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Königliches Schloss Blois (Château Royal de Blois)

Königliches Schloss Blois (Château Royal de Blois)

📍 Blois, Frankreich 📅 Gebaut im Jahr 1214

Einführung: Das Herz der französischen Geschichte

Eindrucksvoll und strategisch perfekt auf einem hohen Felsvorsprung über dem breiten Fluss Loire gelegen, ist das königliche Schloss von Blois (Château Royal de Blois) weit mehr als nur eine einfache Burg; es ist ein dreidimensionales, aufgeschlagenes Lehrbuch der französischen Architekturgeschichte und die primäre, oft blutige Bühne für einige der absolut bedeutendsten und weitreichendsten Ereignisse in der Geschichte Frankreichs. Im extremen Gegensatz zu der perfekten, harmonischen stilistischen Einheit von Schloss Cheverny oder der grandiosen, mathematischen Symmetrie von Chambord ist Blois ein extrem faszinierendes, zusammengesetztes Monument – ein architektonischer Flickenteppich (Patchwork) aus völlig unterschiedlichen Palästen, die über mehrere Jahrhunderte hinweg aneinandergebaut wurden. Seine vier markanten Flügel, die während vier völlig unterschiedlichen historischen Epochen errichtet wurden, umschließen heute einen gemeinsamen, großen zentralen Innenhof. Dies ermöglicht es den Besuchern, die komplette, komplexe Evolution des französischen Architekturstils – vom rauen Mittelalter bis hin zum strengen 17. Jahrhundert – mit einer einzigen, einfachen 360-Grad-Drehung um die eigene Achse visuell nachzuvollziehen.

Als die hochoffizielle, bevorzugte Residenz von sage und schreibe sieben französischen Königen und zehn Königinnen fungierte Blois für weit über ein ganzes Jahrhundert als die pulsierende, politische Hauptstadt des gesamten französischen Königreichs. Genau hier, innerhalb dieser alten Mauern, wurde im Jahr 1429 die mutige Bauernsekte Jeanne d'Arc (Johanna von Orléans) vom Erzbischof von Reims feierlich gesegnet, unmittelbar bevor sie mit ihrer Armee auszog, um die belagerte Stadt Orléans zu befreien. Es war dieser Ort, an dem berühmte französische Dichter wie Pierre de Ronsard lebten und ihre Verse verfassten, und es war exakt hier, wo im Jahr 1588 die absolut skandalöse, feige und brutale politische Ermordung des mächtigen Herzogs von Guise stattfand. Wahrhaft jeder einzelne Stein im Schloss Blois flüstert eine eigene, dunkle Geschichte von unbändiger Macht, verbotener königlicher Romantik oder eiskaltem Verrat.

Architektur: Ein lebendiges Panorama der Stile

Der weitläufige Innenhof des Schlosses fungiert heute wie ein exzellentes Freilichtmuseum für historische Architektur. Er präsentiert stolz vier völlig unterschiedliche, große Gebäudeflügel, die – obwohl sie stilistisch extrem verschieden sind – auf geradezu magische Weise miteinander harmonieren.

Die mittelalterliche Festung (13. Jahrhundert)

Der mit Abstand älteste, noch erhaltene Teil der Burganlage ist der sogenannte Salle des États (Saal der Generalstände), der ursprünglich bereits im Jahr 1214 von dem Feudalherrn Graf Theobald VI. erbaut wurde. Er ist landesweit einer der absolut ältesten und flächenmäßig größten erhaltenen gotischen zivilen (nicht-religiösen) Säle in ganz Frankreich. Seine wuchtige, zweischiffige Struktur, die in der Mitte durch eine strenge Reihe von massiven Säulen getrennt ist, und seine dunkle, getäfelte Holzdecke beschwören sofort die düstere Feudalzeit der alten Grafen von Blois herauf. Dieser gigantische Saal wurde ursprünglich hauptsächlich für hohe Gerichtshöfe genutzt und diente wesentlich später, in den extrem kritischen Jahren 1576 und 1588, als feierlicher Versammlungsort für die berühmten Generalstände. Diese politischen Versammlungen versuchten dort verzweifelt, aber letztendlich vergebens, die brutalen, blutigen Religionskriege zu beenden, die das Land Frankreich zu dieser Zeit buchstäblich in Stücke rissen.

Der Flügel von Ludwig XII. (1498-1500)

Dieser markante Flügel wurde von König Ludwig XII. (der praktischerweise direkt hier in Blois geboren wurde) erbaut und markiert architektonisch den extrem wichtigen, fließenden Übergang von einer rauen, wehrhaften Festung hin zu einem komfortablen, lichtdurchfluteten Lustschloss (Pleasure Palace). Erbaut aus einer auffälligen, extrem charmanten Kombination aus leuchtend roten Backsteinen und hellem, weißem Kalkstein, ist dieser Trakt ein absolut herausragendes, reines Beispiel für den Stil der extravaganten Flamboyant-Gotik, der jedoch bereits stark mit ersten, sehr subtilen Einflüssen der frühen italienischen Renaissance vermischt ist. Über dem großen Haupteingang (Portal) prangt eine beeindruckende Reiterstatue des Königs (es handelt sich hierbei heute um eine moderne, originalgetreue Kopie; das historische Original wurde während der blinden Zerstörungswut der Französischen Revolution rücksichtslos zerschlagen) sowie ein fein gemeißeltes Stachelschwein. Dieses wehrhafte Tier war das offizielle königliche Emblem Ludwigs XII. und symbolisierte unmissverständlich sein sehr klares, politisches Lebensmotto: 'qui s'y frotte s'y pique' (Wer sich daran reibt, der sticht sich).

Der Flügel von Franz I. (1515-1524)

Direkt initiiert von dem jungen, ehrgeizigen König Franz I. kurz nach seiner offiziellen Thronbesteigung, ist dieser Gebäudeflügel zweifellos das absolut unumstrittene Meisterwerk der französischen Hochrenaissance. Massiv beeinflusst durch die feine italienische Architektur, präsentiert er als absolutes Highlight die weltberühmte, monumentale achteckige Wendeltreppe (octagonal spiral staircase). Das absolut Revolutionäre an dieser Treppe ist, dass sie nicht (wie im Mittelalter üblich) dunkel im Inneren eines geschlossenen Turms verborgen ist, sondern sich halb offen, wie ein filigraner, steinerner Balkon nach außen vor die eigentliche Hauptfassade wölbt. Sie ist über und über mit extrem komplexen, detaillierten Steinskulpturen, unzähligen Feuersalamandern (dem bekannten, allgegenwärtigen Wappentier von Franz I.) und offenen, luftigen Balkonen geschmückt. Diese Treppe wurde vom Architekten ganz bewusst nicht nur zum reinen Begehen entworfen, sondern primär nach dem Motto "sehen und vor allem gesehen werden" konstruiert – sie fungierte bei Festen als eine Art prunkvolle, erhöhte Freilichtbühne, von der aus der elitäre, fein gekleidete Hofstaat das bunte Treiben im Hof bequem und erhaben beobachten konnte. Die gegenüberliegende Außenfassade, die direkt der Stadt zugewandt ist, ist mit ihren eleganten Loggien (Galerien), die extrem stark an die Architektur des Vatikans in Rom erinnern, absolut ebenso beeindruckend.

Der Flügel von Gaston d'Orléans (1635-1638)

Dieser weitaus strengere, symmetrische Flügel wurde von dem sehr berühmten Architekten François Mansart entworfen und repräsentiert den puren, kühlen französischen Klassizismus des 17. Jahrhunderts. Gaston d'Orléans, der rebellische Bruder des amtierenden Königs Ludwig XIII., plante ursprünglich allen Ernstes, das komplette, alte Schloss abzureißen und vollständig in diesem neuen, modernen und gigantischen Stil komplett neu aufzubauen. Glücklicherweise ging ihm für dieses absurde Megaprojekt relativ schnell das Geld (und die politische Unterstützung) aus, was die Bauarbeiten abrupt stoppte und somit die unschätzbar wertvollen älteren Renaissance- und Gotikflügel in letzter Sekunde vor der sicheren Zerstörung rettete. Dieser noch erhaltene Flügel besticht besonders durch ein absolut monumentales, steinernes Treppenhaus mit einer fantastischen Doppelkuppel – ein absolutes, unübertroffenes Meisterwerk der Stereotomie (der hochkomplexen Kunst des Steinschnitts), das die immense, spätere Grandiosität von Schlössern wie Versailles bereits deutlich architektonisch vorwegnimmt.

Geschichte: Nackte Macht, intrigante Königinnen und politischer Mord

Blois war während der gesamten französischen Renaissance das absolute, pulsierende Zentrum des glanzvollen höfischen Lebens. König Franz I. gründete hier stolz die allererste königliche Bibliothek des Landes (welche erst viel später nach Fontainebleau verlegt wurde). Doch es waren oft ganz besonders die starken, einflussreichen Frauen von Blois, die die tiefsten, dauerhaftesten Spuren in diesen Mauern hinterließen. Claude de France (die Tochter von Ludwig XII. und Ehefrau von Franz I.) verbrachte hier fast ihr gesamtes Leben und starb schließlich auch in diesem Schloss. Die extrem mächtige, oft gefürchtete und tief intrigante Königinmutter Katharina de' Medici residierte ebenfalls sehr lange in Blois und verstarb hier schließlich im Jahr 1589. Ihre privaten Gemächer, mit ihrer wunderschön restaurierten, dunklen Holzvertäfelung, sind heute ein absoluter Höhepunkt bei jedem Rundgang. Eine sehr hartnäckige, schaurige Legende spricht immer wieder von ihren sogenannten geheimen 'Giftschränken' (poison cabinets), die raffiniert hinter diesen unsichtbaren Holzpaneelen versteckt sein sollen – moderne Historiker gehen heute jedoch sehr stark und nüchtern davon aus, dass diese ausgeklügelten Geheimfächer höchstwahrscheinlich viel profaner lediglich für die sichere Aufbewahrung von extrem wichtigen Staatsdokumenten oder extrem teurem Schmuck genutzt wurden.

Die brutale Ermordung des Herzogs von Guise

Das mit absoluten Abstand dramatischste, brutalste und folgenreichste Ereignis in der gesamten, langen Geschichte des Schlosses ereignete sich am frühen Morgen des 23. Dezember 1588. Mitten in den unerbittlichen, fanatischen Religionskriegen fühlte sich König Heinrich III. in seiner Macht extrem durch den stetig wachsenden, gefährlichen Einfluss von Heinrich I., dem mächtigen Herzog von Guise und radikalen Anführer der ultra-katholischen Liga, bedroht. Unter dem absolut falschen Vorwand, eine dringende Ratssitzung abhalten zu wollen, zitierte der König den ahnungslosen Herzog am frühen Morgen direkt in seine eigenen, privaten königlichen Gemächer. Genau in dem Moment, als der Herzog das königliche Schlafzimmer (das King's Bedchamber) betrat, wurde er plötzlich von den persönlichen, extrem loyalen Leibwächtern des Königs (den sogenannten 'Fünfundvierzig' / The Forty-Five) hinterrücks überfallen und extrem brutal, mit zahllosen Dolchstichen, direkt am Fuße des königlichen Bettes kaltblütig abgeschlachtet. Sein Bruder, der einflussreiche Kardinal von Guise, wurde sofort verhaftet und am darauffolgenden Tag in den dunklen, feuchten Kerkern des Schlosses ebenfalls hingerichtet.

Historische Berichte erwähnen, dass der feige König Heinrich III. erst nach der Tat aus seinem sicheren Versteck hervorkam, um sich die blutüberströmte Leiche seines größten Rivalen genüsslich anzusehen. Er soll dabei verächtlich nach dem toten Körper getreten haben und dabei den berühmten Satz gesprochen haben: "Er erscheint mir tot noch sehr viel größer zu sein als lebendig." Dieser absolut skrupellose, feige Akt rettete den schwachen Heinrich III. letztendlich jedoch nicht; er selbst wurde nur wenige kurze Monate später als Racheakt von einem fanatischen Mönch ebenfalls ermordet. Dennoch bleibt der Tod des Herzogs von Guise in Blois einer der absolut berüchtigtsten, bekanntesten und brutalsten politischen Morde in der gesamten, langen französischen Geschichte.

Das Museum der Schönen Künste (Musée des Beaux-Arts)

Heutzutage beherbergt der historische Flügel von Ludwig XII. das exzellente Museum der Schönen Künste von Blois (Musée des Beaux-Arts). Diese extrem umfangreiche, staatliche Kunstsammlung umfasst weit über 30.000 einzelne, wertvolle Werke. Sie präsentiert dem Besucher eine fantastische, handverlesene Auswahl an historischen Gemälden, feinen Skulpturen und riesigen, kunstvollen Wandteppichen, die die Epochen vom frühen 16. bis tief in das 19. Jahrhundert abdecken. Zu den absoluten, unverzichtbaren Höhepunkten dieser Sammlung zählen Meisterwerke von so renommierten, berühmten Künstlern wie Ingres, Rubens und Boucher sowie eine extrem detaillierte, beeindruckende lange Galerie mit originalen, königlichen Porträts.

Die prunkvollen, privaten königlichen Gemächer im Flügel von Franz I. wurden in den letzten Jahren mit immensem finanziellem Aufwand und größter historischer Präzision komplett restauriert und originalgetreu wieder möbliert, um die opulente, farbenfrohe Atmosphäre des elitären 16. Jahrhunderts perfekt wiederherzustellen. Besucher können heute wieder staunend durch das majestätische königliche Schlafzimmer, die lange, elegante Galerie der Königin und das ernste Ratsoberzimmer (Council Chamber) spazieren. Dabei können sie die unglaublich kunstvoll bemalten, polychromen Kamine (polychrome fireplaces) und die extrem feinen, glasierten Fliesenböden bewundern, die allesamt in jahrelanger Kleinarbeit und exakt basierend auf strengen historischen Aufzeichnungen und alten Dokumenten meisterhaft rekonstruiert wurden.

Wichtige Tipps für Ihren Besuch in Blois

Ein ausführlicher Besuch des Königlichen Schlosses von Blois bietet Ihnen den absolut besten, umfassendsten und lehrreichsten historischen Überblick über die gesamte architektonische und politische Entwicklung aller großen Loire-Schlösser an einem einzigen Ort. Da sich das Schloss absolut zentral gelegen mitten im Herzen der alten, charmanten Stadt Blois befindet, ist es für Touristen extrem einfach zu Fuß oder mit dem Auto erreichbar. Die erhöhten Terrassen der Anlage bieten zudem absolut spektakuläre, weite Fotomotive auf den dahinfließenden Fluss und das Meer an schiefergrauen Dächern der Altstadt. An lauen Sommerabenden wird der große Innenhof des Schlosses zur Bühne für eine extrem spektakuläre, farbenprächtige und laute "Sound and Light"-Show (Son et Lumière). Diese fantastische, immersive Projektion nutzt die vier völlig unterschiedlichen architektonischen Fassaden als gigantische Leinwände, um die extrem turbulente, oft blutige Geschichte des Schlosses lautstark und visuell atemberaubend zu erzählen, und erweckt dabei die vielen ruhelosen Geister der vergangenen Könige und Königinnen für eine kurze, magische Stunde buchstäblich wieder zum Leben.