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Caerphilly Castle

Caerphilly Castle

📍 Caerphilly, Wales 📅 Gebaut im Jahr 1268

Der eiserne Riese von Wales

Das gigantische Caerphilly Castle (auf Walisisch Castell Caerffili) dominiert das Zentrum der gleichnamigen Stadt absolut und bedrohlich. Es ist unbestreitbar eine historische Festung der extremen Superlative: Sie ist die mit großem Abstand flächenmäßig größte Burg in ganz Wales, die zweitgrößte auf den gesamten britischen Inseln (direkt hinter dem königlichen Schloss Windsor) und wird von Architekturhistorikern einhellig als eines der großartigsten, fortschrittlichsten Beispiele mittelalterlicher Militärarchitektur in ganz Europa gefeiert. Mit einer gewaltigen, ummauerten Gesamtfläche von über 12 Hektar (30 Acres) ist diese Anlage beachtliche dreimal so groß wie andere weltberühmte, königliche walisische Festungen wie Caernarfon oder Conwy. Das Erstaunlichste an Caerphilly ist jedoch die Tatsache, dass es nicht etwa von einem herrschenden englischen König in Auftrag gegeben und erbaut wurde, sondern von einem ehrgeizigen, extrem mächtigen und unverschämt reichen sogenannten 'Marcher Lord' (Grenzfürst): Gilbert de Clare. Wegen seiner markanten feuerroten Haare und seines ebenso berüchtigten, aufbrausenden und feurigen Temperaments war er überall nur als "Der rote Gilbert" bekannt. Er ließ diesen eisernen Koloss errichten, um seinen eisernen, rücksichtslosen Griff um die stark umkämpfte Region gegen die ständigen, massiven Angriffe des rebellischen walisischen Fürsten Llywelyn ap Gruffudd dauerhaft zu sichern.

Eine absolute Revolution in der militärischen Verteidigung

In einer für damalige Verhältnisse beispiellosen Rekordgeschwindigkeit zwischen den Jahren 1268 und 1271 aus dem Boden gestampft, führte Caerphilly ein völlig revolutionäres, neues architektonisches Verteidigungskonzept in ganz Großbritannien ein: das sogenannte "konzentrische" Design. In der Praxis bedeutete dies schlichtweg den Bau von "Mauern innerhalb von Mauern" – es gab eine stark befestigte äußere Vorburg (Outer Ward) und eine noch massivere, höhere innere Kernburg (Inner Ward). Dieses geniale, gestaffelte System ermöglichte es den Verteidigern, sich bei einem feindlichen Durchbruch der ersten Mauerlinie geordnet und sicher auf eine wesentlich stärkere, höhere und leichter zu verteidigende innere Position zurückzuziehen, ohne die Burg aufgeben zu müssen. Doch die mit Abstand furchteinflößendste und effektivste Verteidigungswaffe von Caerphilly war nicht aus Stein, sondern aus Wasser.

Der geniale Stratege De Clare befahl seinen Ingenieuren, die lokalen Flüsse und Bäche massiv aufzustauen, um riesige, tiefe künstliche Seen (Wassergräben) zu schaffen, die die Burg von absolut allen Seiten umschlossen. Diese gewaltigen, tiefen Wasserverteidigungsanlagen machten es feindlichen Angreifern physisch und technisch absolut unmöglich, die Mauern durch gefährliche Tunnelbauarbeiten (das sogenannte Minieren) zum Einsturz zu bringen oder gar riesige, hölzerne Belagerungstürme an die Festungsmauern heranzuschieben. Die riesige Festung wurde dadurch faktisch zu einer uneinnehmbaren, künstlichen Inselburg, die scheinbar unantastbar in einem eigenen, tiefen Verteidigungsmeer schwamm. Die gigantische, künstliche Dammplattform, die bis heute den massiven Wasserdruck des riesigen südlichen Sees zurückhält, ist für sich genommen bereits ein architektonisches Wunderwerk mittelalterlicher Ingenieurskunst. Sie ist zusätzlich mit einem extrem starken Torhaus und einer eigenen, gut befestigten Getreidemühle ausgestattet und demonstrierte eindrucksvoll die absolute Spitze der militärischen Hightech-Technologie des 13. Jahrhunderts.

Das Wunderwerk des Schiefen Turms (The Leaning Tower)

Eines der mit Abstand berühmtesten, meistfotografierten und kuriosesten Merkmale von ganz Caerphilly Castle ist zweifellos der sogenannte Schiefe Turm (The Leaning Tower) an der südöstlichen Ecke der inneren Kernburg. Dieser massive, steinerne Turm ist etwa 20 Meter hoch und neigt sich extrem gefährlich um unglaubliche 3 Meter aus der senkrechten Achse heraus. Was viele Besucher nicht wissen: Damit neigt er sich vom Winkel her tatsächlich deutlich stärker als der weltberühmte Schiefe Turm im italienischen Pisa! Diese dramatische Schieflage ist jedoch keineswegs auf ein weiches Fundament oder schlechte Bauplanung zurückzuführen, sondern das direkte Resultat massiver, bewusster Zerstörung während des blutigen Englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert. Die siegreichen Truppen der Parlamentarier versuchten damals, die gesamte Burg mit massiven Schwarzpulverladungen systematisch in die Luft zu sprengen (zu "schleifen"), um absolut sicherzustellen, dass diese gewaltige Festung niemals wieder als militärischer Stützpunkt genutzt werden konnte. Die gewaltige Explosion erschütterte das Land und zertrümmerte die untere Basis dieses Turms völlig. Doch anstatt wie erwartet in sich zusammenzustürzen, rutschte der massive obere Teil des intakten Turms auf wundersame Weise einfach ein Stück nach unten auf den Schuttberg und blieb dort – quasi mitten in seinem Fall eingefroren – stehen. Genau in dieser extrem prekären und scheinbar physikalisch unmöglichen Position harrt der Turm nun seit über erstaunlichen 350 Jahren aus. Heute ist er der absolute Lieblingsort für unzählige Touristen, die dort kreative und lustige Fotos schießen, auf denen sie so tun, als würden sie den gewaltigen Turm mit bloßen Händen abstützen und vor dem endgültigen Umfallen bewahren.

Geschichte: Ein ewiger Kreislauf aus Krieg, Belagerung und Ruin

Das riesige Schloss erlebte fast unmittelbar nach dem Beginn seiner Grundsteinlegung bereits die ersten extrem heftigen und blutigen Kämpfe. Der walisische Fürst Llywelyn ap Gruffudd erkannte die massive Bedrohung sofort und versuchte verzweifelt, die Baustelle komplett niederzubrennen, während die Mauern noch mühsam errichtet wurden. Die Burg wurde danach noch unzählige weitere Male schwer angegriffen, unter anderem während des großen, blutigen Aufstands von Madog ap Llywelyn im Jahr 1294 sowie der verzweifelten Rebellion von Llywelyn Bren im Jahr 1316. Im frühen 14. Jahrhundert änderte sich die Nutzung drastisch: Die Anlage wurde aufwendig und sehr teuer in einen luxuriösen, repräsentativen Palast für die Adelsfamilie Despenser umgebaut, die damals die absoluten Günstlinge des englischen Königs Edward II. waren. Doch bereits ab dem 15. Jahrhundert verlor die Burg ihre militärische und politische Bedeutung und verfiel zusehends. Die einheimische Bevölkerung nutzte die Ruine jahrhundertelang als billigen, praktischen Steinbruch, um die feinen, behauenen Steine zu stehlen und damit ihre eigenen kleinen Häuser in der angrenzenden Stadt zu bauen, während die einst so stolzen und schützenden Seen langsam zu stinkenden Sümpfen austrockneten. Es ist fast ausschließlich dem unermesslichen privaten Reichtum und dem obsessiven historischen Interesse der Adelsfamilie Bute (die im 19. Jahrhundert durch den walisischen Kohleabbau sagenhaft reich geworden war) zu verdanken, dass das Schloss im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert buchstäblich in letzter Sekunde gerettet wurde. Sie fluteten die historischen Seen neu, ließen verfallene Türme mit enormem finanziellem Aufwand originalgetreu wieder aufbauen und retteten diesen schlafenden eisernen Riesen so endgültig vor dem sicheren und totalen Vergessen.

Ein Blick in das Innere der Riesenfestung

Das eigentliche Betreten von Caerphilly Castle gleicht auch heute noch einem echten, mittelalterlichen Abenteuer. Um überhaupt in die Anlage zu gelangen, müssen Sie zunächst zwei lange, hölzerne Zugbrücken überqueren, um das wahrhaft massive und furchteinflößende Östliche Torhaus (East Gatehouse) zu erreichen, welches in historischen Zeiten als die komfortable und sehr sichere Residenz des Burgkommandanten (Constable) diente. Im Inneren der Anlage fällt sofort die Große Halle (Great Hall) ins Auge, die im 20. Jahrhundert absolut prachtvoll, aufwendig und sehr detailgetreu restauriert wurde und heute regelmäßig für exklusive, märchenhafte Traumhochzeiten und große, mittelalterliche Bankette genutzt wird. Die Halle besticht durch ihre eleganten, hohen gotischen Spitzbogenfenster und ein massives, kunstvoll gearbeitetes Holzdach. Dieser Raum vermittelt den Besuchern sehr eindrücklich ein Gefühl für den unglaublichen Luxus und den Prunk, den die hochrangigen Burgherren selbst inmitten der grausamsten und blutigsten Kriege völlig ungestört genossen. Auf einigen ausgewählten Abschnitten der hohen Verteidigungsmauern wurden zudem sogenannte hölzerne 'Hurden' (überdachte, auskragende hölzerne Kampfplattformen) originalgetreu und sehr realistisch rekonstruiert. Diese Konstruktionen zeigen den Besuchern heute sehr anschaulich und greifbar, wie die englischen Bogenschützen früher die Zinnen effektiv verteidigt hätten, indem sie Pfeile und Steine sicher von oben auf die Angreifer herabregnen ließen.

Die furchterregenden Belagerungsmaschinen

Auf der großen, grasbewachsenen "Damm"-Plattform, die einst den See stützte, können Besucher heute mehrere absolut faszinierende, lebensgroße und vor allem voll funktionsfähige Repliken von historischen, mittelalterlichen Belagerungsmaschinen aus nächster Nähe bewundern. Die Ausstellung umfasst unter anderem ein gewaltiges Trebuchet (eine extrem starke, schwere Bliden-Schleuder), eine wuchtige Mangonel (ein tödliches Torsionsgeschütz für Steine) und eine große Balliste (ein überdimensionales, präzises Armbrustgeschütz). Diese wahrhaft furchterregenden und oft tödlichen Maschinen demonstrieren sehr eindrucksvoll die zerstörerische, rohe Kraft der mittelalterlichen Artillerie vor der Erfindung des Schießpulvers. An speziellen Aktionstagen und Festivals werden diese gewaltigen Maschinen von Experten tatsächlich live abgefeuert und schleudern schwere Projektile mit ohrenbetäubendem Krachen hoch in die Luft und weit hinaus in den Burggraben – ein absolut unvergessliches und ohrenbetäubendes Spektakel für die ganze Familie.

Das Geistermärchen von der Grünen Dame (The Green Lady Ghost)

Wie es sich für jedes echte, respektable alte britische Schloss gehört, verfügt natürlich auch Caerphilly über seinen eigenen, sehr berühmten Hausgeist. Die weithin gefürchtete sogenannte "Grüne Dame" (The Green Lady) ist der uralten Legende nach der ruhelose, weinende Geist von Prinzessin Alice de la Marche, der schönen Nichte des englischen Königs Heinrich II. und der unglücklichen Ehefrau des Burgbauers Gilbert de Clare. Die tragische Geschichte erzählt, dass sie sich unsterblich und leidenschaftlich in einen hübschen walisischen Prinzen namens Gruffudd den Schönen (Gruffudd the Fair) verliebte. Als der ohnehin schon jähzornige und brutale Gilbert diese geheime, verbotene Affäre entdeckte, reagierte er mit gnadenloser Härte und ließ den jungen Gruffudd kurzerhand und grausam hinrichten. Alice starb wenig später an einem buchstäblich gebrochenen Herzen und in tiefster Trauer. Man sagt, dass ihre unglückliche Seele seither das riesige Schloss heimsucht; sie erscheint Besuchern und Wachen oft in sternenklaren Nächten als verschwommene, leuchtend grüne Figur hoch oben auf den windigen Zinnen der Festung, wo sie für immer weinend und verzweifelt auf die unmögliche Rückkehr ihres verlorenen, toten Geliebten wartet. Diese sehr präsente, melancholische Geistergeschichte verleiht den massiven, ansonsten so kalten Steinmauern der Burg eine sehr willkommene, schaurig-romantische und zutiefst menschliche Dimension.

Praktische und wichtige Informationen für Ihren Besuch

Die aktuellen Öffnungszeiten

Das riesige Caerphilly Castle ist in der Regel an jedem Tag der Woche für die Öffentlichkeit geöffnet. Die allgemeinen Öffnungszeiten sind im Sommerhalbjahr meist von 9:30 Uhr am Morgen bis 17:00 Uhr (an Hochsommertagen oft sogar bis 18:00 Uhr) und im etwas dunkleren Winterhalbjahr von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Beachten Sie bitte unbedingt, dass der letzte Einlass stets strikt 30 Minuten vor der offiziellen Schließung des Geländes erfolgt.

Ihre bequeme Anreise

Die gigantische Burg liegt völlig unübersehbar mitten im belebten Zentrum der kleinen Stadt Caernarfon, nur eine sehr kurze Strecke nördlich der walisischen Hauptstadt Cardiff. Sie ist absolut hervorragend und sehr entspannt mit dem Zug vom Hauptbahnhof Cardiff Central aus zu erreichen (die kurze, malerische Fahrt dauert nur etwa 15 bis 20 Minuten). Der Bahnhof von Caerphilly ist nur einen sehr kurzen, flachen und bequemen 5-minütigen Fußweg vom Haupteingang der Festung entfernt. Für Autofahrer stehen zudem direkt in der Nähe der Anlage sehr große, gut ausgeschilderte öffentliche Parkplätze zur Verfügung.

Informationen zur Barrierefreiheit auf dem Gelände

Aufgrund der sehr komplexen historischen Architektur mit ihrem breiten Wassergraben, den vielen Treppen und den engen Türmen sind leider einige höher gelegene Teile der Anlage für Rollstuhlfahrer extrem schwer oder gar nicht zugänglich. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die sehr weitläufigen unteren Ebenen des Schlosses, das gesamte grüne Außengelände sowie die prachtvolle, restaurierte Große Halle (Great Hall) für Besucher mit eingeschränkter Mobilität im Allgemeinen sehr gut und problemlos zugänglich sind. Die absolut einzigartige Kombination aus den massiven, beeindruckenden Wasserverteidigungsanlagen, dem kuriosen, stark ruinierten schiefen Turm und der wunderschön restaurierten, prunkvollen Halle macht Caerphilly zu einem absolut einzigartigen, extrem beeindruckenden und hochgradig unvergesslichen historischen Ausflugsziel in Wales.

Lebendige Geschichte und bunte Festivals (Living History)

Caerphilly Castle ist nicht nur eine stumme Ruine, sondern einer der mit Abstand aktivsten, lebendigsten und am häufigsten gebuchten Veranstaltungsorte im gesamten Portfolio von Cadw (der walisischen Denkmalschutzbehörde). Über das gesamte Jahr verteilt ist die Burg immer wieder der stolze, laute Gastgeber für große, extrem beliebte mittelalterliche Reenactment-Wochenenden (Living History). An diesen Tagen demonstrieren Hunderte von professionell kostümierten Darstellern und Schauspielern den Besuchern hautnah und extrem authentisch die laute, brutale und oft schmutzige Realität der Belagerungskriegsführung des 13. Jahrhunderts, veranstalten hochkarätige Bogenschießturniere und zeigen den harten Alltag des mittelalterlichen Burglebens. Wie bereits erwähnt, werden das gewaltige Trebuchet und die anderen schweren Belagerungsmaschinen auf der Dammplattform an genau diesen Tagen regelmäßig mit ohrenbetäubendem Lärm live abgefeuert – ein absolut unglaubliches, körperlich spürbares Erlebnis, das den Besuchern ein extrem reales, fast schon erschreckendes Verständnis von der rohen Zerstörungskraft mittelalterlicher Kriegsführung vermittelt, das selbst das beste, modernste und teuerste Museum der Welt niemals auch nur annähernd replizieren könnte. Die Große Halle der Burg wird in der Dunkelheit regelmäßig für sehr stimmungsvolle, private oder öffentliche abendliche Bankette bei Kerzenschein genutzt. Darüber hinaus bietet das riesige, weitläufige Außengelände der Burg jedes Jahr im heißen Juli die absolut spektakuläre, historische und weithin sichtbare Kulisse für das städtische, extrem beliebte Big Cheese Festival (Das Große Käsefestival). Dieses gigantische Fest zelebriert drei Tage lang lautstark die reiche, traditionelle walisische Esskultur (insbesondere den berühmten lokalen Caerphilly-Käse) und zieht Jahr für Jahr regelmäßig Zehntausende von begeisterten, hungrigen Besuchern aus dem ganzen Land und aus Übersee an.

Das unschätzbare Vermächtnis der Familie Bute

Die gesamte Geschichte der phänomenalen Rettung und Restaurierung von Caerphilly ist absolut untrennbar und für immer mit der Familiengeschichte der wohlhabenden Bute-Dynastie verbunden – und hierbei ganz spezifisch mit dem exzentrischen 3. Marquess of Bute und seinem ebenso engagierten Sohn, dem 4. Marquess. Der 3. Marquess war dank seiner fast totalen, monopolartigen Kontrolle über den extrem boomenden, globalen Kohlehandel der Stadt Cardiff damals zweifellos einer der reichsten Männer der gesamten Welt. Er hegte sein Leben lang eine extrem ausgeprägte, fast schon obsessive und verschwenderische Leidenschaft für romantische, mittelalterliche Architektur und alte Burgen. Er hatte zuvor bereits mit enormem, kaum vorstellbarem finanziellem Aufwand Cardiff Castle sowie das kleine Märchenschloss Castell Coch in einem extrem extravaganten, hochgradig romantisierten und farbenfrohen gotischen Stil durch seinen genialen Hausarchitekten William Burges komplett umbauen und fantastisch restaurieren lassen. Nach seinem Tod erbte sein Sohn dieses historische Interesse und wandte seine ungeteilte Aufmerksamkeit sowie sein schier unerschöpfliches Vermögen sofort dem wesentlich größeren, raueren Caerphilly zu. Dies war jedoch ein ungleich größeres, wesentlich ernsthafteres und historisch authentischeres Mammutprojekt, das viele Jahrzehnte harter, archäologischer Arbeit in Anspruch nahm. Es beinhaltete unter anderem die extrem kostspielige, ingenieurtechnische Meisterleistung, die riesigen, seit Jahrhunderten trockengelegten mittelalterlichen Seen komplett neu zu fluten und die eingestürzten Dämme zu reparieren. Es ist eine unumstößliche historische Tatsache: Ohne das gigantische, schier endlose Vermögen und das extrem tiefe, fast schon fanatische wissenschaftliche und historische Engagement der Adelsfamilie Bute wäre das majestätische Caerphilly heute mit absoluter Sicherheit nicht mehr als eine trockene, traurige, überwucherte und stark geplünderte Ruine, die als billiger lokaler Steinbruch missbraucht worden wäre. Ihr massives, selbstloses und extrem teures Eingreifen im 19. und frühen 20. Jahrhundert hat eine der mit Abstand großartigsten, wichtigsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungen von ganz Europa für uns und alle zukünftigen Generationen vor dem sicheren Untergang bewahrt.