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Schloss Český Krumlov (Krumau)

Schloss Český Krumlov (Krumau)

📍 Český Krumlov (Krumau), Tschechische Republik 📅 Gebaut im Jahr 1253

Ein strahlendes Renaissance-Juwel in Südböhmen

Schloss Český Krumlov (historisch auch Krumau genannt) ist ein wahrhaft gigantischer, monumentaler Schlosskomplex in der malerischen Region Südböhmen in der Tschechischen Republik. Majestätisch auf einem extrem steilen, langgestreckten Felsvorsprung thronend, der über Jahrtausende vom mäandernden Fluss Moldau (Vltava) geformt wurde, überblickt es wie ein wachsamer Riese die unzähligen, pittoresken roten Dächer der historischen Altstadt tief unten im Tal. Es ist nach der weltberühmten Prager Burg der unbestritten zweitgrößte Schlosskomplex im gesamten Land. Das absolut außergewöhnliche historische Stadtzentrum sowie das gesamte Schlossgelände stehen gemeinsam auf der exklusiven Liste des UNESCO-Weltkulturerbes – eine hochoffizielle Anerkennung ihrer beispiellosen architektonischen Integrität. Der verwinkelte, mittelalterliche Stadtgrundriss ist seit dem 16. Jahrhundert fast völlig unangetastet und unverändert geblieben, was der romantischen Stadt völlig zu Recht den Beinamen "Die Perle der Renaissance" eingebracht hat.

Die mächtigen Herren der Rose

Die weitreichende, oft turbulente Geschichte des riesigen Schlosses wird primär durch drei extrem mächtige Adelsdynastien definiert. Ursprünglich im 13. Jahrhundert von den lokalen Herren von Krumau (Krumlov) gegründet, ging das Anwesen schon sehr bald in den Besitz der extrem einflussreichen Familie Rosenberg (Rožmberk) über, die es für drei ganze Jahrhunderte (von 1302 bis 1602) mit eiserner Hand hielt. Die Rosenberger waren de facto die "ungekrönten Könige" von Südböhmen; ihr enormer politischer Einfluss, ihr Reichtum und ihre militärische Macht rivalisierten oft ganz offen mit der des regierenden böhmischen Monarchen in Prag. Ihr stolzes Familienwappen – eine leuchtend rote, fünfblättrige Rose – ist heute noch überall in der gesamten Stadt und auf fast jedem Gebäude des Schlosses allgegenwärtig.

Unter der Herrschaft der Rosenberger, insbesondere unter dem sehr gebildeten und ambitionierten Wilhelm von Rosenberg (Vilém z Rožmberka), wurde die einst karge, düstere und feuchte gotische Festung massiv umgestaltet. Mit unvorstellbarem finanziellem Aufwand wurde sie in eine absolut prachtvolle, lichtdurchflutete Renaissance-Residenz transformiert, die sich tief von den klassischen italienischen Palästen inspirieren ließ. Es war das unbestrittene Goldene Zeitalter der lokalen Kultur, der Alchemie und der aufstrebenden Wissenschaft in Krumau. Wilhelm holte die talentiertesten italienischen Architekten, Steinmetze und Maler an seinen Hof, um das Schloss komplett umzubauen. Sie schufen die eleganten, luftigen Arkaden und die farbenfrohen, mit Fresken bemalten riesigen Innenhöfe, die wir heute noch so sehr bewundern. Der tragischerweise letzte Herrscher aus dem Hause Rosenberg, Peter Wok (Petr Vok), war im Jahr 1601 aufgrund von extremen, erdrückenden Schulden gezwungen, das geliebte Stammschloss an Kaiser Rudolf II. zu verkaufen. Später in der Geschichte ging das gewaltige Schloss in die Hände der Adelsfamilie Eggenberg über (welche das berühmte Schlosstheater erbaute) und schließlich an das mächtige Haus Schwarzenberg. Die Schwarzenbergs verliehen der gesamten Anlage im 18. Jahrhundert ihre unglaubliche, barocke Pracht und Erhabenheit, bevor sie im 20. Jahrhundert tragischerweise erst vor den anrückenden Nationalsozialisten und später vor dem kommunistischen Regime fliehen mussten.

Der Komplex: Eine riesige Stadt innerhalb der Stadt

Dieses Schloss ist keineswegs nur ein einzelnes, großes historisches Gebäude; es ist vielmehr ein extrem weitläufiger, fast unüberschaubarer Komplex aus über 40 einzelnen Palästen und Wirtschaftsgebäuden, die sich organisch um ganze fünf große, ansteigende Innenhöfe gruppieren. Zu den absoluten, unverzichtbaren architektonischen Highlights gehören:

  • Der große Schlossturm: Das unbestrittene, stolze und weithin sichtbare Symbol der gesamten Stadt. Ursprünglich als massiver gotischer Wehrturm erbaut, erhielt er in den 1580er Jahren durch den genialen italienischen Architekten Baldassare Maggi sein heutiges, extrem farbenfrohes und festliches Erscheinungsbild der Hochrenaissance. Fitte Besucher können die 162 alten Stufen bis ganz nach oben erklimmen und werden mit einem wahrhaft atemberaubenden, unverbauten 360-Grad-Panoramablick auf den sich extrem stark windenden Fluss Moldau belohnt. Der gesamte Turm ist außen meisterhaft mit sogenannten illusionistischen Malereien (Trompe-l'œil) dekoriert, die dem Auge echte, dreidimensionale architektonische Details wie Säulen und Nischen täuschend echt vorgaukeln.
  • Der Maskensaal (Masquerade Hall): Ein absolutes, unübertroffenes Meisterwerk der Rokoko-Kunst, das im Jahr 1748 von dem talentierten Maler Josef Lederer komplett ausgemalt wurde. Alle Wände dieses riesigen Festsaals sind vollständig mit lebensgroßen, extrem farbenfrohen Fresken von klassischen Karnevalsfiguren (Commedia dell'arte) bedeckt – man sieht Harlekine, verspielte Columbinen, exotische Türken und tanzende Aristokraten, die gemeinsam die unglaubliche, perfekte Illusion eines extrem überfüllten, ausgelassenen Maskenballs erzeugen. Diese Malereien sind perspektivisch derart realistisch und clever ausgeführt, dass die gemalten Figuren förmlich mit den echten, heutigen Besuchern im Raum zu verschmelzen scheinen. Zusätzlich wurden an den Wänden große Spiegel strategisch extrem klug platziert, um die Illusion eines endlosen, unendlichen Festsaals noch zu verstärken. Es ist ein unglaublich verspielter, verrückter und skurriler Raum, der den unbeschwerten, oft hedonistischen Geist der europäischen Aristokratie des 18. Jahrhunderts perfekt einfängt.
  • Die Mantelbrücke (Cloak Bridge): Eine absolut spektakuläre, furchteinflößende mehrstöckige Bogenbrücke, die auf hohen, massiven Pfeilern ruht. Sie verbindet die Obere Burg hoch oben direkt mit dem Schlosstheater und den weitläufigen Gärten jenseits der Schlucht. Dieses Bauwerk sieht aus, als wäre es direkt aus einem düsteren High-Fantasy-Roman entsprungen; es scheint fast die Schwerkraft aufzuheben, während es den extrem tiefen, felsigen Burggraben elegant überspannt. Ihr ungewöhnlicher Name leitet sich direkt von den massiven, alten Befestigungsanlagen (dem "Mantel" / Cloak) ab, die hier historisch die verletzlichste, westliche Seite der Festung vor Angriffen schützten.

Das bestverhärtete barocke Schlosstheater der Welt

Das absolute, unangefochtene und unbezahlbare Kronjuwel des gesamten Schlosses ist jedoch zweifellos das Barocke Schlosstheater. Es wurde im Jahr 1766 fertiggestellt und ist heute eines von nur zwei noch vollständig und original erhaltenen barocken Theatern auf der gesamten Welt (das einzige andere vergleichbare Theater befindet sich im fernen Schloss Drottningholm in Schweden). Im absolut krassen Gegensatz zu den allermeisten "modernisierten" historischen Theatern ist hier noch absolut alles original: die hölzerne Bühne, der mit Samt ausgekleidete Zuschauerraum, der kleine Orchestergraben, unzählige prunkvolle historische Kostüme, bemalte Requisiten und – was absolut einzigartig ist – die extrem komplexe, riesige hölzerne Bühnenmaschinerie unter und über der Bühne.

Diese geniale, von Muskelkraft angetriebene Maschinerie ermöglicht es Theaterschaffenden, komplette, nahtlose Szenenwechsel innerhalb von absolut wenigen Sekunden durchzuführen, angetrieben ausschließlich durch ein höchst komplexes, verwirrendes System aus handgeflochtenen Seilen, hölzernen Rollen und Gegengewichten. Mit nur wenigen, synchronen Umdrehungen einer großen, hölzernen Winde (Capstan) unter der Bühne kann das gesamte, riesige Bühnenbild beispielsweise augenblicklich und geräuschlos von einem dichten, düsteren Wald in das glänzende Innere eines königlichen Palastes verwandelt werden. Das Theater besitzt zudem noch immer all seine genialen, historischen Soundeffekt-Maschinen (Geräuschmaschinen): darunter eine große, hölzerne Trommel, die prall mit Steinen gefüllt ist, um bedrohliches Donnergrollen zu simulieren, und ein spezieller, mit feiner Seide bespannter rotierender Zylinder, der das weiche, prasselnde Geräusch von starkem Regen perfekt imitiert. Aufgrund des unschätzbaren Wertes und der extremen Zerbrechlichkeit der alten Holzkonstruktionen wird das Theater heute nur noch an drei ausgewählten Abenden im ganzen Jahr für tatsächliche Aufführungen genutzt und ist für Touristen ausschließlich über eine spezielle, sehr kleine und streng limitierte Voranmeldungs-Führung zugänglich.

Geister und Legenden: Die Weiße Frau und die Burgbären

Wie es sich für ein absolut echtes, würdevolles böhmisches Schloss gehört, hat natürlich auch Český Krumlov seinen eigenen, sehr berühmten Hausgeist: die Weiße Frau (Bílá paní). Sie ist der traurige, ruhelose Geist von Perchta von Rosenberg, einer adeligen, frommen Frau aus dem 15. Jahrhundert. Die Legende besagt, dass sie von ihrem grausamen, extrem missbräuchlichen Ehemann auf seinem eigenen Sterbebett mit einem dunklen Fluch belegt wurde, weil sie ihm nicht vergeben wollte. Die Sage erzählt, dass sie seitdem rastlos und leise weinend durch die dunklen Korridore der Festung wandert. Wenn sie dabei weiße Handschuhe trägt, gilt dies als gutes Omen, das eine bevorstehende Geburt oder großes Glück für die Familie signalisiert; trägt sie jedoch schwarze Handschuhe, ist dies eine unheilvolle Warnung vor bevorstehendem Tod oder einer großen Katastrophe. Sie gilt in der Folklore als der ewige, spirituelle Schutzengel der zahlreichen Rosenberg-Nachkommen.

Eine weitaus greifbarere, sehr reale und lebendige Tradition des Schlosses ist die Haltung von massiven, echten Braunbären im tiefen, trockenen Burggraben genau zwischen dem ersten und dem zweiten großen Innenhof. Diese außergewöhnliche und berühmte Tradition reicht historisch belegt bis in das 16. Jahrhundert zurück. Sie entstand angeblich, weil die ehrgeizigen Rosenberger kühn behaupteten, direkt von der extrem edlen, italienischen Adelsfamilie der Orsini abzustammen (wobei das italienische Wort Orsa übersetzt 'Bär' bedeutet). Heute werden diese großen Bären in einem modernen, tiergerecht renovierten und weiten Gehege extrem gut betreut und sind ein absoluter, unverzichtbarer Lieblingsanziehungspunkt für unzählige Kinder und Touristen. Jeden Winter an Weihnachten und an den Geburtstagen der Tiere veranstaltet die Stadt ein riesiges, fröhliches Fest für sie, bei dem die Bären ganz offiziell mit speziellen, süßen Kuchen und riesigen Eimern voll Honig gefüttert werden.

Die königlichen Gärten und das Lustschloss Bellarie

Weit hinter der massiven Mantelbrücke erstreckt sich der absolut gigantische, 11 Hektar große Barockgarten der Anlage. Dieser weitläufige Park ist ein echtes, grünes Meisterwerk der perfekten Geometrie und mathematischen Symmetrie. Er besticht in seinem Zentrum durch eine große, kaskadenartige Springbrunnenanlage, die sehr aufwendig mit unzähligen, steinernen Statuen von Wassergottheiten und Nymphen verziert ist. Genau in der Mitte dieses riesigen Gartens erhebt sich die Bellarie (Bellarie Summer House), ein absolut exquisiter, filigraner Rokoko-Pavillon (ein sogenanntes Lustschloss). Dieser elegante Bau wurde vom feinen Adel im Sommer ausschließlich für opulente, private Gartenpartys, intime Konzerte und zur Erfrischung im Schatten genutzt. Das Gebäude ist in sehr sanften, eleganten Pastelltönen gestrichen und verfügt über eine markante, geschwungene Doppeltreppe sowie eine unheimliche, künstlich angelegte Grotte im Untergeschoss.

Direkt in der Nähe der Bellarie befindet sich das architektonisch extrem umstrittene, moderne Revolving Auditorium (Die drehbare Zuschauertribüne). Erbaut in der Mitte der 1950er Jahre, ist dies ein sehr spezielles, großes Open-Air-Theater. Das absolute Highlight hierbei ist die Tribüne mit den Zuschauersitzen, die sich auf einer großen Schiene während der gesamten Aufführung physisch um 360 Grad im Park drehen kann. Dies ermöglicht es dem fassungslose Publikum, den Schauspielern dynamisch zu folgen, wenn sich die actionreiche Theaterszene beispielsweise plötzlich aus den dichten Büschen heraus hinüber zur Treppe der Bellarie verlagert. Obwohl strenge Denkmalschützer heute oft und lautstark argumentieren, dass diese massive, eiserne Struktur den historischen, fragilen Barockgarten visuell massiv stört und zerstört, bleibt das Auditorium ein extrem beliebter und meist ausverkaufter Veranstaltungsort für die sommerlichen, großen Shakespeare-Festivals in der Stadt.

Wichtige Reisetipps und Besucherinformationen

Die Stadt Český Krumlov (Krumau) ist ein extrem beliebter Ort für einen Tagesausflug von Prag aus (die landschaftlich schöne Busfahrt dauert ca. 2,5 Stunden). Es wird jedoch absolut und nachdrücklich empfohlen, in der Stadt zu übernachten, um die wahre Magie und die Ruhe des Schlosses und der verwinkelten Gassen zu erleben, lange nachdem die Tausenden von asiatischen und amerikanischen Tagestouristen die Stadt am späten Nachmittag verlassen haben.

  • Zahlreiche Schlosstouren: Das Schloss ist so gigantisch, dass es gleich mehrere, völlig unterschiedliche offizielle Führungsrouten (Tour Routes) anbietet. Route 1 fokussiert sich primär auf die prachtvollen Ären der Renaissance und des Barock (diese Tour beinhaltet den berühmten Maskensaal), während sich die Route 2 speziell auf die dunklere, aber faszinierende Wohnkultur und Geschichte der Familie Schwarzenberg im 19. Jahrhundert konzentriert. Das berühmte Barocke Schlosstheater erfordert immer zwingend ein completely separates, eigenes Ticket, und eine sehr frühe, online Buchung im Voraus ist hier absolut unerlässlich, da die Kapazitäten minimal sind.
  • Das Fest der fünfblättrigen Rose (Five-Petalled Rose Festival): Jedes Jahr im warmen Juni reist die gesamte, historische Stadt bei diesem gigantischen Renaissance-Festival gemeinsam mehrere Jahrhunderte in der Zeit zurück. Zehntausende Einheimische und Besucher kleiden sich extrem aufwendig in authentischen historischen Renaissancekostümen, im weiten Schlossgarten werden echte, laute Ritterturniere (Tjoste) auf Pferden ausgetragen, und authentische mittelalterliche Handwerkermärkte und Gaukler füllen jeden einzelnen kleinen Platz in der Stadt.
  • Kanufahren auf der Moldau: Eine extrem beliebte, spaßige und bei heißem Wetter sehr erfrischende Möglichkeit, das majestätische Schloss aus einer völlig neuen Perspektive zu betrachten, ist direkt vom Wasser aus. Sie können sich im Ort ganz einfach und günstig ein Kanu oder ein großes Raft (Schlauchboot) mieten und sich sanft den Fluss Moldau hinuntertreiben lassen, während Sie ehrfürchtig von unten zu den gewaltigen, senkrecht aufragenden Burgmauern hinaufschauen.