlos aus dem Ton herausgequetscht (Expelled) war und die Masse so eine völlig feste, homogene und wasserundurchlässige, dichte Auskleidung (Impermeable lining) des gesamten Grabens bildete. Diese extrem harte, rückenbrechende und monotone Technik (Technique), die interessanterweise fast vollkommen exakt und haargenau identisch (Identical) war mit genau jenen revolutionären Methoden, die ganze vier Jahrhunderte später von modernen Ingenieuren in großem industriellen Maßstab beim gewaltigen Bau von europäischen Kanälen (Canal construction) erfolgreich und überall eingesetzt wurden, verlangte nach enorm viel roher, billiger menschlicher Arbeitskraft (Significant labor) und überraschend viel speziellem, handwerklichem Geschick (Skill). Wenn hier geschlampt wurde, lief der Graben aus.
Raffinierte Schleusentore (Sluice Gates): Jeder wirklich ernst zu nehmende, professionell funktionierende militärische Wassergraben (Functional water moat) brauchte für das feine Wassermanagement zwingend mindestens einen einzigen steuerbaren Einlass (Inlet) und noch viel wichtiger einen regulierbaren Auslass (Outlet) für das stehende Wasser, das oft von einer Art Staudamm umgeben war, die jeweils mit einem schweren, bedienbaren hölzernen Schleusentor (Sluice gate) gesichert waren. Dies verlieh den scharfsinnigen Verteidigern (Defenders) die absolute, totale und jederzeitige Kontrolle über das Verhalten des Elements Wasser selbst (Control the water level): Sie konnten den rettenden Wasserspiegel vor einem drohenden Angriff extrem schnell ansteigen lassen (Raising it), um ahnungslose, heranstürmende Angreifer in den Gräben gnadenlos zu fluten (Flood attackers), sie konnten ihn völlig und schnell in den nahen Fluss ablassen (Lowering it), um dringende, sichere Wartungsarbeiten an der Mauerbasis (Maintenance) im Trockenen durchzuführen, oder sie konnten das Wasser absichtlich heimtückisch und leicht variieren (Manipulating it), um den grabenden Sappeuren systematisch jegliches genaue Wissen (Deny knowledge) darüber zu entziehen, wie tief genau das für sie oft tödliche Grundwasser (Water table depth) eigentlich lag.
Schwere Zugbrücken und ausbalancierte Wippbrücken (Drawbridges and Turning Bridges): Mindestens genauso entscheidend wie das bloße Vorhandensein eines solchen unüberwindbaren, breiten Grabens war natürlich der komplizierte, aber notwendige technische Mechanismus (Mechanism), mit dem man diesen tiefen Abgrund im Alltag sicher in Friedenszeiten überqueren (Crossing) konnte. Eine simple, kleine, traditionelle hölzerne Zugbrücke (Drawbridge) war oft starr und wurde durch eiserne Ketten (Chains), die stramm an der vorderen Außenkante befestigt waren, durch Seilwinden hochgezogen (Raised), bis die Holzbohlen bündig und plan gegen den schweren, steinernen Eingang des großen Torhauses (Gatehouse entrance) krachten und diesen verschlossen. Deutlich raffiniertere, spätere, fortschrittlichere architektonische Designs aus dem Spätmittelalter (Sophisticated designs) nutzten oft eher eine genial ausbalancierte Wippbrücke oder Klappbrücke (Turning bridge), die fast wie eine simple Kinderschaukel (See-saw) funktionierte: Wenn sich die lange, über den Graben reichende äußere, leichtere Hälfte bei Alarm hoch in die Luft (Outer half raised) in Sicherheit hob, senkte sich die kürzere, aber mit extrem schweren Blei- oder Steingewichten beladene innere Hälfte der Brücke elegant, lautlos und extrem schnell tief hinab in eine speziell dafür in den Tor-Boden gegrabene, hohle Grube (Pit). Dies machte den enorm schweren Mechanismus durch Physik von ganz alleine selbstausgleichend (Self-balancing) und ermöglichte es den verängstigten Wachen bei einem plötzlichen, überraschenden feindlichen Überfall, die rettende Brücke in Bruchteilen von Sekunden und extrem viel schneller und kraftsparender hochzuziehen (Faster to operate), um die Angreifer für immer draußen zu lassen.
6. Fischzucht in der Festung? (Fish Farming?)
Das tägliche mittelalterliche Leben in der Burg drehte sich zum Glück nicht immer nur fast ausschließlich und rund um die Uhr nur um den ekligen Dreck und den drohenden plötzlichen, grausamen Tod (Poop and death). In den oft recht langen, ungestörten und ruhigen Zeiten des kostbaren Friedens (Peacetime) wurden gut gepflegte und absichtlich sehr saubere Wassergräben (Clean moats) vom Lord der Burg aus reinem wirtschaftlichen Pragmatismus sehr oft üppig und gezielt mit Speisefischen besetzt (Stocked with fish) – als lebender Kühlschrank. Hauptsächlich wurden hier robuste, nahrhafte Karpfen (Carp), wehrhafte Hechte (Pike), Schleien (Tench), Barsche (Perch) und Aale (Eel) gehalten.
Für das streng gläubige, vom Papst dominierte katholische Europa (Catholic Europe), das sich an zahllosen religiösen Tagen strikt geißelte und völlig von rotem Fleisch fernhielt (Abstained from meat) – dazu zählten ausnahmslos alle Freitage im Jahr (Fridays), die vielen Vorabende großer heiliger Feiertage (Eves of feast days) und natürlich durchgängig die gesamte harte, vierzigtägige lange Fastenzeit (Lent), was sich insgesamt im Laufe eines einzigen Jahres oft auf stattliche, erstaunliche 150 bis 160 fleischlose Tage (150 days per year) summieren konnte –, war ein gut gefüllter, ständig erreichbarer Wassergraben eine absolut gigantische, lebensrettende und ständige Hauptquelle für gesundes, frisches Protein (Source of protein). Allein für eine kleine, normale Friedens-Garnison von lediglich etwa 50 hungrigen, kampfbereiten Soldaten (50 soldiers) konnte ein solch funktionierender, großer Graben leicht mühelos mehrere Hundert Pfund wertvollen Fisch pro Jahr (Several hundred pounds of fish) zuverlässig und günstig liefern, ohne das Budget der Burg zu belasten.
Einige sehr prunkvolle, königliche Burgen hielten zur reinen Dekoration auch oft wunderschöne, anmutige Schwäne (Swans) auf dem sanften Wasser ihrer weiten Wassergräben. Diese stolzen Schwäne dienten gleich mehreren wichtigen, völlig unterschiedlichen Zwecken (Multiple purposes) im Burgalltag: Erstens sahen sie einfach unbestreitbar absolut majestätisch und wunderbar aus (Looked magnificent), was den Reichtum des Lords betonte. Zweitens waren sie nach strengem mittelalterlichen Gesetz (By law) exklusiv als persönliches, unantastbares Eigentum ausschließlich für die britische Krone reserviert (Reserved for the Crown), was das bloße, legale Vorhandensein solcher Vögel auf dem Graben eines Lords automatisch zu einem enormen, weithin sichtbaren Statussymbol (Status symbol) seiner starken, intimen königlichen Verbindung machte. Drittens lieferten ihre großen, festen weißen Federn (Feathers) das absolute, begehrte Premium-Material (Premium fletching), das die Pfeilmacher der Burg für die Befiederung der tödlichen Langbogen-Pfeile der Wachen extrem hoch schätzten. Und viertens, was oft verschwiegen wird: Im alleräußersten, bittersten und verzweifeltsten militärischen Notfall einer Belagerung (In extremis) waren diese schönen Tiere natürlich ebenfalls ohne Ausnahme essbar (Edible). Schwanenfleisch galt auf großen, opulenten königlichen Hochzeits- oder Siegesbanketten (Royal banquets) ohnehin seit jeher als eine extrem begehrte, seltene und fast unbezahlbare echte Delikatesse (Delicacy). Nichts wurde in einer Burg je verschwendet.
Das endgültige, architektonische Vermächtnis des Grabens (The Moat’s Legacy)
Der klassische, extrem tiefe und breite Verteidigungs-Burggraben, wie wir ihn alle kennen, verschwand als wirklich essenzielles, wichtiges und militärisch ernstzunehmendes architektonisches Verteidigungsmerkmal eigentlich fast sofort und faktisch fast völlig (Effectively disappeared), als die zerstörerische, zielgenaue und weitreichende Feldartillerie auf den Schlachtfeldern endgültig ihren unausweichlichen, unerbittlichen Siegeszug antrat (Arrival of effective artillery). Die völlig neuen, tödlichen eisernen Kanonen konnten nun ohne Probleme plötzlich völlig mühelos aus einer extrem weiten, sicheren Entfernung zielgenau schießen (Fire at range) – ihre Reichweite war nun derart massiv (Far enough), dass sie und die Artilleristen beim Beschuss völlig entspannt, unangreifbar und dauerhaft komplett außerhalb (Outside) des gefährlichen Verteidigungsperimeters des feindlichen Grabens (Defensive perimeter) in Deckung bleiben konnten. Extrem dicke, hohe alte Steinmauern, die in der Vergangenheit einen Treffer durch ein hölzernes Trebuchet noch durch schiere Masse leicht abfedern konnten (Absorb trebuchet shot), zersplitterten (Shattered) nun innerhalb von Stunden wie billiges Glas völlig unter der unaufhörlichen, extrem hohen punktuellen, massiven kinetischen Aufprallwucht (Focused impact) Hunderter eiserner Kanonenkugeln (Cannonballs). Die grundlegende, architektonische Philosophie und das gesamte tiefe, statische Konzept (Entire philosophy) der klassischen, extrem statischen europäischen mittelalterlichen Burgbefestigung (Medieval fortification) wurde somit historisch betrachtet innerhalb von nur wenigen sehr kurzen, gewaltigen Jahrzehnten (Few decades) völlig und für immer völlig obsolet (Obsolete).
Trotz dieses militärischen Niedergangs überlebte (Lived on) die Idee des romantischen Wassergrabens jedoch die Jahrhunderte, allerdings in einer radikal und völlig verwandelten (Transformed), harmlosen Form. Im Laufe des 16. und der Mitte des 17. Jahrhunderts (16th and 17th centuries) in Europa wurde der Graben im Bauwesen fast ausschließlich zu einem reinen, extrem aufwendigen landschaftlichen Dekorationsmerkmal degradiert (Decorative feature) – er mutierte zum stilvollen, flachen Reflexionsbecken (Reflecting pool), dessen Hauptaufgabe nur noch darin bestand, durch makellose Spiegelungen im Wasser die atemberaubende visuelle und monumentale Größe (Visual grandeur) des teuren Herrenhauses (Manor house) oder des königlichen Palastes, den er anmutig umgab, optisch pompös zu verdoppeln. Berühmte Orte wie der Hampton Court Palace in England, das bombastische Versailles in Frankreich und absolut Dutzende weiterer prächtiger, britischer klassizistischer Landsitze (English country houses) behielten zwar ihre flachen Gräben eifrig bei – aber absolut nicht mehr zur blutigen und brutalen Verteidigung vor nahenden Feinden (Not for defense), sondern ganz einfach nur noch aus rein eitlen Gründen der perfekten landschaftlichen Schönheit (Beauty) und Symmetrie.
Und doch fasziniert er uns weiter. Jedes einzelne kleine Kind auf dieser Welt, das jemals voller Eifer und Konzentration mit einem blauen Stift eine wehrhafte, eckige Burg mit Türmen auf ein Blatt Papier zeichnet, zeichnet heute völlig instinktiv und gedankenverloren noch immer genau diesen einen dicken Strich um die Burg herum – den blauen, wackeligen Kringel (Blue squiggle). Ein harmlos wirkender blauer Kringel aus Farbe, der, oft völlig unwissend von seinem jungen Künstler, die jahrhundertelange (Centuries of), unfassbare Geschichte grandioser, tödlicher mittelalterlicher Ingenieurskunst (Engineering), zutiefst ekliger, katastrophaler hygienischer Verhältnisse (Hygiene), wertvoller zappelnder Fische (Fish) im Wasser und einer geradezu grausamen, genialen (Grim ingenuity) Überlebensnotwendigkeit des dunklen Mittelalters in sich birgt.
Besuchen Sie die architektonisch besten Gräben selbst (Visit the best moats):
- Bodiam Castle, Grafschaft East Sussex: Dies ist das absolute, fehlerfreie Lehrbuchbeispiel (Textbook) des perfekten englischen Wassergrabens schlechthin. Wenn Sie an einem völlig windstillen, ruhigen Morgen (Still mornings) früh dorthin kommen, bietet der glatte See eine absolut vollkommene, märchenhafte und spiegelnde Reflexion der massiven Türme.
- Leeds Castle, Grafschaft Kent: Dieses Schloss, das oft und gerne stolz als Englands absolut mit Abstand schönstes und romantischstes kleines Schloss (Most beautiful castle) beworben wird, ist fast vollständig umgeben und umspült von einem sehr breiten, künstlichen, malerischen See (Broad lake), der historisch und baulich aus dem aufwendig künstlich umgeleiteten lokalen Fluss Len (Diverted Len) durch Dämme kunstvoll geformt und aufgestaut wurde.
- Chepstow Castle, Grafschaft Monmouthshire in Wales: Hier sehen Sie die weitaus ältere Wahrheit. Einen absolut furchterregenden (Formidable), extrem abweisenden und steilen, knochentrockenen Felsgraben (Dry ditch), der von hart arbeitenden Menschen mit einfachen Werkzeugen direkt massiv und tief komplett in den blanken, existierenden, harten Fels geschlagen wurde (Cut from living rock). Er zeigt heute noch auf absolut eindrucksvollste, brutale Weise jedem Touristen genau, wie das rohe, militärisch und unbarmherzige, ursprüngliche erste Grabenkonzept (Original moat concept) tief unten wirklich im Ernstfall ungeschönt aussah (Looked like).
- Caerphilly Castle, im südlichen Wales: Die mit riesigem Abstand massivste, strategisch raffinierteste, komplexeste und ehrfurchtgebietendste Wasserverteidigungsanlage (Sophisticated water defense) in ganz Großbritannien – ein extrem verwirrender, riesiger, vom Mensch und Ingenieuren absichtlich angelegter Verteidigungskomplex bestehend aus gewaltigen, hohen Erddämmen (Dams), tiefen, großen, künstlich gestauten Wasser-Seen (Lakes) und völlig isolierten Verteidigungs-Inseln (Islands), der insgesamt ein absolut atemberaubendes Gelände von über 30 Hektar (30 acres) mit tödlichen Gewässern in der walisischen Landschaft einnimmt und überschwemmt.