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Burg Corvin

Burg Corvin

📍 Hunedoara, Rumänien 📅 Gebaut im Jahr 1446

Das gotische Meisterwerk Transsilvaniens

Die Burg Corvin, die sich majestätisch von einem Felsen über dem kleinen Fluss Zlaști in Hunedoara erhebt, ist ein Anblick, der unweigerlich Ehrfurcht gebietet. Mit ihren hoch aufragenden, spitzen Türmen, der beeindruckenden Zugbrücke, den verwinkelten Innenhöfen sowie unzähligen Fenstern und kunstvollen Balkonen ist sie der Inbegriff eines gotischen Märchenschlosses – wenn auch eines sehr düsteren und respekteinflößenden. Sie (auch bekannt als Burg Hunyadi oder Castelul Corvinilor) zählt zu den größten Burganlagen Europas und wird stolz zu den Sieben Wundern Rumäniens gerechnet. Im Gegensatz zum berühmteren Schloss Bran, das fälschlicherweise oft mit Dracula in Verbindung gebracht wird, jedoch nur eine schwache historische Verbindung dazu aufweist, atmet die Burg Corvin spürbar das schwere Gewicht der Geschichte und authentische mittelalterliche Macht.

Der Bau der Anlage begann im Jahr 1446 auf direkten Befehl von Johann Hunyadi (Iancu de Hunedoara), dem Woiwoden von Transsilvanien und einem brillanten militärischen Befehlshaber, der den Vormarsch der Osmanen nach Europa bei der Belagerung von Belgrad im Jahr 1456 entscheidend aufhielt. Er verwandelte einen bereits bestehenden Bergfried in eine wahrhaft majestätische Residenz und eine uneinnehmbare Festung. Die Burg diente in der Folgezeit als strategischer Knotenpunkt für die Verteidigung der Christenheit und als weithin sichtbares Symbol der wachsenden Macht der Familie Hunyadi. Nach Johanns Tod setzte sein Sohn, Matthias Corvinus (der später als einer der größten Könige Ungarns in die Geschichte eingehen sollte), die umfangreichen Erweiterungsarbeiten fort und fügte prächtige Renaissance-Elemente hinzu, welche die strengen gotischen Linien des ursprünglichen Baus elegant abmilderten.

Die Legende des Raben

Der Name der Burg leitet sich vom Familienwappen des Hauses Corvinus ab, das stolz einen Raben zeigt, der einen goldenen Ring in seinem Schnabel hält. Die faszinierende Legende besagt, dass Johann Hunyadi in Wahrheit der uneheliche Sohn von König Sigismund von Luxemburg war. Um das Kind und seine Mutter zu schützen, überreichte der König ihnen einen wertvollen goldenen Ring als eindeutiges Zeichen der Anerkennung. Eines Tages, während eines Picknicks in der Natur, stahl ein frecher Rabe diesen Ring dem jungen Knaben. Anstatt jedoch zu weinen oder in Panik zu geraten, griff Johann beherzt zu Pfeil und Bogen, schoss den Vogel mit beeindruckender Präzision ab und holte so den kostbaren Ring zurück. Tief beeindruckt von den außergewöhnlichen Fähigkeiten des Jungen und der Kühnheit des Vogels, beschloss der König, dass ebendieser Rabe mit dem Ring fortan das offizielle Symbol der Familie werden sollte. Der Name „Corvinus“ selbst stammt vom lateinischen Wort corvus ab, das schlichtweg Rabe bedeutet. Aufmerksame Besucher können dieses Wappen noch heute in Stein gemeißelt über den imposanten Torwegen und kunstvoll gemalt in den weiten Sälen der Burg entdecken – eine ständige Erinnerung an die königliche Abstammung der Familie.

Draculas Gefängnis?

Die Burg Corvin wird von zahlreichen Mythen umrankt und wird oft hartnäckig mit Vlad dem Pfähler in Verbindung gebracht, der historischen Inspiration für Bram Stokers berühmte Romanfigur Dracula. Es wird gemunkelt, dass Johann Hunyadi Vlad hier für sieben qualvolle Jahre einkerkern ließ, nachdem dieser im Jahr 1462 vom Thron der Walachei abgesetzt worden war. Einheimische behaupten steif und fest, dass Vlad während dieser langen Haft vollends in den Wahnsinn getrieben wurde und sein Geist sich zu dem grausamen, blutrünstigen Tyrannen verformte, als der er später berüchtigt wurde. Angeblich vertrieb er sich die Zeit damit, in seiner dunklen Zelle Ratten und Spinnen zu fangen und systematisch zu foltern, um seinen unersättlichen Blutdurst zu stillen. Während ernstzunehmende Historiker die historische Genauigkeit dieses Aufenthalts stark anzweifeln (Vlad war weitaus wahrscheinlicher in Visegrád, Ungarn, inhaftiert), hält sich die Legende hartnäckig am Leben und verleiht der ohnehin schon schaurigen Atmosphäre der Burg eine zusätzliche Schicht dunkler Vampir-Lore. Die feuchtkalten Verliese und die unheimlichen Folterkammern der Festung lassen diese gruselige Geschichte für die Fantasie eines jeden Besuchers zweifellos plausibel erscheinen.

Der Brunnen der Türken

Im großen Burghof befindet sich ein tiefer Brunnen, an den sich eine zutiefst tragische Geschichte knüpft. Die Legende erzählt, dass er unter enormen Anstrengungen von drei türkischen Gefangenen gegraben wurde, die von Johann Hunyadi im Kampf gefasst worden waren. Ihnen war feierlich die Freiheit versprochen worden, falls sie es schaffen sollten, Wasser in dem massiven Gestein zu finden. Ganze 15 Jahre lang gruben sie sich mühsam durch den soliden Fels, bis sie in einer Tiefe von 28 Metern endlich auf das lebensrettende Wasser stießen. Zu diesem Zeitpunkt war Johann Hunyadi jedoch bereits verstorben, und seine Witwe, Elisabeth Szilágyi, weigerte sich kategorisch, das gegebene Versprechen einzulösen. Statt ihnen die Freiheit zu schenken, ließ sie die Gefangenen gnadenlos enthaupten. Bevor sie jedoch ihren Tod fanden, ritzten sie in ihrer Verzweiflung eine letzte Botschaft in die Brunnenwand: „Ihr habt jetzt Wasser, aber ihr habt keine Seele.“ Diese Inschrift (in arabischer Schrift) existiert noch heute auf einer Säule nahe dem Brunnen, auch wenn moderne Wissenschaftler sie nüchterner als eine einfache Aufzeichnung des Gräbers übersetzen: „Derjenige, der diese Inschrift verfasst hat, ist Hasan, der als Sklave der Giauren in der Festung nahe der Kirche lebt.“

Architektur und Highlights

Die Architektur der Burg ist eine geradezu spektakuläre Mischung aus strenger Gotik und eleganter Renaissance. Der imposante Rittersaal wurde in Friedenszeiten für prächtige Festmähler und als Ort der Rechtsprechung genutzt, während der Diät-Saal vornehmlich feierlichen Zeremonien und wichtigen Zusammenkünften diente. Beide beeindruckenden Räume werden von einer majestätischen Reihe achteckiger Marmorsäulen unterteilt. Der Keulenturm, der Capistrano-Turm (benannt nach dem berühmten Franziskanermönch und Kreuzzugsprediger Johannes Capistranus) sowie der mächtige Neboisa-Turm (was auf Serbisch bezeichnenderweise „Fürchte dich nicht“ bedeutet) bilden wesentliche Bestandteile des formidablen und einst furchteinflößenden Verteidigungssystems.

Die berüchtigte Bärengrube wurde, wie der Name bereits unmissverständlich andeutet, genutzt, um lebende Bären zu halten – die gelegentlich grausam dazu verwendet wurden, um unliebsame Gefangene „zu entsorgen“ oder zur brutalen Unterhaltung der Burgherren. Die Galerie und der Nje Boisia-Turm sind durch einen atemberaubenden, hängenden Korridor miteinander verbunden, der mehr als 30 Meter lang ist und für die damalige Zeit eine absolut einzigartige ingenieurtechnische Leistung im Bereich der Militärarchitektur darstellte.

Der sogenannte Matthias-Flügel (oder Matei-Flügel) stellt die offensichtlichste und prächtigste Erweiterung der Burg im Stil der Renaissance dar. Erbaut vom visionären König Matthias Corvinus, besticht er durch eine wunderschöne offene Loggia mit Fresken, die in ganz Transsilvanien absolut einzigartig sind, da sie statt der üblichen religiösen Motive primär weltliche Szenen darstellen. Das obere Stockwerk beherbergt das sogenannte Goldene Zimmer, welches höchstwahrscheinlich als königliches Schlafgemach diente. Obwohl das ursprüngliche Blattgold längst der Zeit zum Opfer gefallen ist, bietet der Raum noch immer einen wahrlich majestätischen Ausblick über das weite Tal. Direkt daneben befindet sich die Damenkammer, in der die adligen Frauen des Schlosses lebten und wirkten. Archäologische Funde aus diesem Bereich, wie feinste Bronzeschmuckstücke und filigrane Nähnadeln, gewähren uns heute einen faszinierenden Einblick in das häusliche Leben, das trotz der ständigen militärischen Vorbereitungen im Hintergrund weiterging.

Das Innere der Burg wurde im Laufe der Jahre teilweise liebevoll restauriert, wobei antike Möbel aus der jeweiligen Epoche geschickt dazu beitragen, die authentische Atmosphäre des 15. Jahrhunderts wieder aufleben zu lassen. Die kleine, aber feine Kapelle mit ihren beeindruckenden gotischen Gewölben stellt zweifellos ein weiteres absolutes Highlight jedes Besuchs dar.

Besucherinformationen

Die Burg Corvin liegt heute etwas unwirklich inmitten der Industriestadt Hunedoara. Der optische Kontrast zwischen den rauchenden Fabrikschloten aus der kommunistischen Ära und der erhabenen mittelalterlichen Pracht der Burg ist absolut frappierend und einzigartig. Die Burg ist täglich für Besucher geöffnet, wobei die genauen Öffnungszeiten je nach Jahreszeit variieren. Im Laufe des Jahres ist sie zudem stolzer Gastgeber für mehrere große Mittelalter-Festivals, die mit authentischen Ritterturnieren, mitreißender mittelalterlicher Musik und spannenden Bogenschießwettbewerben aufwarten und so die alten steinernen Hallen für kurze Zeit wieder lautstark zum Leben erwecken.

Aufgrund ihrer unbestreitbar unheimlichen Atmosphäre diente die Burg Corvin bereits als beliebter Drehort für zahlreiche internationale Filme und erfolgreiche TV-Serien, darunter der Horrorfilm The Nun sowie diverse Adaptionen des Dracula-Stoffes. Sie gilt weithin als einer der am stärksten spukenden Orte in ganz Rumänien. Leidenschaftliche Geisterjäger besuchen die Festung regelmäßig, um hartnäckigen Berichten über seltsame Lichter und phantomhafte Mönchsgestalten in den langen, dunklen Korridoren auf den Grund zu gehen. Ob man nun an paranormale Phänomene glaubt oder nicht, die schiere Größe, die architektonische Wucht und die blutige Geschichte der Burg Corvin hinterlassen bei jedem Besucher unweigerlich einen tiefen, bleibenden Eindruck.