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Conwy Castle

Conwy Castle

📍 Conwy, Wales 📅 Gebaut im Jahr 1283

Der Eiserne Ring von Wales

Conwy Castle ist der düstere, schnörkellose Soldat im Vergleich zum imperialen Prunk von Caernarfon. Erbaut von König Eduard I. während seiner Eroberung von Wales, gilt es weithin als das feinste Beispiel mittelalterlicher Militärarchitektur in ganz Europa. Es wurde mit unglaublicher Geschwindigkeit errichtet – in nur vier Jahren zwischen 1283 und 1287 – von einer Belegschaft aus 1.500 Männern, die aus ganz England rekrutiert worden waren. Das ambitionierte Projekt kostete schätzungsweise 15.000 Pfund, eine für die damalige Zeit kolossale Summe, die die englische Staatskasse beinahe in den Ruin trieb (entspricht heute Dutzenden Millionen Euro). Es thront majestätisch auf einem Felsvorsprung, der die Mündung des Flusses Conwy bewacht, als Teil von Eduards „Eisernem Ring“ von Burgen, die dazu dienten, die walisischen Fürstentümer dauerhaft einzukreisen und zu unterwerfen.

Das Mastermind hinter diesem steinernen Leviathan war Meister James of St. George, ein savoyischer Militärarchitekt, der weithin als der größte Festungsbauer des Mittelalters gilt. Sein unbestreitbares Genie ist in Conwy allgegenwärtig, angefangen bei der cleveren Nutzung des natürlichen Felsfundaments bis hin zu den unabhängigen Verteidigungshöfen, die es der Burg ermöglichten, selbst dann noch voll zu funktionieren, wenn ein Teil von ihr bereits erobert worden war. Im Gegensatz zu anderen Burgen, die über Jahrhunderte hinweg stark modifiziert wurden, blieb Conwy weitgehend so erhalten, wie Eduard es hinterließ – eine perfekte, aus Kalkstein gefertigte Zeitkapsel des späten 13. Jahrhunderts.

Eine Festung der zwei Höfe

Das Design der Burg ist ein Meisterwerk der kompakten Verteidigung, das von dem schmalen Bergrücken diktiert wurde, auf dem sie erbaut wurde. Im Gegensatz zu den konzentrischen Designs von Beaumaris oder Harlech ist Conwy linear und in zwei deutlich voneinander getrennte Höfe (Wards) unterteilt:

  • Der Äußere Hof (Outer Ward): Dies war das geschäftige Herz der Garnison, das durch die Barbakane und das Haupttor zugänglich war. Er beherbergt die Große Halle (einst beeindruckende 38 Meter lang) und die riesigen Küchenanlagen. Hier lebten, aßen und trainierten die Soldaten unermüdlich. Die schiere Größe der Halle lässt vermuten, dass sie nicht nur für eine gewöhnliche Garnison, sondern für einen königlichen Hofstaat konzipiert wurde. Das Dach bestand ursprünglich aus einer einzigen hölzernen Spannweite, einem Wunderwerk der damaligen Zimmermannskunst, obwohl heute nur noch die steinernen Bögen, die es einst stützten, erhalten sind.
  • Der Innere Hof (Inner Ward): Vom Äußeren Hof durch einen tiefen, in den Fels gehauenen Graben, eine Zugbrücke und ein schweres Tor getrennt, war dies das private Heiligtum des Königs. Er beherbergte die Königlichen Gemächer (die Kammern des Königs und der Königin) sowie eine private Kapelle. Diese „Burg in der Burg“ war darauf ausgelegt, den Monarchen nicht nur vor den Feinden draußen zu schützen, sondern auch vor seinen eigenen Soldaten, falls diese meutern sollten. Sie verfügte sogar über ein eigenes privates Wassertor zum Fluss, was sicherstellte, dass Vorräte den König direkt per Boot erreichen konnten, wobei die Hauptgarnison geschickt umgangen wurde.

Die Königlichen Gemächer: Mittelalterlicher Luxus

Während die Außenseite von Conwy düster und martialisch wirkt, glich der Innere Hof einem wahren Palast. Die Große Kammer des Königs und die Kammer der Königin waren einst kunstvoll verputzt, strahlend weiß gestrichen und mit aufwendigen Wandmalereien verziert. Sie verfügten über große Kamine und verglaste Fenster (ein seltener Luxus in jener Zeit). Der Kapellenturm enthält eine wunderschöne private Kapelle mit spitzbogigen Lanzettfenstern, die tief in die dicken Mauern gehauen sind. Sie ist eine ständige Erinnerung daran, dass der mittelalterliche Hof selbst inmitten eines brutalen Eroberungskrieges mit allen Annehmlichkeiten von Komfort und Frömmigkeit reiste. Wenn man heute in diesen dachlosen Räumen steht, kann man noch immer die Umrisse erkennen, wo einst die Holzböden verliefen, und sich die prächtigen Wandteppiche vorstellen, die den kalten Stein einst bedeckten.

Die Stadtmauern: Eine lückenlose Verteidigung

Was Conwy so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die Burg noch immer physisch mit der Stadt verbunden ist, die sie ursprünglich schützen (und kontrollieren) sollte. Die mittelalterlichen Stadtmauern sind beinahe perfekt erhalten und erstrecken sich über eine beachtliche Länge von rund 1,3 Kilometern (fast eine dreiviertel Meile) rund um die Stadt. Sie weisen 21 Türme und drei originale Torhäuser auf. Besucher können kostenlos auf der Spitze dieser wehrhaften Mauern spazieren gehen und so aus der Vogelperspektive auf das mittelalterliche Straßenlayout blicken, das sich in den letzten 700 Jahren kaum verändert hat. Es handelt sich hierbei zweifellos um eine der am besten erhaltenen ummauerten Städte der Welt.

Im 13. Jahrhundert boten diese massiven Mauern den englischen Siedlern Schutz, die von Eduard I. ins Land geholt worden waren, um die Stadt zu kolonisieren. Den einheimischen Walisern war es strengstens verboten, innerhalb der schützenden Mauern zu leben, was eine segregierte Gesellschaft schuf und jahrhundertelang Ressentiments schürte. Die Mauern waren somit nicht nur rein defensiver Natur; sie stellten gleichzeitig eine immense psychologische Barriere dar und waren eine ständige, sichtbare Erinnerung an die englische Dominanz über die walisische Landschaft.

Belagerungen, Verrat und qualvolles Aushungern

Conwy erlebte im Laufe der Zeit reichlich militärische Aktionen. Im harten Winter von 1294 wurde Eduard I. hier selbst während einer walisischen Rebellion unter der Führung von Madog ap Llywelyn belagert. Der König war wochenlang mit nur wenigen Fässern Wein und etwas altbackenem Brot eingeschlossen. Die mächtigen Mauern hielten zwar stand, doch der Monarch musste die Demütigung ertragen, die mageren Rationen mit seinen Soldaten teilen zu müssen, bis die Conwy-Mündung schließlich auftaute und Versorgungsschiffe eintreffen konnten. Es war das einzige Mal, dass die wehrhaften Verteidigungsanlagen der Burg durch eine ausgewachsene Belagerung unter dem Kommando des Königs wahrhaft auf die Probe gestellt wurden.

Im Jahr 1401, während des großen Aufstands von Owain Glyndŵr, wurde die Festung erobert – jedoch nicht durch den Einsatz mächtiger Belagerungsmaschinen, sondern durch eine geschickte List. Am Karfreitag, als die ahnungslose Garnison die Messe besuchte, gaben sich zwei walisische Brüder (Rhys und Gwilym ap Tudur) als einfache Zimmerleute aus. Sie töteten die beiden Wachen, die im Dienst geblieben waren, und ließen kurzerhand eine kleine Gruppe von Rebellen ein. Sie hielten diese eigentlich als uneinnehmbar geltende Festung drei Monate lang besetzt und handelten schließlich erfolgreich eine königliche Begnadigung von Heinrich IV. aus. Dieses bemerkenswerte Ereignis bewies eindrücklich, dass selbst die stärksten und höchsten Mauern nutzlos sind gegen Verrat von innen.

Die spektakuläre Hängebrücke

Direkt neben der imposanten Burg steht ein weiteres architektonisches Wunderwerk aus einer völlig anderen Epoche: die Conwy Hängebrücke. Sie wurde 1826 von dem berühmten Ingenieur Thomas Telford erbaut und war eine der allerersten Hängebrücken weltweit. Telford zeigte großes Feingefühl für die Dominanz der historischen Burg und entwarf die stützenden Türme der Brücke so, dass sie wie kleine Burgtürme aussahen, komplett mit sogenannten Pechnasen (Machikulis). Diese respektvolle und harmonische Verschmelzung der Industriellen Revolution mit dem Erbe des Mittelalters schafft eine wahrhaft einzigartige Skyline. Sie ist heute ein reines Fußgänger-Anwesen des National Trust. Gleich daneben verläuft die röhrenförmige Eisenbahnbrücke, die von Robert Stephenson erbaut wurde, ein weiteres meisterhaftes Relikt der viktorianischen Ära.

Die atemberaubenden Ausblicke

Das Erklimmen der steilen Wendeltreppen zur Spitze der acht massiven, düsteren Türme bietet zweifellos einige der besten und beeindruckendsten Aussichten in ganz Wales. Man kann in der Ferne die gezackten Gipfel von Snowdonia aufragen sehen, wie die Conwy-Mündung sanft in die Irische See fließt, und tief unten das faszinierende mittelalterliche Stadtlayout bewundern. Es ist wahrlich der Traum eines jeden Fotografen. Das fast schon magische Gefühl von Unverwundbarkeit aus diesen luftigen Höhen ist greifbar; man versteht auf der Stelle genau, warum Meister James diesen speziellen Felsen als Standort wählte. Jeder Turm war zudem mit Rüstlöchern ausgestattet – Aussparungen in den Wänden, in denen während einer Belagerung hölzerne Kampfplattformen (Hurden) errichtet werden konnten, um einen tödlichen Regen aus Pfeilen und Felsbrocken auf die Angreifer am Fuße der Mauer herabprasseln zu lassen.

Wichtige Besucherinformationen

Conwy Castle wird heute von Cadw, der historischen Denkmalschutzbehörde von Wales, sorgfältig verwaltet und gepflegt.

  • Der Aufstieg: Seien Sie gut auf steile und mitunter enge Wendeltreppen vorbereitet. Die grandiosen Aussichten von oben sind die Anstrengung definitiv wert, erfordern jedoch etwas körperlichen Einsatz. Es gibt leider keine Aufzüge in der historischen Anlage.
  • Das Kleinste Haus: Direkt unterhalb der Burgmauern, idyllisch am Kai gelegen, steht das bemerkenswerte Kleinste Haus Großbritanniens, ein winziges, auffällig rotes Gebäude von lediglich 1,82 Metern (72 Zoll) Breite. Es wurde erstaunlicherweise bis ins Jahr 1900 von einem Fischer bewohnt, der selbst 1,90 Meter (6 Fuß 3 Zoll) groß war!
  • Weltkulturerbe-Status: Conwy ist stolzer Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätte „Burgen und Stadtmauern von König Eduard in Gwynedd“, zusammen mit den Festungen Beaumaris, Caernarfon und Harlech.
  • Parken vor Ort: Es gibt einen großen und gut zugänglichen Parkplatz direkt außerhalb der Stadtmauern, aber dieser füllt sich im Sommer sehr schnell. Die Anreise mit dem Zug ist oft wesentlich entspannter, da sich der Bahnhof praktisch direkt neben der Burg befindet.