← Zurück zu den Burgen
Bamburgh Castle

Bamburgh Castle

📍 Northumberland, England 📅 Gebaut im Jahr 1096

Der König der englischen Burgen

Weitläufig und bedrohlich erstreckt sich Bamburgh Castle über neun Hektar eines harten Dolerit-Felsvorsprungs, der sich mehr als 45 Meter senkrecht über die windgepeitschten Sanddünen der Nordsee erhebt. Diese gewaltige Anlage ist zweifellos eines der stärksten und ikonischsten architektonischen Symbole der historischen englischen Nordgrenze. Die Festung wird völlig zu Recht oft und ehrfürchtig als der "König der Burgen" (The King of Castles) bezeichnet. Seit weit über 1.400 Jahren ist dieser strategisch unvergleichliche Ort ein zentraler Brennpunkt königlicher Macht. Bamburgh war die glanzvolle Hauptstadt des mächtigen angelsächsischen Königreichs Northumbria, ein verlockendes und begehrtes Hauptziel für blutrünstige Wikingerüberfälle, später eine als unbezwingbar geltende normannische Hochburg und ironischerweise auch die allererste Burg in ganz England, die schließlich der gewaltigen Zerstörungskraft der neuen Schwarzpulver-Artillerie zum Opfer fiel. Heute dominieren der massive, gedrungene normannische Bergfried (Keep) und die scheinbar endlosen, wehrhaften roten Sandsteinmauern die gesamte Küstenlinie und sind schon aus vielen Kilometern Entfernung als Warnung sichtbar.

Wer auf den hohen, zinnenbewehrten Brustwehren von Bamburgh steht, spürt unweigerlich das erdrückende Gewicht der jahrtausendealten Geschichte. Direkt unterhalb der steilen Klippen erstrecken sich die weiten, goldenen Sandstrände, die heute zu den schönsten und unberührtesten in ganz Großbritannien zählen; weiter draußen auf der rauen See erkennt man an klaren Tagen die felsigen Farne-Inseln sowie die heilige Gezeiteninsel Lindisfarne (Holy Island). Es ist eine harte, kompromisslose Landschaft, die gleichermaßen von frommen Heiligen und brutalen Kriegern geprägt wurde, und das unerschütterliche Bamburgh bildet ihr absolutes, schlagendes Herz. Der beißende Wind, der fast pausenlos von der eisigen Nordsee herüberpeitscht, dient jedem Besucher als ständige, körperliche Erinnerung an die extrem raue und unerbittliche Umgebung, die die widerstandsfähigen Menschen dieser abgelegenen Grenzregion über Generationen hinweg geformt hat.

Geschichte: Der blutige Thron des Nordens

Die tiefen historischen Wurzeln von Bamburgh reichen weit in die dunkle Zeit vor der normannischen Eroberung zurück. Bereits im 6. Jahrhundert eroberte der ehrgeizige angelsächsische König Ida der Flammenbringer (Ida the Flamebearer) den strategisch wertvollen Felsen und ließ dort die erste hölzerne Festung errichten. Dieser Ort entwickelte sich schnell zum königlichen Hauptsitz der Könige von Northumbria, welches zu jener Zeit unbestritten das reichste und mächtigste Königreich auf den gesamten britischen Inseln war. In den alten Chroniken war die Festung weithin unter dem Namen Bebbanburg bekannt (benannt zu Ehren der Königin Bebba). Millionen von begeisterten Fans von Bernard Cornwells Bestseller-Romanreihe The Saxon Stories (und der globalen TV-Erfolgsserie The Last Kingdom) werden diesen Namen sofort freudig wiedererkennen: Es ist die legendäre, hart umkämpfte Heimat der Ahnen von Uhtred von Bebbanburg, dem charismatischen Helden der Saga, der sein ganzes Leben lang erbittert darum kämpft, sein rechtmäßiges Erbe zurückzuerobern.

Das stolze Schloss litt im 9. und 10. Jahrhundert furchtbar unter den ständigen, gnadenlosen Überfällen der Wikinger (und wurde im Jahr 993 sogar fast vollständig zerstört), wurde jedoch später von den pragmatischen Normannen in Stein wiederaufgebaut. Der gewaltige, quadratische steinerne Bergfried (Keep), der die Anlage bis heute dominiert, wurde im späten 12. Jahrhundert auf direkten Befehl von König Heinrich II. konstruiert. Der lange Mythos der absoluten militärischen Unbezwingbarkeit der Burg endete jedoch abrupt und brutal im Jahr 1464, während der extrem blutigen englischen Rosenkriege. Bamburgh ging unrühmlich in die Militärgeschichte ein, als es als erste Burg in England durch den massiven und pausenlosen Beschuss riesiger Belagerungskanonen zur Kapitulation gezwungen wurde. Danach verfiel die einst so stolze Anlage für mehrere Jahrhunderte in eine romantische, aber traurige Ruine, bis sie im Jahr 1894 von dem unermesslich reichen viktorianischen Industriemagnaten, genialen Erfinder und Waffenhändler William Armstrong (später Lord Armstrong) erworben wurde. Er gab ohne zu zögern ein absolutes Vermögen aus, um die Anlage in den absolut prächtigen und atemberaubenden Zustand zu versetzen, den wir heute so bewundern können. Seine ursprüngliche, zutiefst philanthropische Absicht war es faszinierenderweise, aus der riesigen Festung ein luxuriöses Erholungsheim für pensionierte und verarmte Gentlemen zu machen.

Architektur: Normannische militärische Macht trifft auf viktorianische Pracht

Das heutige Bamburgh Castle ist eine absolut faszinierende, fast schon schizophrene Kombination aus purer mittelalterlicher militärischer Stärke und beispiellosem viktorianischem Luxus. Die äußere Hülle des Bauwerks ist eine reine, abweisende Festung, geprägt von massiven, unüberwindbaren Ringmauern (Curtain Walls) und wuchtigen Wachtürmen. Der sogenannte Keep (Bergfried) ist der mit Abstand älteste, vollständig erhaltene Teil der Anlage; er ist ein gewaltiger, quadratischer Turm mit unglaublichen, über 3 Meter (11 Fuß) dicken Steinmauern. Dieser dunkle Turm diente als der absolut letzte, sichere Zufluchtsort für die verzweifelte Garnison bei einer feindlichen Belagerung und steht heute als ein ewiges, steinernes Zeugnis für die unübertroffene Brillanz und Kompromisslosigkeit der normannischen Festungsbaukunst.

Die Große Halle des Königs (The King's Hall)

Im starken Kontrast zum Äußeren schuf die aufwendige und extrem teure Restaurierung durch Lord Armstrong im Inneren der Burg eine beeindruckende Abfolge von geradezu fürstlichen Prunkräumen (State Rooms). Die sogenannte King's Hall bildet dabei das absolute, unbestrittene Herzstück. Sie ist eine romantische, viktorianische Neuinterpretation einer klassischen mittelalterlichen Großen Halle. Ihr markantestes Merkmal ist das wahrhaft meisterhafte, offene Hammerbalken-Dach (Hammer-Beam Roof) aus importiertem Teakholz. Dieses unglaubliche Dach wurde ironischerweise exakt von denselben hochspezialisierten Handwerkern gefertigt, die zuvor auch das berühmte Dach der historischen Westminster Hall in London repariert hatten. Heute wird dieser atemberaubende Raum sehr häufig und gerne für exklusive Traumhochzeiten und große, gesellschaftliche Events gemietet. Die angrenzende Cross Hall und die historische Schlossbibliothek (Library) sind heute bis unter die Decke gefüllt mit feinsten Kunstwerken, wertvollen antiken Wandteppichen und seltenem Porzellan. Sie demonstrieren eindrucksvoll den fließenden, historischen Übergang der Anlage von einer brutalen, blutigen Grenzfestung zu einem komfortablen, aristokratischen Herrenhaus. Der harte, visuelle Kontrast zwischen dem rauen, abweisenden und wettergegerbten Äußeren der Burg und dem opulenten, warmen und luxuriösen Inneren ist für jeden Besucher absolut verblüffend.

Das Armstrong-Museum (The Armstrong Museum)

Die riesige Burganlage beherbergt heutzutage auch das faszinierende Armstrong and Aviation Museum (Luftfahrt- und Technikmuseum). Der ehemalige Besitzer, Lord Armstrong, war ein absolut brillanter, wenn auch umstrittener Erfinder, Wissenschaftler und einer der größten Waffenproduzenten der Welt (er wurde in der Presse oft ehrfürchtig der "Magier des Nordens" genannt). Das Museum zeigt eine große Auswahl seiner bahnbrechenden Erfindungen, darunter sehr frühe, komplexe hydraulische Maschinen und natürlich die weltberühmten, gefürchteten Armstrong-Kanonen (Armstrong Guns), mit denen unzählige Kriegsschiffe auf der ganzen Welt schwer bewaffnet wurden. Darüber hinaus präsentiert die umfassende Ausstellung auch eine Vielzahl von militärischen Artefakten aus den beiden verheerenden Weltkriegen, die die anhaltende, immense strategische Bedeutung der rauen Küste von Northumberland bis in die Moderne hinein deutlich unterstreichen.

Mythen und Legenden: Der grässliche Lindwurm und die giftige Kröte

Wie jeder alte Ort in dieser Grenzregion ist auch Bamburgh geradezu durchtränkt von dunkler, lokaler Folklore und alten Legenden. Die mit Abstand berühmteste und älteste Erzählung ist die schaurige Ballade vom "Laidly Worm of Spindleston Heugh" (Der grässliche Lindwurm von Spindleston Heugh). Diese dunkle Geschichte erzählt tragisch von einer wunderschönen Prinzessin aus Bamburgh, die von ihrer extrem eifersüchtigen und bösartigen Stiefmutter durch schwarze Magie in einen furchterregenden, feierspeienden Drachen (einen sogenannten "Worm" oder Lindwurm) verwandelt wurde. In dieser monströsen Gestalt terrorisierte das arme Mädchen jahrelang blindwütig die gesamte umliegende Landschaft, verwüstete Felder und fraß das Vieh. Dies ging so lange, bis ihr mutiger Bruder, der junge Childe Wynd, endlich von seinen langen Reisen aus Übersee zurückkehrte. Als er erkannte, was geschehen war, kämpfte er nicht gegen das Biest, sondern küsste den abscheulichen Drachen furchtlos auf die Schuppen. Durch diesen Akt reiner, familiärer Liebe brach er den dunklen Zauber endgültig und verwandelte sie glücklich zurück in ihre menschliche Gestalt. Als Bestrafung wurde die böse Stiefmutter vom Bruder daraufhin in eine widerliche, riesige Kröte verwandelt. Lokale Legenden besagen hartnäckig, dass diese Kröte noch bis zum heutigen Tag tief in einer dunklen, feuchten Höhle direkt am Fuße des massiven Burgfelsens lebt und jeden unvorsichtigen Passanten wütend mit tödlichem Gift bespuckt. Diese traditionelle Ballade ist eines der ältesten überlieferten Lieder in der gesamten Region und wurde über zahllose Generationen hinweg mündlich weitergegeben.

Eine weitere, etwas jüngere, aber ebenso tragische Legende rankt sich um die sogenannte "Pink Lady" (Die rosa Dame). Sie war der Sage nach eine normannische Prinzessin, die sich in blindem, unerträglichem Kummer freiwillig von den höchsten Zinnen der Burg in den sicheren Tod stürzte, nachdem ihr geliebter Ritter von ihrem Vater, dem König, grausam in die Verbannung nach Übersee geschickt worden war. Es wird immer wieder berichtet, dass ihr ruheloser Geist, bekleidet mit einem fließenden, rosa schimmernden Kleid, nachts weinend und für immer traurig durch die dunklen, endlosen Korridore des Schlosses wandert. Viele Besucher und Mitarbeiter haben über die Jahre hinweg immer wieder von plötzlichen, unerklärlichen kalten Stellen (Cold Spots) und einem sehr seltsamen, bedrückenden Gefühl der Anwesenheit, besonders in den alten, dunklen Treppenhäusern, berichtet. Auch der weitläufige Strand direkt unterhalb der Festung soll der Überlieferung nach von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht werden, insbesondere vom Geist des Dr. John Sharp, einem äußerst engagierten und philanthropischen Treuhänder aus dem 18. Jahrhundert, der sein halbes Leben damit verbrachte, das damals verfallene Schloss vor dem endgültigen, totalen Ruin zu bewahren.

Praktische Informationen für Ihren Besuch

Die Anreise nach Bamburgh

Das majestätische Bamburgh Castle liegt direkt in dem charmanten, kleinen, gleichnamigen Dorf Bamburgh in der Grafschaft Northumberland. Mit dem Auto ist es etwa eine knappe, malerische Fahrstunde in Richtung Norden von der Großstadt Newcastle upon Tyne entfernt. Der nächstgelegene, größere Bahnhof für Zugreisende befindet sich in der Grenzstadt Berwick-upon-Tweed (weiter im Norden) oder alternativ in Alnmouth (weiter im Süden). Von beiden Bahnhöfen aus können Sie problemlos einen lokalen Bus (die Linie Arriva X18) nehmen, der Sie direkt bis fast vor die Tore des Schlosses bringt. Die Autofahrt entlang der rauen, unberührten Küstenstraße bietet dem Fahrer absolut spektakuläre und unvergessliche Ausblicke auf das Meer und die Festung.

Der Strand (Bamburgh Beach)

Ein Besuch des Schlosses sollte immer zwingend mit einem ausgedehnten, entspannenden Spaziergang am fantastischen Bamburgh Beach, der direkt unterhalb der Festung liegt, verbunden werden. Der atemberaubende Anblick des massiven, roten Schlosses, das sich scheinbar organisch aus den sanften, grasbewachsenen Sanddünen erhebt, ist unbestritten eines der berühmtesten, dramatischsten und am meisten fotografierten Motive im gesamten Vereinigten Königreich. Bei Ebbe zieht sich das Meer weit zurück und man kann in aller Ruhe die zahlreichen, kleinen Felspools (Rock Pools) am Rande des Strandes erkunden und Krabben suchen. Wenn das typisch britische Wetter es zulässt, ist dies zudem der absolut perfekte Ort für ein unvergessliches Familienpicknick im Schatten der Geschichte.

Einrichtungen und Zugänglichkeit

Die gesamte Anlage des Schlosses ist in der Regel das ganze Jahr über täglich für Besucher geöffnet. Innerhalb der Mauern, in den umgebauten viktorianischen Stallungen, befindet sich heute ein ausgezeichneter, gemütlicher Tearoom (Teestube), der warme Mahlzeiten und Scones serviert, sowie ein gut sortierter Souvenirladen. Das gesamte Burggelände ist extrem weitläufig; planen Sie daher unbedingt mindestens 2 bis 3 volle Stunden für einen Besuch ein, um nicht in Hektik zu geraten. Die prächtigen Prunkräume im Inneren sind weitgehend barrierefrei zugänglich, der historische Bergfried (Keep) erfordert jedoch unvermeidlich das Steigen von Treppen. Eine charmante Besonderheit: Das Schloss ist faszinierenderweise noch immer der private, familiäre Wohnsitz der heutigen Familie Armstrong. Dies verleiht dem massiven Gebäude, trotz seines völlig monumentalen und einschüchternden Maßstabs, ein überraschend lebendiges, wohnliches und gepflegtes Gefühl. Über das ganze Jahr verteilt werden zudem zahlreiche spannende Spezialveranstaltungen auf dem Gelände abgehalten, wie zum Beispiel stimmungsvolle Open-Air-Kinovorführungen an lauen Sommerabenden und laute, authentische historische Reenactments (Schlachten-Nachstellungen), die die kriegerische und bunte Geschichte der Festung für Jung und Alt wieder lebendig werden lassen.