← Zurück zu den Burgen
Schloss Frederiksborg

Schloss Frederiksborg

📍 Hillerød, Dänemark 📅 Gebaut im Jahr 1600-1620

Das Versailles des Nordens

Wenn sich das majestätische Schloss Frederiksborg (Frederiksborg Slot) anmutig und elegant im ruhigen, dunklen Wasser des Slotssøen (Schlosssee) spiegelt, wird sofort klar: Dieses Bauwerk ist der wahrgewordene Traum einer schier grenzenlosen architektonischen Ambition. Gelegen in der beschaulichen Stadt Hillerød, nur eine kurze Fahrt nördlich der Hauptstadt Kopenhagen, gilt es unbestritten als das mit Abstand größte und prachtvollste Renaissance-Schloss in ganz Skandinavien. Mit seinen leuchtenden, kupfergedeckten Turmspitzen, den warmen, roten Backsteinmauern und den überaus reichen, kunstvollen Sandsteinverzierungen erhebt es sich geradezu magisch von drei kleinen Inseln und wirkt wie ein perfekter Märchenpalast. Doch Frederiksborg war und ist weit mehr als nur eine einfache, königliche Sommerresidenz; seit dem Jahr 1878 beherbergt es stolz das Dänische Nationalhistorische Museum (Det Nationalhistoriske Museum) und fungiert somit als der wichtigste und zentralste Hüter des kollektiven historischen Gedächtnisses der dänischen Nation. Ein Besuch hier gleicht einer faszinierenden, chronologischen Zeitreise durch über 500 Jahre bewegte Geschichte – geprägt von ehrgeizigen dänischen Königen, blutigen Kriegen, feiner Kunst und reicher Kultur.

Christian IV.: Der visionäre Baumeister-König

Zwar wurde die allererste, wesentlich kleinere Burg an exakt dieser Stelle bereits im Jahr 1560 von König Friedrich II. (daher auch der Name Frederiks-borg, die Burg Friedrichs) erbaut, doch das gigantische, architektonische Meisterwerk, das wir heute in seiner vollen Pracht bewundern können, ist fast ausschließlich das visionäre Lebenswerk seines berühmten Sohnes, König Christian IV. Dieser charismatische und unermüdliche Monarch ging als der große „Baumeister-König“ in die dänische Geschichte ein. Er war ein Mann von geradezu enormer, rastloser Energie und besaß die feste, strategische Vision, Dänemark zu einer der absolut führenden und mächtigsten politischen Mächte Europas zu formen. Zwischen den Jahren 1600 und 1620 ließ er daher kurzerhand den allergrößten Teil der alten väterlichen Burg abreißen, um Platz für einen völlig neuen, absolut extravaganten und gigantischen Renaissance-Palast zu schaffen, dessen erklärter architektonischer Anspruch es war, mit absolut jedem anderen großen Königshof in Europa auf Augenhöhe zu konkurrieren. Er selbst lebte hier viele Jahre lang mit seinem Hofstaat, und genau diese prunkvollen Mauern bildeten die perfekte, atemberaubende Kulisse für seine weithin legendären, überaus ausschweifenden höfischen Festivitäten und Bankette.

Die katastrophale Brandnacht und der patriotische Brauer

Über zwei lange Jahrhunderte hinweg stand das gewaltige Schloss unangefochten als das strahlende, ultimative Symbol uneingeschränkter, königlicher Macht. Doch in der eiskalten, dunklen Nacht des 16. Dezember 1859 schlug eine schreckliche Tragödie unbarmherzig zu. Der damalige König (Friedrich VII.) hatte arglos darum gebeten, ein wärmendes Feuer in einem alten Kamin entzünden zu lassen, der jedoch genau zu diesem Zeitpunkt gerade massiv repariert wurde. Das fatale Resultat war absolut katastrophal. Ein gigantisches, unkontrollierbares Feuer erfasste rasend schnell das gesamte Hauptgebäude, zerstörte das massive Dach völlig und brannte die einst so prunkvollen, historischen Innenräume komplett aus. Der prächtige Rittersaal (Great Hall) und leider auch der absolute Großteil der unersetzlichen, königlichen Kunstsammlungen fielen den wütenden Flammen für immer zum Opfer.

Das einstige Traumschloss wäre mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für immer als trostlose Ruine verblieben, hätte es nicht das beherzte und überaus großzügige Eingreifen von J.C. Jacobsen gegeben, dem steinreichen Gründer der weltberühmten Carlsberg-Brauerei. Als überzeugter und feuriger Patriot war Jacobsen der festen, unerschütterlichen Überzeugung, dass genau dieses Schloss von essenzieller, unverzichtbarer Bedeutung für die gesamte dänische nationale Identität sei. Er bot dem Königshaus kurzerhand an, den gigantischen und unfassbar teuren Wiederaufbau des Schlosses aus seinem eigenen Privatvermögen zu finanzieren – allerdings knüpfte er dies an eine sehr strikte und entscheidende Bedingung: Das Gebäude sollte künftig nicht mehr als rein privater, königlicher Wohnsitz dienen, sondern zwingend in ein großes, öffentliches Museum für die nationale Geschichte umgewandelt werden. Der König stimmte diesem einmaligen Angebot glücklicherweise zu. Das Schloss wurde daraufhin in jahrelanger, akribischer Detailarbeit originalgetreu und liebevoll restauriert, und das großartige neue Museum öffnete schließlich im Jahr 1878 feierlich seine Pforten – ganz bewusst konzeptionell angelehnt an das berühmte historische Vorbild des Château de Versailles in Frankreich.

Im Inneren des Nationalhistorischen Museums

Heute navigiert das exzellent kuratierte Museum seine Besucher auf eine überaus fesselnde, chronologische Reise durch die gesamte dänische Historie, von Raum zu Raum, von Epoche zu Epoche.

Die prunkvolle Schlosskirche (Slotskirken)

Wie durch ein absolutes, historisches Wunder wurde die prachtvolle Schlosskirche von dem verheerenden Brand im Jahr 1859 fast vollständig verschont. Sie ist schlichtweg atemberaubend und gilt als eines der wichtigsten Denkmäler Dänemarks. Das dunkle, mystische Innere ist eine regelrechte, visuelle Explosion an opulenten Renaissance-Dekorationen, ausgestattet mit extrem fein gearbeiteten Intarsien-Holzarbeiten (Einlegearbeiten), massiven, vergoldeten Stuckaturen und unzähligen, glänzenden Silberverzierungen. Von 1660 bis in das Jahr 1840 diente sie als die wichtigste und exklusive Krönungskirche für alle absoluten dänischen Monarchen. Heute ist sie weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt für ihre absolut einzigartige, vollständige Sammlung von bemalten Wappenschildern der elitären Ritter des Elefanten-Ordens und des Dannebrog-Ordens, welche die historischen Wände der Kirche lückenlos säumen.

Der mit Abstand größte und wertvollste musikalische Schatz der Kapelle ist jedoch die berühmte Compenius-Orgel, ein wahres Meisterwerk, das im Jahr 1610 von dem genialen Orgelbauer Esaias Compenius meisterhaft konstruiert wurde. Sie besteht in ihrem Inneren nahezu vollständig aus seltenem Holz (dies schließt sogar alle einzelnen Orgelpfeifen mit ein!) und ist äußerlich extrem aufwendig und kostbar mit feinstem Elfenbein und dunklem Ebenholz verziert. Sie befindet sich noch heute in einem absolut perfekten, makellosen und voll funktionsfähigen Zustand und wird traditionsgemäß jeden Donnerstag feierlich gespielt, wobei sie einen absolut einzigartigen, unverfälschten und authentischen musikalischen Klang der Renaissance erzeugt.

Der Rittersaal (Riddersalen)

Nach dem großen Feuer mit immensem handwerklichen Aufwand wieder in seiner ursprünglichen, atemberaubenden Pracht und Herrlichkeit rekonstruiert, liegt der gewaltige Rittersaal direkt über der Schlosskirche. Es ist ein enormer, weitschweifender Raum, der früher für opulente, königliche Bankette und rauschende Bälle genutzt wurde. Das absolute optische Highlight ist die extrem aufwendig geschnitzte, dunkle Holzdecke, die mit unzähligen, herabhängenden Ornamenten (Pendants) und filigranen Reliefs verziert ist. Die Wände des Saales sind zudem mit großen, farbenfrohen Wandteppichen behangen, die dramatische Schlüsselszenen aus dem historischen Kalmarkrieg darstellen, ergänzt durch lebensgroße Porträts der dänischen Königsfamilie.

Das barocke Audienzzimmer

Ein weiterer, äußerst glücklicher Überlebender der Brandkatastrophe ist das sogenannte Audienzzimmer (Audience Chamber), das in den 1680er Jahren prachtvoll eingerichtet wurde und heute als ein absolutes, unverfälschtes Meisterwerk des dänischen Barockstils gilt. Es besticht besonders durch eine große, zentrale Deckenkuppel, die mit komplexen, allegorischen Szenen bemalt ist. Ein weiteres, überaus faszinierendes und technikgeschichtliches Detail dieses Raumes ist ein genialer, historischer mechanischer 'Aufzug' (ein spezieller Esstisch, der komplett gedeckt aus der darunterliegenden Schlossküche nach oben gefahren werden konnte). Dieser erlaubte es dem König, völlig ungestört und privat zu speisen, ohne dabei durch die ständige, lauschende Anwesenheit von Dienern belästigt zu werden.

Die umfassende Porträtsammlung

Das Museum beherbergt stolz die landesweit größte und umfassendste Sammlung historischer und moderner Porträts. Von sehr strengen, dunklen und autoritären Gemälden mittelalterlicher Könige bis hin zu modernen, extrem farbenfrohen und popkulturellen Interpretationen der beliebten Königin Margrethe II. (darunter sogar Werke des legendären Pop-Art-Künstlers Andy Warhol!), zeichnet diese faszinierende Sammlung auf visuelle Weise das sich stetig wandelnde Gesicht der politischen Macht und der dänischen Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg nach.

Die edlen Ritterorden (The Orders of Chivalry)

Frederiksborg ist zudem die unbestrittene spirituelle Heimat der beiden wichtigsten und höchsten dänischen königlichen Ritterorden: dem Elefanten-Orden (Order of the Elephant) und dem Dannebrog-Orden. Der Elefanten-Orden ist die absolut höchste zivile und militärische Auszeichnung, die das Land Dänemark überhaupt zu vergeben hat, und er wird heutzutage normalerweise fast ausschließlich an hochrangige Royals und ausländische Staatsoberhäupter verliehen. Die alten Mauern der Schlosskapelle sind geradezu tapeziert mit Hunderten von individuell bemalten Wappenschildern der ernannten Ritter. Aufmerksame Besucher können hier bei genauerem Hinsehen die offiziellen Schilde von vielen weltberühmten, historischen Persönlichkeiten entdecken, wie zum Beispiel Nelson Mandela, Winston Churchill, Dwight D. Eisenhower und Charles de Gaulle. Es ist ein überaus faszinierendes, greifbares 'Who-is-Who' der jüngeren Weltgeschichte, das hier friedlich unter dem dänischen Kreuz vereint ist.

Die Schlossgärten: Strenge des Barock vs. Romantische Wildnis

Das vollständige Schlosserlebnis setzt sich nahtlos im Freien fort, in Form von zwei völlig unterschiedlichen, weitläufigen Gärten, die zwei absolut gegensätzliche, historische und landschaftsarchitektonische Philosophien eindrucksvoll repräsentieren.

Der symmetrische Barockgarten

Direkt im Norden des Schlosses erstreckt sich der extrem strenge, geometrisch perfekt symmetrische Barockgarten. Er wurde erst im Jahr 1996 in einem gigantischen Projekt extrem aufwendig, exakt basierend auf den ursprünglichen, historischen Originalplänen des Architekten J.C. Krieger aus dem Jahr 1725, wieder erschaffen. Er besticht durch vier stufenförmige, breite Wasserkaskaden, an denen das Wasser elegant herabrieselt, millimetergenau und perfekt in Form geschnittene Buchsbaumhecken, die gigantische, königliche Monogramme formen, sowie extrem gerade, schattige Alleen aus alten Lindenbäumen. Dieser Garten ist eine absolute, kompromisslose Feier der totalen Kontrolle des Menschen über die ungebändigte Natur. Die gewaltigen Monogramme, die aus dem Buchsbaum geschnitten sind, repräsentieren König Frederik IV. (der den Garten ursprünglich in Auftrag gab), Königin Margrethe II. (welche die moderne Restaurierung feierlich einweihte) und Prinzgemahl Henrik.

Der malerische Englische Landschaftsgarten

Östlich des Schlosses erstreckt sich hingegen der sogenannte Romantische Garten (Englischer Landschaftspark). Er wurde erst viel später, im 19. Jahrhundert, bewusst angelegt und präsentiert sich ganz im Gegenteil als sanft geschwungen, scheinbar wild und zutiefst naturalistisch. Er beheimatet immense, uralte Bäume, kleine, verträumte Seen und das überaus charmante, winzige Badstueslot (Badestuben-Schloss), ein kleines, fast verspieltes Miniatur-Schloss, das von den dänischen Königen einst für entspannte, intime Jagdessen und private, luxuriöse Spa-Aufenthalte genutzt wurde. Dieser weitläufige Garten repräsentiert das aufklärerische Ideal einer Natur, der es wieder ausdrücklich erlaubt ist, frei und üppig zu gedeihen – ein extrem starker, visueller Kontrast zu den völlig starren, künstlichen und unnachgiebigen Linien des barocken Gartenabschnitts.

Wichtige Besucherinformationen und Tipps

Schloss Frederiksborg ist erfreulicherweise das gesamte Jahr über täglich für Besucher geöffnet.

  • Anreise und Transport: Am einfachsten und schnellsten nehmen Sie den bequemen S-Zug (Linie A) direkt vom Kopenhagener Hauptbahnhof bis nach Hillerød (die Fahrtzeit beträgt ca. 40 entspannte Minuten). Vom dortigen Bahnhof aus können Sie entweder einen lokalen Bus nehmen, einen schönen Spaziergang durch die gemütliche Altstadt machen (ca. 15 Minuten) oder – was absolut am meisten zu empfehlen ist – die malerische, kleine historische Fähre nehmen, die idyllisch direkt über den Schlosssee segelt und Sie unmittelbar am Haupteingang absetzt. Diese kurze Bootsfahrt bietet zweifellos die mit Abstand allerschönste, spektakulärste und fotogenste Annäherung an das Schloss.
  • Tickets und Eintritt: Der reguläre Eintrittspreis beinhaltet bereits den vollständigen Zugang zum riesigen Museum, zur historischen Schlosskirche sowie zu allen jeweils laufenden, interessanten Sonderausstellungen. Die weitläufigen Schlossgärten sind hingegen völlig kostenlos zugänglich und bleiben in der Regel bis zum idyllischen Sonnenuntergang geöffnet.
  • Audioguide: Ein exzellenter, völlig kostenloser digitaler Audioguide steht zur Verfügung (vergessen Sie nicht, Ihr eigenes Smartphone und Kopfhörer mitzubringen!). Er kann ganz einfach und bequem über einen QR-Code direkt am Museumseingang heruntergeladen werden und bietet hervorragende, tiefgründige Kommentare zu allen wichtigen historischen Räumen und den bedeutendsten Gemälden.
  • Angebote für Kinder: Das Museum bemüht sich sehr um Familien und bietet besonders während der Schulferien eine spannende, interaktive „historische Schatzsuche“ (History Hunt) an sowie tolle, kindgerechte Verkleidungsaktivitäten im speziellen Kinderbereich.
  • Essen und Trinken: Das 'Spisestedet Leonora' ist ein hervorragendes, empfehlenswertes Restaurant, das idyllisch direkt am Rande des Schlosssees liegt. Es serviert köstliches, absolut traditionelles dänisches 'Smørrebrød' (üppig und kunstvoll belegte offene Sandwiches) garniert mit einem schlichtweg unschlagbaren Blick auf das Schloss.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das hier das berühmte Hamlet-Schloss?
Nein, bei dem Schloss aus Shakespeares Stück handelt es sich um Schloss Kronborg in Helsingør. Frederiksborg ist jedoch das andere ganz große, monumentale dänische Schloss – architektonisch wohl sogar noch deutlich schöner und prächtiger anzusehen, aber in der Weltliteratur schlichtweg weniger berühmt.
Kann man an diesem Ort auch heiraten?
Ja, das ist tatsächlich möglich! Die prächtige Schlosskirche ist nach wie vor eine regulär funktionierende Gemeindekirche, und es werden dort regelmäßig romantische Hochzeiten abgehalten.
Ist das Schloss für Rollstuhlfahrer zugänglich?
Ja, absolut. Für ein derart altes, historisches Schloss ist das Anwesen erstaunlich modern ausgestattet: Es gibt geräumige Aufzüge zu absolut allen Etagen des Museums sowie einen barrierefreien Zugang zur Schlosskirche.