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Culzean Castle

Culzean Castle

📍 Maybole, Schottland 📅 Gebaut im Jahr 1792

Das schottische Juwel an der Küste von Ayrshire

Majestätisch auf einem dramatischen Klippenrand hoch über dem Firth of Clyde thronend, ist Culzean Castle (ausgesprochen Cull-ane) zweifellos einer der berühmtesten und gefeiertsten Schätze Schottlands. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine düstere mittelalterliche Festung, die für brutale Kriege und Belagerungen erbaut wurde, sondern um ein durch und durch romantisches architektonisches Meisterwerk, das in erster Linie zur Repräsentation und zum puren Vergnügen erschaffen wurde. Entworfen im späten 18. Jahrhundert von dem genialen Architekten Robert Adam für den 10. Earl of Cassillis, ist es ein „Schloss“ lediglich im Stil – im Grunde ein grandioses, herrschaftliches Landhaus, das sich geschickt in das dramatische Gewand von Zinnen und Türmen kleidet. Mit seinem weitläufigen, üppigen Anwesen, den exotischen Gärten und den atemberaubenden, weitschweifenden Ausblicken über das raue Meer bis hin zu den zerklüfteten Bergen der Isle of Arran, ist Culzean ein beeindruckendes Zeugnis für den enormen Reichtum, den erlesenen Geschmack und die großen Ambitionen der schottischen Aufklärung.

Weltweite Bekanntheit erlangte es auch unter dem Spitznamen „Das schottische Weiße Haus“ (Scottish White House) – eine Auszeichnung, die es seiner engen Verbindung mit dem US-General und späteren Präsidenten Dwight D. Eisenhower verdankt. Dies verleiht dem ohnehin schon faszinierenden aristokratischen Erbe des Schlosses eine zusätzliche, spannende Ebene der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Heute ist es das mit Abstand am meisten besuchte Anwesen des National Trust for Scotland und zieht Jahr für Jahr unzählige Besucher an, die wegen der brillanten Architektur, der herrlichen Natur und dem schieren visuellen Spektakel der dramatischen Küstenkulisse hierher strömen.

Die bewegte Geschichte der Kennedys von Carrick

Der dramatische Klippenstandort war bereits seit dem 14. Jahrhundert stark befestigt und beherbergte ursprünglich ein weitaus bescheideneres, aber wehrhaftes Turmhaus (Tower House), das dem mächtigen Kennedy-Clan gehörte. Die Kennedys waren de facto die unangefochtenen, teils sehr unbändigen Könige von Carrick und beherrschten diesen Teil Südwestschottlands jahrhundertelang mit eiserner Faust. Ein alter, bekannter schottischer Reim warnt davor: „Twixt Wigtown and the town of Ayr, Portpatrick and the Cruives of Cree, No man need think for to bide there, Unless he court with Kennedy.“ (Zwischen Wigtown und der Stadt Ayr... sollte kein Mann glauben, dort leben zu können, es sei denn, er ist gut Freund mit den Kennedys.)

Bis zum 18. Jahrhundert waren die wilden Tage der blutigen Clan-Fehden jedoch endgültig vorüber. David Kennedy, der 10. Earl of Cassillis, wünschte sich ein modernes, repräsentatives Zuhause, das seinen hohen Status als zivilisierter, weltgewandter Gentleman der Gesellschaft angemessen widerspiegelte. Im Jahr 1777 beauftragte er daher Robert Adam, den wohl berühmtesten und gefragtesten Architekten seiner Zeit, mit der kompletten Umgestaltung des alten Turms. Dieser gigantische Umbau dauerte volle 15 Jahre. Tragischerweise verstarb der Earl im selben Jahr, in dem sein Lebenswerk endlich fertiggestellt wurde, sodass er seine prachtvolle Schöpfung nie in vollen Zügen genießen konnte. Doch er hinterließ ein unvergängliches architektonisches Erbe aus Stein, das die Jahrhunderte überdauert hat.

Im Jahr 1945 übergab der 5. Marquess of Ailsa (so der spätere Titel der Kennedys) zusammen mit seiner Familie das Schloss an den National Trust for Scotland, um dessen dauerhaften Erhalt für die Öffentlichkeit zu sichern. Diese großzügige Schenkung war jedoch mit einer sehr speziellen Bedingung verknüpft: Das gesamte oberste Stockwerk sollte General Dwight D. Eisenhower als Zeichen der britischen Dankbarkeit für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg auf Lebenszeit zur persönlichen Nutzung überlassen werden.

Die Architektur: Adams unvergleichlicher "Castle Style"

Robert Adam war in erster Linie berühmt für seine äußerst eleganten, klassizistischen Innenräume. Auf Culzean jedoch experimentierte er äußerst erfolgreich mit seinem sogenannten „Castle Style“ (Schloss-Stil). Seine Vision war es, das Gebäude von außen durch und durch heroisch, wild und schroff wirken zu lassen, damit es perfekt mit der dramatischen Klippenlandschaft harmonierte, während es im Inneren von unübertroffener Eleganz, Helligkeit und Raffinesse geprägt sein sollte.

Die berühmte Ovale Treppe

Das absolute Herzstück und architektonische Meisterwerk des Schlosses ist die Ovale Treppe (Oval Staircase). Sie gilt unter Experten weithin als eine von Adams größten architektonischen Errungenschaften überhaupt. Die Treppe schwingt sich elegant durch das gesamte Zentrum des Hauses in die Höhe und wird dabei von einer gläsernen Kuppel (Kuppeloberlicht) mit natürlichem Licht durchflutet. Sie wird von einer harmonischen Kolonnade aus ionischen und korinthischen Säulen getragen, was ein äußerst dramatisches, fast schon theatralisches Raumgefühl erzeugt. Das Design war ganz klar darauf ausgelegt, hochrangige Gäste tief zu beeindrucken, während diese von der Eingangshalle zu den prachtvollen Empfangsräumen im ersten Stock emporstiegen.

Der Runde Salon (Round Drawing Room)

Ein weiteres absolutes Highlight ist der atemberaubende Runde Salon, der einen unvergleichlichen 180-Grad-Panoramablick über das offene Meer bietet. Der aufwendige Teppich in diesem Raum ist eine exakte Reproduktion von Adams Originaldesign und spiegelt perfekt das Muster der kunstvollen Stuckdecke wider. Der Salon ist ein Musterbeispiel für Adams Philosophie des „Totalen Designs“ (Gesamtkunstwerk), bei dem wirklich jedes noch so kleine Detail – von den filigranen Türgriffen bis hin zu den speziell angefertigten Möbeln – perfekt aufeinander abgestimmt war. Wenn man in diesem Raum steht, hat man das Gefühl, direkt über dem Ozean zu schweben, was eine perfekte Verbindung zwischen dem hochzivilisierten Interieur und der wilden, ungezähmten Natur draußen schafft.

Die historischen Küchen

Die Küchenanlagen des Schlosses sind riesig, hervorragend ausgestattet und veranschaulichen eindrucksvoll den geradezu industriellen Maßstab, der erforderlich war, um einen hochadeligen Haushalt im 19. Jahrhundert zu verpflegen. Besucher können die massiven Herde, das glänzende Kupfergeschirr und die vielen spezialisierten Räume wie die Backstube, die Spülküche und die kühlen Vorratskammern besichtigen. Dieser Bereich bietet eine faszinierende Perspektive auf das geschäftige Leben „Downstairs“ (beim Personal), das in starkem Kontrast zum entspannten Luxus der Herrschaften „Upstairs“ stand.

Das Eisenhower-Apartment

Ganz oben im Schloss befindet sich das berühmte Eisenhower-Apartment. General Eisenhower besuchte Culzean erstmals im Jahr 1946 und kehrte später mehrmals dorthin zurück, auch während seiner Zeit als Präsident der Vereinigten Staaten. Er beschrieb das Schloss oft als seinen persönlichen Zufluchtsort, an dem er sich „entspannen und frei atmen“ konnte. Das Apartment beherbergt noch heute seinen originalen Schreibtisch, persönliche Briefe und verschiedene Erinnerungsstücke. Es ist jedoch nicht einfach nur ein steriles Museum; das Apartment wird heute tatsächlich als exklusives Hotel betrieben, sodass Gäste die einzigartige Möglichkeit haben, in genau den Räumen zu übernachten, in denen „Ike“ einst Pläne schmiedete und sich vom Weltgeschehen erholte.

Das riesige Anwesen und die prachtvollen Gärten

Culzean ist von einem sagenhaften, 260 Hektar großen Landschaftspark (Country Park) umgeben, der bei seiner Gründung der erste seiner Art in ganz Schottland war. Die umgebende Landschaft ist dabei ebenso abwechslungsreich und durchdacht wie die Architektur des Schlosses. Es gibt einen malerischen Schwanenteich, einen großen Wildpark (Heimat einer Herde von schottischen Rothirschen sowie Lamas) und viele Meilen an zauberhaften Waldwegen. Der Ummauerte Garten (Walled Garden) ist eine gärtnerische Meisterleistung, aufgeteilt in einen prachtvollen Lustgarten und einen hochproduktiven Küchengarten, der noch heute das Teehaus des Schlosses mit frischen Zutaten versorgt.

Unten am Strand, direkt unterhalb der Klippen des Schlosses, befinden sich die historischen Gebäude des Gaswerks (heute ein kleines Museum). Diese produzierten einst aus Kohle das notwendige Gas, um das gesamte Schloss zu beleuchten – ein extrem frühes und bemerkenswertes Beispiel für den Einsatz industrieller Technologie auf einem privaten Landsitz. Das Kamelienhaus, ein elegantes historisches Gewächshaus aus dem frühen 19. Jahrhundert, ist ein weiteres funkelndes Juwel des Anwesens, das besonders im Frühling mit seltenen, exotischen Blüten gefüllt ist.

Geheimnisvolle Legenden: Der Dudelsackpfeifer von Culzean

Ein Ort, der auf eine so lange und blutige Geschichte als Hochburg des Kennedy-Clans zurückblickt, ist unweigerlich mit Gespenstergeschichten verbunden. Der berühmteste Geist des Schlosses ist der Dudelsackpfeifer von Culzean (Piper of Culzean). Die alte Legende besagt, dass ein Dudelsackpfeifer zusammen mit seinem treuen Hund in die tiefen Höhlen unterhalb des Schlosses geschickt wurde, um zu beweisen, dass diese nicht verflucht seien. Man konnte das unverkennbare Spiel seines Dudelsacks hören, während er sich tief unter der Erde seinen Weg bahnte – bis der Klang genau unter dem Schloss plötzlich und abrupt abbrach. Der Pfeifer wurde nie wieder gesehen. Man erzählt sich bis heute, dass man in besonders stürmischen Nächten, oder wenn ein Mitglied der Kennedy-Familie kurz davor steht zu heiraten, den melancholischen Klang von Dudelsäcken hören kann, der aus den Klippen aufsteigt und sich gespenstisch mit dem Heulen des Windes vermischt.

Eine weitere bekannte Spukgeschichte dreht sich um eine sogenannte „Weiße Dame“. Es wird weithin angenommen, dass es sich dabei um den Geist eines ehemaligen Dienstmädchens handelt, das von einem der Earls grausam misshandelt wurde und nun ruhelos die Hintertreppen der Bediensteten auf und ab wandert.

Wichtige Besucherinformationen

Anreise nach Culzean

Culzean Castle liegt in der Nähe der Ortschaft Maybole in South Ayrshire, etwa 19 Kilometer südlich der Küstenstadt Ayr und rund 80 Kilometer südwestlich von Glasgow. Die Anreise ist am einfachsten mit dem eigenen Auto über die Straße A77. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist zwar möglich, aber etwas umständlich; ein Bus fährt von Ayr bis zu den Haupttoren des Anwesens, von wo aus jedoch noch ein längerer Spaziergang bis zum eigentlichen Schlossgebäude bewältigt werden muss.

Einrichtungen, Zugänglichkeit und Tipps

Das Schlossgebäude und der weitläufige Park sind ganzjährig täglich geöffnet, wobei die Öffnungszeiten in den Wintermonaten entsprechend verkürzt sind. Auf dem Gelände gibt es ein sehr großes, modern ausgestattetes Besucherzentrum, ein exzellentes Restaurant (das Fo'c'sle) sowie einen gut sortierten Souvenirladen. Der Landschaftspark ist enorm groß, daher wird bequemes und festes Schuhwerk für ausgedehnte Spaziergänge dringend empfohlen. Während die Hauptgeschosse des Schlosses barrierefrei zugänglich sind (ein Aufzug ist vorhanden), können einige der äußeren Wege entlang der Klippen recht steil und uneben sein. Familien mit Kindern werden die speziell angelegten Spielbereiche „Adventure Cove“ und „Wild Woodland“ lieben, die zu den besten und einfallsreichsten Abenteuerspielplätzen in ganz Schottland zählen.