Das einzige königliche Schloss in Nordamerika
Majestätisch und erhaben auf der Spitze eines alten vulkanischen Hügels mitten im pulsierenden Zentrum von Mexiko-Stadt thronend, besitzt das Schloss Chapultepec (auf Spanisch Castillo de Chapultepec) eine absolut einzigartige, historische Auszeichnung, die die meisten Besucher völlig überrascht: Es ist das absolut einzige echte, königliche Schloss auf dem gesamten nord- und südamerikanischen Kontinent, das jemals hochoffiziell als permanente Residenz für einen echten, regierenden Souverän gedient hat. Während sehr reiche amerikanische Industrielle oft und gerne extravagante 'Schlösser' bauten (wie beispielsweise das berühmte Hearst Castle in Kalifornien), war Chapultepec der tatsächliche, echte kaiserliche Palast von Kaiser Maximilian I. und seiner Ehefrau, Kaiserin Carlota von Mexiko. Es ist ein buchstäbliches Stück europäischer Hoch-Aristokratie, das mitten in eine boomende lateinamerikanische Megametropole gepflanzt wurde und dabei einen absolut faszinierenden, oft gewaltsamen Zusammenstoß von völlig verschiedenen Kulturen, jahrhundertealter Geschichte und tiefer menschlicher Tragödie erzeugt.
Der Name 'Chapultepec' stammt ursprünglich aus der indigenen Nahuatl-Sprache (und bedeutet übersetzt so viel wie 'Am Hügel der Heuschrecke'). Dieser spezielle, hoch gelegene Ort gilt bei den Einheimischen bereits seit vielen Jahrtausenden als extrem heilig. Schon die alten Azteken betrachteten diesen Hügel als einen spirituellen Ort großer Kraft und erbauten genau hier gigantische, komplexe Aquädukte, um ihre riesige, schwimmende Hauptstadt Tenochtitlan mit frischem, sauberem Trinkwasser zu versorgen. Viel später erkannten auch die spanischen Vizekönige die Vorteile dieses luftigen Ortes, nutzten ihn als luxuriösen, kühlen Sommerrückzugsort und legten damit das solide Fundament für die gewaltige Festung, die wir heute vor uns sehen. Das Schloss thront auf einer beeindruckenden Höhe von 2.325 Metern (7.628 Fuß) über dem Meeresspiegel und blickt heute im wahrsten Sinne des Wortes völlig unbeeindruckt auf die gläsernen, modernen Wolkenkratzer der heutigen Millionenstadt hinab.
Der kaiserliche Traum und sein tragisches Ende
Die mit Abstand glamouröseste (aber auch bei weitem tragischste) Ära in der langen Geschichte des Schlosses begann im Jahr 1864, als der österreichische Erzherzog Maximilian von Habsburg durch die massive militärische und politische Einmischung von Napoleon III. von Frankreich kurzerhand als neuer, unumstrittener Kaiser von Mexiko eingesetzt wurde. Maximilian und seine junge, ehrgeizige Ehefrau, die belgische Prinzessin Carlota, verliebten sich auf den allerersten Blick unsterblich in das Schloss und besonders in die absolut atemberaubenden, weiten Ausblicke über das endlose Tal von Mexiko und auf die schneebedeckten Vulkane am Horizont.
Sie fackelten nicht lange und verwandelten die eher karge, funktionale Militärakademie in einen extrem prunkvollen, luxuriösen europäischen Palast. Sie heuerten umgehend lokale Star-Architekten wie Ramón Rodríguez Arangoity an, um die verstaubten Innenräume komplett und sehr teuer im damals hochmodernen klassizistischen (neo-klassischen) Stil umzubauen. Sie ließen feinsten Marmor aus Europa importieren, bestellten massenweise schwere, französische und österreichische Möbel und legten auf dem Dach des Gebäudes wunderschöne Dachgärten an, die den großartigsten und berühmtesten europäischen Palästen absolut in nichts nachstanden. Kaiser Maximilian war von der Aussicht in Richtung Stadtzentrum dermaßen fasziniert und besessen, dass er den sofortigen Bau eines extrem breiten, schnurgeraden Prachtboulevards anordnete, um sein Schloss direkt mit dem alten Stadtzentrum zu verbinden. Völlig unverkennbar nach dem großen Vorbild der Pariser Champs-Élysées modelliert, trug diese Straße ursprünglich den ehrenvollen Namen Paseo de la Emperatriz (Die Promenade der Kaiserin). Heute ist genau diese Straße weltberühmt als der Paseo de la Reforma, die mit Abstand ikonischste, wichtigste und geschäftigste Hauptverkehrsader von ganz Mexiko-Stadt.
Die Heldenknaben (Los Niños Héroes)
Lange vor der luxuriösen Ankunft des österreichischen Kaisers diente das eher karge Schloss stolz als wichtigste Nationale Militärakademie Mexikos. Genau an diesem Ort fand während des extrem blutigen Mexikanisch-Amerikanischen Krieges ein absolut prägender, schicksalhafter Moment des mexikanischen Nationalstolzes und Patriotismus statt. Am 13. September 1847 stürmten amerikanische Invasionstruppen unter schwerem Artilleriefeuer den steilen Hügel in der legendären Schlacht von Chapultepec. Unter den tapferen, völlig verzweifelten Verteidigern befanden sich viele sehr junge, unerfahrene Militärkadetten, von denen einige gerade einmal 13 Jahre alt waren.
Der nationalen Legende nach weigerten sich sechs dieser extrem jungen Kadetten standhaft, sich den übermächtigen, eindringenden Amerikanern zu ergeben, selbst als die bittere Niederlage bereits absolut unausweichlich war. Sie kämpften stattdessen heldenhaft bis zum bitteren, tödlichen Ende. Die mit weitem Abstand berühmteste und emotionalste Geschichte erzählt von dem Kadetten Juan Escutia. Um zu verhindern, dass die heilige mexikanische Nationalflagge den feindlichen amerikanischen Truppen als demütigende Trophäe in die Hände fiel, soll er sich selbst in genau diese Flagge gewickelt haben und sich anschließend vom höchsten Rand der Burgmauer in den sicheren, zerschmetternden Tod auf die scharfen Felsen tief unten gestürzt haben. Diese sechs jungen, mutigen Kadetten sind im ganzen Land auf ewig als Los Niños Héroes (Die Heldenknaben) unsterblich gemacht worden. Direkt am unteren Haupteingang zum großen Park stehen heute sechs absolut massive, hoch aufragende Marmorsäulen (Altar a la Patria), die als ewiges, nationales Denkmal an ihr ultimatives Opfer erinnern. Im Inneren des Schlosses hält das extrem dramatische und bewegende Wandgemälde Der Sturz des Juan Escutia diesen entscheidenden, tragischen Moment für immer fest.
Das Innere des Schlosses: Zwei völlig verschiedene Museen in einem
Ein ausführlicher Besuch des Schlosses Chapultepec fühlt sich in der Realität sehr stark so an, als würde man nacheinander zwei völlig verschiedene, getrennte Museen besichtigen. Das riesige Gebäude ist inhaltlich in zwei ganz klare, unterschiedliche Sektionen unterteilt:
Das Nationale Geschichtsmuseum (Museo Nacional de Historia)
Die ältere, etwas rustikalere Sektion des riesigen Gebäudes beherbergt heute eine unfassbar große, extrem faszinierende Sammlung von historischen Artefakten, die die komplexe und oft extrem blutige Geschichte Mexikos – angefangen von der brutalen spanischen Eroberung bis hin zur Mexikanischen Revolution – chronologisch und detailreich dokumentiert. Die großen Wände vieler Säle sind hier meisterhaft mit absolut atemberaubenden, riesigen Wandgemälden (Murales) der größten und berühmtesten mexikanischen Wandmaler (Muralisten) verziert, darunter Werke von Giganten wie David Alfaro Siqueiros, José Clemente Orozco und Juan O'Gorman. Diese massiven, bunten Gemälde sind keineswegs nur reine Kunst oder Dekoration; sie sind extrem kraftvolle, unmissverständliche politische und gesellschaftliche Statements. O'Gormans weltberühmtes Werk Retablo de la Independencia (Altarbild der Unabhängigkeit) ist hierbei besonders hervorzuheben – eine extrem vibrierende, laute und gewollt chaotische visuelle Darstellung des blutigen, mexikanischen Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien.
Der Alcázar (Der Kaiserliche Palast)
Der andere, völlig andersartige Flügel des Gebäudes ist die makellos erhaltene und liebevoll restaurierte Residenz von Kaiser Maximilian und seiner Carlota (und in späteren Jahren auch die des mexikanischen Präsidenten Porfirio Díaz). Ein Spaziergang durch genau diese opulenten, ruhigen Räume fühlt sich buchstäblich an wie eine magische Zeitreise direkt in die elitären, aristokratischen Höfe des Europas des 19. Jahrhunderts. Hier können Sie staunend folgende Schätze sehen:
- Den prächtigen Kutschensaal (Sala de Carruajes): Dieser faszinierende Raum stellt unter anderem die goldglänzende, extrem aufwendige Staatskutsche von Maximilian sowie die sehr schlichte, schwarze, funktionale Kutsche des großen Reformpräsidenten Benito Juárez aus – ein extrem starker, visueller politischer Kontrast.
- Den luxuriösen Malachit-Raum (Sala de Malaquita): Dieser Raum präsentiert in seinem Zentrum eine absolut gigantische, schwere Vase aus purem grünem Malachit, die damals ein extrem wertvolles, persönliches diplomatisches Geschenk des russischen Zaren an die mexikanische Nation war.
- Das festliche Speisezimmer (El Comedor): Komplett und originalgetreu eingedeckt mit feinstem französischem Porzellan, glitzerndem Kristallglas und schwerem Silberbesteck, sieht es exakt und minutiös so aus wie am Vorabend eines großen, kaiserlichen Staatsbanketts.
- Die lichtdurchflutete Buntglas-Galerie (Galería de los Emplomados): Ein atemberaubend langer, eleganter Korridor mit riesigen, raumhohen Fenstern, die mit extrem feinen, farbigen Glasmalereien verziert sind, welche klassische griechische Göttinnen darstellen. Dies ist zweifellos einer der absolut fotogensten, schönsten und ruhigsten Orte in der gesamten, sonst so lauten Stadt, besonders wenn das bunte Licht am späten Nachmittag durch die großen Fenster flutet und bunte Muster auf den schwarz-weißen Schachbrett-Marmorboden wirft.
Das historische Abkommen von Chapultepec (The Treaty of Chapultepec)
Das Schloss hat die politische Weltgeschichte erstaunlicherweise noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein aktiv mitgeprägt. Im Jahr 1945 war das Schloss der hochoffizielle, prestigeträchtige Austragungsort der Interamerikanischen Konferenz über Probleme von Krieg und Frieden (Inter-American Conference on Problems of War and Peace), die schließlich in der Unterzeichnung der sogenannten Akte von Chapultepec (Treaty of Chapultepec) gipfelte. Dieses extrem wichtige, historische Abkommen war der direkte politische Vorläufer des späteren berühmten Rio-Vertrags (Inter-American Treaty of Reciprocal Assistance). Es etablierte und zementierte zum allerersten Mal fest das entscheidende, verbindliche Prinzip des gegenseitigen militärischen Beistands und der unbedingten amerikanischen Solidarität – was im Kern schlichtweg bedeutete, dass ein bewaffneter Angriff einer fremden Macht auf einen einzigen amerikanischen Staat sofort als ein direkter Angriff auf absolut alle anderen amerikanischen Staaten gewertet und beantwortet werden würde. Es war ein gigantischer, historischer Meilenstein in der panamerikanischen Diplomatie während der allerletzten, chaotischen Tage des Zweiten Weltkriegs.
Wichtige und nützliche Informationen für Besucher
Das Schloss befindet sich leicht auffindbar in der sogenannten "Ersten Sektion" (Primera Sección) des gigantischen Chapultepec-Parks (Bosque de Chapultepec), der stolz den Titel des mit Abstand größten, städtischen Parks in der gesamten westlichen Hemisphäre trägt.
- Der beschwerliche Aufstieg (The Climb): Um überhaupt zum Haupteingang des Schlosses zu gelangen, müssen Sie zwingend eine sehr breite, gepflasterte Straße ('La Rampa' / Die Rampe) hinaufgehen, die sich in mehreren Kurven stetig den vulkanischen Hügel hinaufwindet. Dieser Aufstieg dauert für durchschnittliche Geher etwa 15 bis 20 Minuten und kann aufgrund der doch extremen Höhenlage der Stadt (über 2.300 Meter!) für nicht akklimatisierte Besucher durchaus ein unerwartet anstrengendes, moderates Workout darstellen. Es gibt für ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen zwar auch einen kleinen, motorisierten Touristenzug (Tren Ligero), der die Straße hinauffährt, allerdings sind die Wartezeiten an den Haltestellen, besonders an Wochenenden, oft extrem lang.
- Strenge Sicherheits- und Wasserkontrollen: Die Sicherheitsvorkehrungen an den Eingängen zum Museum sind verständlicherweise sehr strikt und rigoros. Es ist Besuchern absolut und ausnahmslos untersagt, jegliche Form von Essen, Snacks oder besonders zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken in die historischen Räume des Museums mitzunehmen, um die unschätzbar wertvollen, textilen Artefakte vor versehentlichen Schäden oder Insektenbefall zu schützen. Einfaches Wasser in verschließbaren Flaschen ist jedoch in der Regel problemlos erlaubt.
- Die atemberaubenden Aussichten: Die weite, offene Schlossterrasse (Terraza) bietet Besuchern ohne jeden Zweifel den absolut besten, spektakulärsten und ungestörtesten Panoramablick auf die riesige Metropole Mexiko-Stadt. Von hier oben können Sie in einer völlig geraden, perfekten Linie direkt den langen Paseo de la Reforma hinunterschauen, bis hin zum goldenen Wahrzeichen, dem Engel der Unabhängigkeit (Ángel de la Independencia), und dabei zusehen, wie die ultramodernen, stählernen Wolkenkratzer scheinbar direkt aus dem dichten, endlosen grünen Meer der Bäume des Parks in den Himmel ragen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wurde der berühmte Film "Romeo + Juliet" tatsächlich hier gedreht?
- Ja, absolut! Wenn Ihnen das Schloss bei Ihrem Besuch seltsam vertraut vorkommt, dann liegt das mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass der visionäre australische Regisseur Baz Luhrmann es als die Hauptkulisse für das opulente Herrenhaus der Familie Capulet in seiner weltberühmten, stilbildenden Verfilmung von Romeo + Julia aus dem Jahr 1996 (mit dem jungen Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle) auswählte. Die absolut ikonische, legendäre Maskenball-Szene (Masquerade Ball), in der sich die beiden das erste Mal treffen, wurde exakt hier in diesen Räumlichkeiten gedreht.
- Ist der Eintritt in das Schloss kostenlos?
- Für offizielle mexikanische Staatsbürger und Personen mit festem Wohnsitz in Mexiko ist der Eintritt jeden Sonntag komplett kostenlos (was allerdings auch unweigerlich dazu führt, dass das Schloss an genau diesem Tag extrem überfüllt und laut ist). Für alle ausländischen Touristen wird eine sehr bescheidene, faire Eintrittsgebühr erhoben (die in der Regel um die 90 bis 100 mexikanische Pesos liegt, was etwa 5 Euro entspricht).
- Darf ich in den Museen fotografieren?
- Ja, das Fotografieren für rein private Zwecke ist im Allgemeinen gestattet. Allerdings ist die Verwendung von jeglichen Blitzlichtern (um die empfindlichen Farben der Wandgemälde und Stoffe zu schützen) sowie der Gebrauch von Stativen (Tripods) strengstens und ausnahmslos verboten. Falls Sie beabsichtigen, professionelle Videoausrüstung zu verwenden, müssen Sie unter Umständen an der Kasse eine kleine, zusätzliche Sondergebühr entrichten.