Das Vorbild für Schloss Mühlenhof: Eine absolute Comic-Ikone
Für unzählige Millionen von begeisterten Comic-Fans auf der ganzen Welt ist das majestätische Château de Cheverny sofort und unverkennbar nicht als ein reales, französisches Schloss erkennbar, sondern vielmehr als Schloss Mühlenhof (im Original Château de Moulinsart), der historische, adlige Stammsitz des fluchenden Kapitän Haddock aus der weltberühmten Serie Die Abenteuer von Tim und Struppi. Der geniale belgische Zeichner und Schöpfer Hergé nutzte detaillierte Skizzen von Cheverny als direkte visuelle Vorlage, entfernte dabei jedoch kreativ einfach die beiden großen, äußeren Seitenflügel, um das fiktive, etwas kompaktere Herrenhaus für seine Geschichten zu erschaffen. Die aktuellen, echten Besitzer von Cheverny haben dieses popkulturelle Erbe mit großer Begeisterung und Stolz angenommen. Eine dauerhafte, exzellent gestaltete interaktive Ausstellung mit dem Titel Die Geheimnisse von Schloss Mühlenhof ermöglicht es Besuchern und Fans, physisch direkt durch die bekanntesten Szenen aus den alten Comicbüchern zu spazieren – komplett ausgestattet mit lebensgroßen, perfekten Modellen, atmosphärischen Soundeffekten und interaktiven, spielerischen Displays. Hier können Sie unter anderem das legendäre kleine Hai-U-Boot von Professor Bienlein (Professor Calculus), die düstere, unterirdische Krypta aus Das Geheimnis der 'Einhorn' und sogar das durch den hohen Gesang zersprungene Glas aus Die Juwelen der Sängerin aus nächster Nähe bestaunen.
Ein ungebrochenes familiäres Erbe von über sechs Jahrhunderten
Die reale, historische Vergangenheit von Cheverny ist jedoch mindestens genauso fesselnd und spannend wie seine moderne, fiktive. Im extremen und starken Kontrast zu den allermeisten anderen berühmten Schlössern im Loire-Tal, die im Laufe der Jahrhunderte ständig und oft blutig den Besitzer zwischen verschiedenen Königen, intriganten Königinnen und königlichen Mätressen wechselten, ist Cheverny für über sechs lange Jahrhunderte völlig ununterbrochen im festen Besitz ein und derselben Familie geblieben: den Huraults. Es wurde zwischen den Jahren 1624 und 1630 von Henri Hurault, dem damaligen Grafen von Cheverny, und seiner Ehefrau Marguerite Gaillard de La Morinière erbaut. Genau weil dieses große Gebäude in einer einzigen, relativ kurzen und völlig ununterbrochenen Bauperiode errichtet wurde, präsentiert das Schloss heute eine absolut perfekte, ungestörte architektonische Stileinheit, die in der Kunstgeschichte als reiner Louis-XIII-Klassizismus (Klassizismus im Stil von Ludwig XIII.) bekannt ist. Entworfen wurde es von dem brillanten Architekten Jacques Bougier. Seine architektonische Genialität liegt einerseits in der absoluten, perfekten Symmetrie der Fronten und andererseits im verwendeten, lokalen Baumaterial: dem berühmten weißen Tuffeau-Stein (Tuffstein) aus den nahegelegenen Steinbrüchen von Bourré. Dieser erstaunliche Stein härtet mit zunehmendem Alter an der frischen Luft immer weiter aus und wird dabei wundersamerweise immer weißer und strahlender.
Auch heute noch leben der Marquis und die Marquise de Vibraye (beides direkte Nachkommen der alten Hurault-Familie) ganz real und alltäglich mit ihren Kindern im rechten Seitenflügel des Schlosses. Diese völlig ununterbrochene familiäre Besitzstruktur verleiht Cheverny eine absolut einzigartige, sehr intime Atmosphäre; es fühlt sich keineswegs an wie ein kaltes, steriles und unpersönliches staatliches Museum, sondern wie ein durch und durch warmes, echtes und liebevoll bewohntes Familienheim, das bis unter die Decke mit persönlicher Geschichte gefüllt ist. Auf den schweren, antiken Kommoden stehen frische, duftende Blumensträuße und private Familienfotos ganz selbstverständlich direkt neben unschätzbar wertvollen, alten Antiquitäten.
Das Interieur: Der absolute Höhepunkt französischer Pracht
Cheverny wird von fast allen Kunstexperten völlig einhellig als das Schloss mit den mit Abstand am schönsten, am vollständigsten und prachtvollsten möblierten Innenräumen im gesamten Loire-Tal angesehen. Das hier ausgestellte, schwere Mobiliar ist keineswegs nur eine zusammengekaufte, künstliche Sammlung von leblosen Museumsstücken, die lediglich zur Schau gestellt werden; es handelt sich dabei fast ausschließlich um die echten, originalen Haushaltsgegenstände, die von der Familie über viele Jahrhunderte hinweg im Alltag genutzt und gepflegt wurden.
Der Waffensaal (The Arms Room)
Der mit großem Abstand größte und beeindruckendste Raum im gesamten Schloss, der Waffensaal, präsentiert eine absolut furchteinflößende und umfangreiche Sammlung von originalen Rüstungen, blanken Schwertern und historischen Waffen aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert. Dazu gehören unter anderem auch komplett erhaltene, schwere Turnierrüstungen, die einst dem Grafen von Chambord gehörten. Der wahre, unbezahlbare Kunstschatz in diesem kriegerischen Raum sind jedoch die extrem feinen, riesigen Gobelin-Wandteppiche (Tapisserien) aus dem späten 17. Jahrhundert, die dramatisch die klassische Entführung der Helena von Troja darstellen. Die unglaublich leuchtenden, lebendigen Farben dieser textilen Meisterwerke sind nur deshalb so perfekt und makellos erhalten geblieben, weil sie über die vielen Jahrhunderte hinweg strikt und sorgfältig von direktem, schädlichem Sonnenlicht ferngehalten wurden.
Das königliche Schlafzimmer (The King's Bedroom)
In der damaligen Zeit war es für große, hochadlige und wichtige Häuser absoluter, ungeschriebener Brauch, stets ein komplett ausgestattetes, luxuriöses Schlafzimmer für den König bereitzuhalten – für den Fall, dass der Monarch spontan auf seinen Reisen durch das Land vorbeikommen sollte. Das sogenannte königliche Schlafzimmer auf Cheverny ist ein wahrer Rausch aus verschwenderischer, überbordender Dekoration. Es besticht durch eine extrem aufwendig bemalte Holzdecke, die detailliert Szenen aus der klassischen griechischen Mythologie rund um Perseus und Andromeda zeigt. Die große historische Ironie dabei ist, dass absolut niemals ein regierender König auch nur eine einzige Nacht in genau diesem prunkvollen Bett geschlafen hat (obwohl König Henri IV. sehr wohl in dem älteren, vorherigen Burggebäude, das zuvor auf diesem Gelände stand, genächtigt hatte). Der prächtige Raum enthält ein absolut gigantisches, mit feinsten persischen und orientalischen Motiven handbesticktes Himmelbett, das einem Monarchen wahrlich würdig gewesen wäre.
Das festliche Speisezimmer (The Dining Room)
Das große Speisezimmer erweckt den opulenten Lebensstil des 19. Jahrhunderts perfekt zum Leben. Die Wände sind geschmückt mit 34 wunderschönen, handgemalten Holztafeln des Künstlers Jean Monier, die die berühmte literarische Geschichte des Don Quixote von La Mancha chronologisch illustrieren. Der extrem lange, massive Esstisch in der Mitte des Raumes ist sehr oft komplett für ein großes, formelles königliches Dinner eingedeckt, mit blitzendem, schwerem Familiensilber und funkelnden Kristallgläsern, was das ohnehin schon starke Gefühl noch weiter verstärkt, dass die adelige Familie nur für einen kurzen Spaziergang in den Garten getreten ist und jeden Moment zum Essen zurückkehren wird.
Die lauten Jagdhunde und die Tradition der Parforcejagd
Cheverny ist noch heute ein extrem lebendiges, aktives Zentrum der alten, klassischen französischen Jagdtradition (der sogenannten vénerie oder Parforcejagd zu Pferde). Die großen, historischen Hundezwinger (Kennels) auf dem Gelände sind die stolze Heimat für eine laute, energiegeladene Meute von über 100 reinrassigen anglo-französischen, dreifarbigen Jagdhunden. Dies sind absolut keine verhätschelten Schoßhunde, sondern echte, hochgradig trainierte Arbeitshunde. Sie wurden speziell darauf gezüchtet, die enorme Ausdauer, Kraft und die Spürnasen zu besitzen, die für die traditionelle Hirschjagd in den tiefen, dichten Wäldern der Umgebung zwingend erforderlich sind. Ein absolutes, unvergessliches Highlight für sehr viele Touristen ist die täglich stattfindende "Suppe der Hunde" (La soupe des chiens) gegen 11:30 Uhr vormittags (die genauen Zeiten können je nach Saison leicht variieren). Dabei füttert der erfahrene Piqueur (Hundemeister) die gesamte, aufgeregte Meute gleichzeitig. Die eiserne, antrainierte Disziplin der Tiere ist dabei schlichtweg unglaublich; die extrem hungrigen, lauten Hunde warten völlig reglos und absolut still (wenn auch stark sabbernd) vor dem großen Futtertrog, bis der Meister die Peitsche knallen lässt und den entscheidenden, erlösenden Befehl zum Fressen gibt. Es ist ein lautes, fast schon primitives Spektakel aus rohem, tierischem Instinkt gepaart mit rigidestem Training.
Das weitläufige Anwesen: Parks, Gärten und Wasserkanäle
Das weiße Schloss ist umgeben von einem absolut gigantischen, sattgrünen Park im klassischen englischen Landschaftsstil, der weitläufig mit extrem großen, alten Mammutbäumen (Sequoias), Zedern und majestätischen Linden bepflanzt ist. Das weite Anwesen hat seine Gartenangebote in den letzten Jahren sehr massiv und kostenintensiv erweitert, um Familien und Besucher dazu zu ermutigen, tatsächlich den gesamten Tag auf dem Gelände zu verbringen:
- Der Küchen- und Gemüsegarten (The Kitchen Garden): Ein herrliches, farbenfrohes Bouquet aus unterschiedlichsten Farben und intensiven Düften. Hier werden essbare Blüten und frisches Gemüse klug gemischt angebaut, um sowohl den privaten Esstisch der Adelsfamilie als auch das öffentliche Café des Schlosses täglich frisch zu versorgen.
- Der große Tulpengarten (The Tulip Garden): Jeden Frühling erblühen hier weit über 100.000 einzelne Tulpenzwiebeln und erzeugen ein absolut spektakuläres, breites und leuchtendes Farbband, das sich malerisch über die grünen Rasenflächen zieht und durchaus mit den allergrößten und berühmtesten Blumengärten in den Niederlanden konkurrieren kann.
- Das Heckenlabyrinth (The Maze): Ein sehr großer, spaßiger klassischer Irrgarten aus dichten, hohen Hecken, der thematisch klug mit dem Tim-und-Struppi-Thema verknüpft ist und sich absolut perfekt für Kinder (und junggebliebene Erwachsene) eignet.
- Der Garten der Liebe (The Garden of Love): Ein sehr ruhiger, idyllischer Gartenbereich direkt am Ufer des Schlossteichs. Er präsentiert sechs absolut monumentale, ausdrucksstarke Bronzeskulpturen des bekannten schwedischen Künstlers Gudmar Olovson, die sehr emotional die völlig unterschiedlichen, schönen Stadien der menschlichen Liebe darstellen – vom ersten, zarten Werben bis hin zur Gründung einer Familie.
- Boots- und Elektrowagenfahrten: Um das riesige Gelände nicht komplett erlaufen zu müssen, können Besucher sehr komfortable, elektrische Golfcarts mieten, um den angrenzenden großen Wald zu erkunden, oder sie können eine völlig geräuschlose Fahrt mit einem Elektroboot auf dem alten Kanal unternehmen, um die perfekte Symmetrie des Schlosses aus einer völlig neuen, ruhigen Perspektive vom Wasser aus zu betrachten.
Wichtige und praktische Informationen für Besucher
Das Schloss Cheverny ist als eines der ganz wenigen im Land wirklich an jedem einzelnen Tag des Jahres für die Öffentlichkeit geöffnet. Es liegt extrem verkehrsgünstig in der unmittelbaren Nähe der Stadt Blois und ist zudem der fast direkte Nachbar des absolut gigantischen Schlosses Chambord. Dies macht es logistisch extrem einfach, unkompliziert und lohnenswert, beide Schlösser an nur einem einzigen, vollgepackten Tag zu besichtigen. Im Gegensatz zu vielen der eher steril geführten, rein staatlichen Monumente in Frankreich bietet das privat geführte Cheverny ein absolut reibungsloses, stark auf den Besucher ausgerichtetes Erlebnis, mit extrem großen, gut organisierten Parkplätzen und einem sehr starken, modernen Fokus auf familienfreundliche Unterhaltung.
Die perfekte Kombination: Cheverny und Chambord an einem Tag
Cheverny und das extrem nahe gelegene gigantische Schloss Chambord liegen nur knappe 18 Kilometer voneinander entfernt und werden von fast allen Touristen, die von Blois oder Tours aus anreisen, sehr oft und gerne zusammen als ein kombinierter Tagesausflug besichtigt. Der architektonische und atmosphärische Kontrast zwischen diesen beiden spezifischen Gebäuden ist extrem lehrreich und faszinierend: Das massige Chambord ist ein absolut überwältigendes, gigantisches und leicht unmenschliches Statement königlicher Megalomanie (Größenwahn) – mit unglaublichen 440 leeren Räumen, einer völlig absurden, 32 Kilometer langen geschlossenen Parkmauer und einer genialen Doppelhelix-Treppe, auf der man sein gesamtes Leben verbringen könnte, ohne je einem anderen Menschen zu begegnen. Cheverny hingegen ist das direkte, intime und extrem wohnliche, menschliche Gegenstück dazu: Es repräsentiert das französische Château in allererster Linie als echtes, warmes Zuhause und nicht nur als ein kaltes, steinernes Symbol der absoluten Macht. Die allermeisten Besucher stellen fest, dass genau dieser harte, extreme Kontrast jede der beiden Anlagen für sich genommen noch wesentlich besser verständlich (legible) macht. Nach den unendlich weiten, extrem kargen und hallenden Räumen des riesigen Chambord fühlt sich der direkte Übergang in die prunkvoll, gemütlich möblierten Räume und die sehr private, warme familiäre Atmosphäre von Cheverny fast so an, als würde man plötzlich wieder in das echte, atmende Leben eintreten.
Ein sehr empfehlenswerter, bewährter Zeitplan für diesen Tag sieht wie folgt aus: Besuchen Sie das riesige Chambord gleich früh am Morgen (kommen Sie unbedingt pünktlich zur Öffnung, um den massiven, lauten Reisegruppen aus den Bussen zuvorzukommen). Fahren Sie dann am frühen Nachmittag weiter nach Cheverny. So haben Sie das große Spektakel der lauten Hundefütterung um 11:30 Uhr erfolgreich umschifft, und die größten, dichtesten Touristenmassen auf dem Anwesen haben sich bereits merklich gelichtet. Beenden Sie Ihren langen Tag ganz entspannt im wunderschönen Gartencafé (Orangerie) von Cheverny, wo unter anderem exzellente saisonale Gerichte mit Produkten direkt aus dem eigenen Gemüsegarten sowie natürlich hervorragende lokale Loire-Weine serviert werden – ein durch und durch zivilisierter, eleganter und typisch französischer Abschluss für einen perfekten Tag im Tal der Könige.