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Schloss Drottningholm

Schloss Drottningholm

📍 Drottningholm, Schweden 📅 Gebaut im Jahr 1662

Das Versailles des Nordens

Das prachtvolle Schloss Drottningholm (Drottningholms slott) fungiert als ständiger, privater Wohnsitz der schwedischen Königsfamilie. Malerisch gelegen auf der Insel Lovön im glitzernden Mälarsee (Lake Mälaren), nur knapp 10 Kilometer westlich des pulsierenden Stadtzentrums von Stockholm, gilt es unbestritten als das feinste, am besten erhaltene Beispiel einer nordeuropäischen königlichen Residenz aus dem 18. Jahrhundert, die stark vom französischen Schloss Versailles inspiriert wurde. Im Jahr 1991 wurde Drottningholm als allererste schwedische Stätte überhaupt in die prestigeträchtige UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Diese hohe Auszeichnung würdigt den außergewöhnlichen Erhaltungszustand des gesamten, historischen Ensembles: das prächtige Schloss selbst, das historische Schlosstheater, der exotische Chinesische Pavillon und die weitläufigen, symmetrischen Palastgärten.

Der Name Drottningholm bedeutet wörtlich übersetzt „Königinneninsel“. Der heutige Palast wurde im eleganten Stil des französischen Barock von dem gefeierten und visionären Architekten Nicodemus Tessin dem Älteren im Auftrag der mächtigen Königin Hedwig Eleonora im Jahr 1662 entworfen und erbaut. Das Bauwerk repräsentiert eindrucksvoll Schwedens sogenannte „Großmachtzeit“ (Stormaktstiden), eine goldene historische Epoche, in der das Schwedische Reich zu den dominierenden und einflussreichsten politischen und militärischen Mächten in ganz Europa zählte. Seit 1981 leben König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia dauerhaft im abgetrennten südlichen Flügel der Anlage, während der weitaus größte Teil des restlichen Schlosses das ganze Jahr über für die breite Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Die Prunkgemächer (The State Apartments)

Ein Spaziergang durch die opulenten Prunkgemächer des Schlosses gleicht einer faszinierenden Zeitreise durch die schwedische Geschichte und die rasante künstlerische Entwicklung jener Epochen. Die prächtigen Innenräume spiegeln dabei ganz besonders deutlich den persönlichen Geschmack der verschiedenen mächtigen Königinnen wider, die hier im Laufe der Jahrhunderte lebten und herrschten.

  • Das Treppenhaus (The Staircase Hall): Dieses von Tessin meisterhaft entworfene, absolut grandiose barocke Entrée besticht durch atemberaubende Trompe-l’œil-Malereien des Künstlers Johan Sylvius. Diese optischen Täuschungen imitieren täuschend echt dreidimensionale Marmorstatuen und filigrane Balustraden und erschaffen so die perfekte Illusion eines unendlichen Raumes. Es wurde ganz gezielt entworfen, um ausländische Botschafter und hochrangige Gäste beim Eintreten sofort mit dem enormen Reichtum und der Macht Schwedens zu überwältigen.
  • Hedwig Eleonoras Staatsschlafzimmer: Dies war das unbestrittene Herzstück des Schlosses im 17. Jahrhundert. Dieser Raum wurde jedoch keineswegs zum Schlafen genutzt, sondern diente vielmehr für rein zeremonielle morgendliche Empfänge (sogenannte Levées). Es ist ein absolutes Meisterwerk schweren, fast schon erdrückenden barocken Luxus, randvoll mit maßgefertigten Möbeln aus tiefschwarzem Ebenholz, glänzendem Silber und feinstem Blattgold.
  • Lovisa Ulrikas Bibliothek: Als wunderbar erfrischender und bewusster Kontrast zum schweren Barock des restlichen Schlosses präsentiert sich dieser Raum (der in der Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen wurde) als ein helles, luftiges und überaus elegantes Juwel des Rokoko. Er fungierte als das unangefochtene intellektuelle Zentrum des Schlosses. Hier sammelte die gebildete Königin – die eine rege Briefkorrespondenz mit Voltaire unterhielt und als große Förderin der Wissenschaften galt – ihre wertvollsten Bücher und modernsten wissenschaftlichen Instrumente.

Die prunkvolle Schlosskirche

Die Königliche Schlosskirche (Slottskyrkan) ist ein weiteres architektonisches Meisterwerk, das genial direkt in den runden Nordturm des Palastes integriert wurde. In den 1720er Jahren von Nicodemus Tessin dem Jüngeren (dem Sohn des ursprünglichen Architekten) feierlich vollendet, wird sie erstaunlicherweise noch heute aktiv von der örtlichen Kirchengemeinde von Lovön sowie der königlichen Familie selbst genutzt. Sie ist der traditionelle Ort für königliche Taufen, einschließlich jener der Kinder der heutigen Kronprinzessin Victoria. Das Innere der Kirche ist schlichtweg atemberaubend dekoriert mit einer harmonischen Mischung aus edlem Marmor, leuchtendem Gold und hochkomplexen, filigranen Holzschnitzereien. Die historische Orgel, die im Jahr 1730 erbaut wurde, ist bis zum heutigen Tag voll einsatzfähig. Die Teilnahme an einem feierlichen Hochamt, das hier regelmäßig am letzten Sonntag eines jeden Monats stattfindet, ist eine wahrhaft einzigartige Möglichkeit, die lebendige, jahrhundertealte Geschichte des Palastes hautnah zu erleben.

Das historische Schlosstheater: Eine perfekt erhaltene Zeitkapsel

Das Schlosstheater Drottningholm (Slottsteater) ist in seiner Art weltweit absolut einzigartig. Es wurde 1766 speziell für Königin Lovisa Ulrika erbaut und ist heute das einzige Theater aus dem 18. Jahrhundert auf der ganzen Welt, das seine originale hölzerne Bühnenmaschinerie noch immer regelmäßig und voll funktionsfähig nutzt. Nach der tragischen Ermordung von König Gustav III. im Jahr 1792 (die sich kurioserweise in der Königlichen Oper in Stockholm ereignete), wurde das Theater auf Drottningholm aus Trauer komplett geschlossen und geriet für über ein ganzes Jahrhundert in völlige Vergessenheit. Diese lange Zeit der Vernachlässigung erwies sich jedoch im Nachhinein als ein unglaublicher Segen: Das Theater wurde deshalb niemals „modernisiert“, es wurden weder elektrische Lichter noch neue, metallene Bühnentechniken installiert.

Als das Theater in den 1920er Jahren wiederentdeckt wurde, befand es sich in einem geradezu wundersam perfekten Erhaltungszustand. Heute finden hier jeden Sommer hochkarätige Opernfestivals statt, bei denen ausschließlich die originale, jahrhundertealte hölzerne Maschinerie zum Einsatz kommt. Kräftige Bühnenarbeiter drehen dabei noch heute riesige Holzwinden (Spille), um die massiven seitlichen Bühnenbilder in Sekundenschnelle geräuschvoll ein- und auszufahren. Eine antike „Wellenmaschine“ (bemalte, sich drehende Korkenzieher) erzeugt täuschend echt eine raue See, ein „Donnerkasten“ (eine Holzkiste, in der große Steine poltern) simuliert bedrohliche Stürme, und ein „fliegender Stuhl“ an Seilzügen ermöglicht es Schauspielern, als Götter dramatisch aus den aufgemalten Wolken herabzuschweben. Der Zuschauerraum verfügt noch über seine komplett originalen Papiertapeten und die bemalten Holzbänke, welche sogar noch die originalen, handgeschriebenen Namensschilder tragen, die genau markierten, wo die Mitglieder des damaligen Hofstaates entsprechend ihrem genauen Rang zu sitzen hatten.

Der Chinesische Pavillon: Eine königliche Geburtstagsüberraschung

Versteckt im hintersten, ruhigsten Winkel des Schlossparks liegt der Chinesische Pavillon (Kina Slott), ein rosafarbenes und goldenes Lustschloss, das aussieht wie die Illustration aus einem asiatischen Märchenbuch. Die Entstehungsgeschichte dieses Gebäudes ist zutiefst romantisch: Es handelte sich um eine geheime Geburtstagsüberraschung für Königin Lovisa Ulrika im Jahr 1753. König Adolf Fredrik ließ den ursprünglichen Holzpavillon streng geheim in Stockholm anfertigen und in zerlegten Einzelteilen in der Nacht nach Drottningholm verschiffen. Am Abend ihres 33. Geburtstags wurde die Königin ahnungslos durch die dunklen Gärten geführt, nur um plötzlich diese exotische, beleuchtete Struktur zu entdecken. Dort erwartete sie ihr damals siebenjähriger Sohn (der spätere König Gustav III.), der stilecht als chinesischer Mandarin verkleidet war, um ihr feierlich auf einem Kissen die goldenen Schlüssel zu überreichen.

Das heutige Gebäude (welches das hölzerne Original im Jahr 1763 ersetzte) ist ein absolutes Meisterwerk der Chinoiserie – der damaligen, stark romantisierten europäischen Fantasie des chinesischen Stils. Im Inneren sind die Räume randvoll mit authentischem, wertvollem chinesischem Porzellan, feinster Seide und kunstvollen Lackarbeiten, die von der Schwedischen Ostindien-Kompanie teuer importiert wurden. Der mit Abstand berühmteste Raum des Pavillons ist das Confidence, ein privater Speisesaal, der sich in einem separaten, kleinen Seitenpavillon befindet. Er ist mit einem sogenannten table à l'anglaise ausgestattet – einem genialen Esstisch, der mechanisch durch eine Luke im Fußboden in die darunterliegende Küche hinabgelassen, dort vom Personal mit Speisen gedeckt und anschließend wieder hinaufgezogen werden konnte. Diese ausgeklügelte Mechanik ermöglichte es der königlichen Familie, völlig privat und ungestört (also „im Vertrauen“, in confidence) zu speisen, ohne dass neugierige Diener ihre oft heiklen politischen Diskussionen belauschen konnten.

Die Königlichen Gärten: Bronze und strenge Symmetrie

Der Palast ist majestätisch umgeben von zwei völlig unterschiedlichen Gartenstilen, die anschaulich die wechselvolle Geschichte der europäischen Landschaftsarchitektur erzählen:

  • Der Barockgarten: Dieser formale Garten, der bereits im 17. Jahrhundert von Tessin entworfen wurde, erstreckt sich direkt vor der Hauptfassade des Schlosses. Es ist ein strenges, perfektes geometrisches Raster aus exakt gestutzten Buchsbaumhecken, plätschernden Springbrunnen und breiten Kiesalleen, ganz offensichtlich nach dem großen Vorbild von Versailles. Bewacht wird er von einer Reihe wahrhaft großartiger Bronzeskulpturen des Künstlers Adriaen de Vries. Diese Statuen haben eine überaus dramatische militärische Vergangenheit: Sie wurden als wertvolle Kriegsbeute aus dem Wallenstein-Garten in Prag sowie vom dänischen Schloss Frederiksborg während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges geraubt. Sie dienen heute als sichtbare Symbole von Schwedens einstiger militärischer Dominanz in jener blutigen Epoche. (Die empfindlichen Originale befinden sich heute sicher im Museum De Vries, um sie vor Verwitterung zu schützen; die Skulpturen im Garten sind jedoch qualitativ extrem hochwertige Bronze-Kopien).
  • Der Englische Park: Nördlich des Barockgartens erstreckt sich eine riesige, sehr naturalistisch gestaltete Landschaft, die von König Gustav III. im späten 18. Jahrhundert angelegt wurde. Im starken Gegensatz zur starren, künstlichen Rigidität des Barockgartens zeichnet sich dieser englische Landschaftspark durch sanft geschwungene Wege, weite Rasenflächen, idyllische Teiche und lockere Baumhaine aus, die allesamt so arrangiert wurden, dass sie wie ein idealisiertes, romantisches Landschaftsgemälde wirken. Dieses Design spiegelt deutlich den tiefen philosophischen Wandel der Aufklärung hin zu mehr Natürlichkeit und reiner Sentimentalität wider.

Nützliche Besuchertipps

Drottningholm ist mit Abstand der beliebteste und meistbesuchte Tagesausflug von Stockholm aus.

  • Die Königliche Leibgarde: Da der Palast der offizielle Wohnsitz des schwedischen Königs ist, wird er streng von der Schwedischen Königlichen Leibgarde (Högvakten) bewacht. Die tägliche, feierliche Wachablösung hier ist zwar etwas kleiner dimensioniert als am Königlichen Schloss direkt im Zentrum Stockholms, aber atmosphärisch mindestens ebenso beeindruckend.
  • Anreise mit dem historischen Schiff: Die mit Abstand malerischste und schönste Art der Anreise ist eine Fahrt mit einem der historischen, kohlebefeuerten Dampfschiffe (wie der S/S Drottningholm), die direkt am Stockholmer Rathaus (Stadshuset) ablegen. Die etwa einstündige, entspannte Fahrt führt Sie durch die wunderschönen, inselreichen Gewässer des Mälarsees und bietet Ihnen bei der Ankunft genau denselben majestätischen ersten Blick auf das Schloss, den bereits die aristokratischen Besucher im 17. Jahrhundert genossen haben.
  • Die exklusive Theaterführung: Sie können das empfindliche Innere des historischen Schlosstheaters ausschließlich im Rahmen einer offiziell geführten Tour besichtigen. Diese hochbegehrten Touren sind in den Sommermonaten extrem schnell ausverkauft, es empfiehlt sich also dringend, Tickets weit im Voraus zu buchen. Es ist für viele Besucher das absolute Highlight des gesamten Anwesens.
  • Der romantische Weihnachtsmarkt: Im kalten Dezember wird im festlich beleuchteten Innenhof des Schlosses ein traditioneller, sehr stimmungsvoller Weihnachtsmarkt abgehalten, der sich fast ausschließlich auf hochwertiges, lokales schwedisches Kunsthandwerk und traditionelle kulinarische Spezialitäten konzentriert.