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Der Großmeisterpalast (Grandmaster's Palace)

Der Großmeisterpalast (Grandmaster's Palace)

📍 Valletta, Malta 📅 Gebaut im Jahr 1571

Das absolute Herzstück des Ordens: Maltas unangefochtenes Machtzentrum

Majestätisch und unübersehbar im absoluten Zentrum der historischen Hauptstadt Valletta gelegen, fungierte der Großmeisterpalast (Grandmaster's Palace) über 450 lange, bewegte Jahre hinweg als das pulsierende, administrative und politische Herz der gesamten Insel Malta. Er war das strategische, stark befestigte und überaus prunkvolle Hauptquartier der mächtigen Ritter des Johanniterordens (oft auch schlicht Malteserorden genannt), eines elitären, religiösen und hochgradig militärischen Adelsordens, der die strategisch extrem wichtige Mittelmeerinsel von 1530 bis in das Jahr 1798 mit absoluter Souveränität regierte und prägte. Heute dient dieses gewaltige, historische Bauwerk nicht nur als das offizielle Amtssitz des amtierenden Präsidenten der Republik Malta, sondern beherbergt gleichzeitig auch ein faszinierendes, weitläufiges Museum, das die teils äußerst turbulente, blutige und heroische Geschichte dieses kleinen, aber ungemein wichtigen Inselstaates eindrucksvoll dokumentiert. Im starken, spürbaren Kontrast zu sehr vielen anderen großen, europäischen Palästen jener Epoche, die fast ausschließlich für höfisches Vergnügen, Kunst und dekadente Bälle konzipiert wurden, wurde genau dieser Palast ganz explizit für harte Männer erbaut, die in Personalunion ebenso fromme Mönche wie furchtlose, kampferprobte Krieger waren – sie galten als reiche Fürsten der katholischen Kirche und zugleich als die vordersten, entschlossensten Soldaten des Kreuzes im ständigen Kampf gegen das mächtige Osmanische Reich.

Der Palast zählte zu den allerersten, großen Gebäuden, die unmittelbar nach dem extrem traumatischen, aber siegreichen Ende der sogenannten Großen Belagerung von Malta (Great Siege) im Jahr 1565 in der völlig neu entworfenen Festungsstadt Valletta systematisch errichtet wurden. Seine nach außen hin überraschend einfache, strenge und abweisende Fassade aus hellem, maltesischem Kalkstein verbirgt auf geniale Weise die geradezu unvorstellbar luxuriösen, verschwenderisch ausgestatteten Innenräume. Diese architektonische Zweiteilung spiegelt auf geradezu perfekte, symbolische Weise die innewohnende, doppelte Natur und Philosophie der Ritter wider: Nach außen hin traten sie als überaus demütige, bescheidene und aufopferungsvolle Diener der Armen und Kranken in Erscheinung (denn sie begründeten sich einst als reiner Hospitalorden in Jerusalem), im sicheren Inneren ihrer Paläste jedoch lebten und residierten sie wie die reichsten, mächtigsten und einflussreichsten weltlichen Fürsten des gesamten europäischen Kontinents.

Die Prunkräume (State Rooms): Genau hier wurde Weltgeschichte geschrieben

Die sogenannten Prunkräume (State Rooms) des Palastes bildeten einst den exklusiven, hochpolitischen Rahmen, in dem die amtierenden Großmeister des Ordens feierlich hochrangige ausländische Gesandte und Botschafter aus ganz Europa empfingen. Genau hier, hinter diesen dicken Mauern, wurden jene weitreichenden, oft kriegsentscheidenden Beschlüsse gefasst, die über Jahrhunderte hinweg das geopolitische Schicksal des gesamten Mittelmeerraums maßgeblich formten und bestimmten. Der mit Abstand beeindruckendste und historisch bedeutendste dieser Säle ist der gewaltige Thronsaal (Throne Room), der in der Vergangenheit passenderweise als der Saal des Obersten Rates (Supreme Council Hall) bekannt war. Die extrem hohen Wände dieses enormen Raumes sind vollständig von einem atemberaubenden, umlaufenden und unglaublich detailreichen Freskenzyklus gesäumt, der aus exakt 12 großformatigen Einzelgemälden besteht. Erschaffen wurden diese Meisterwerke von dem brillanten Künstler Matteo Perez d'Aleccio, der niemand Geringeres als ein direkter Schüler des legendären Michelangelo war. Diese Wandgemälde dokumentieren die dramatischen Ereignisse der Großen Belagerung von 1565 in einer beispiellos lebendigen, fast schon fotografischen Detailtreue. Diese Fresken sind keineswegs bloße, glorifizierende Dekoration; sie fungieren vielmehr als ein authentischer, historisch unschätzbar wertvoller visueller Bericht über den mit Abstand größten militärischen Sieg des Ordens gegen die eigentlich völlig erdrückende Übermacht des Osmanischen Reiches, und sie wurden von einem Künstler gemalt, der für seine Entwürfe systematisch die tatsächlichen Veteranen und Augenzeugen der brutalen Schlachten akribisch befragte. Wenn man diese Kunstwerke heute genau betrachtet, kann man die exakte, taktische Aufstellung der riesigen Kriegsflotten, die winzigen, verzweifelten Breschen in den zerschossenen Festungsmauern und den blutigen, extrem brutalen Nahkampf Mann gegen Mann fast schon physisch spüren.

Ein weiteres, absolut herausragendes architektonisches Highlight ist der prachtvolle Saal der Botschafter (Hall of the Ambassadors), der aufgrund seiner dominanten Farbgebung auch sehr oft schlicht als der 'Rote Saal' (Red Room) bezeichnet wird. Seine Wände sind komplett mit kostbarstem, schweren roten Seidendamast bespannt und präsentieren stolz eine Sammlung von großen, repräsentativen Porträts der einflussreichsten europäischen Monarchen jener Zeit (darunter unter anderem Katharina die Große von Russland sowie König Ludwig XVI. von Frankreich). Dieser Raum war einzig und allein darauf ausgelegt, Besucher zutiefst zu beeindrucken, ja fast schon einzuschüchtern. Er signalisierte unmissverständlich die weitreichenden, extrem mächtigen politischen Verbindungen des Ordens zu allen großen Höfen Europas und zementierte seinen anerkannten Status als völlig eigenständige, souveräne politische Einheit. Der angrenzende, sehr elegante Speisesaal (Dining Room) hingegen überrascht heutzutage viele Besucher mit einem prominent platzierten Porträt von Königin Elisabeth II., welches als sehr deutliche, historische Erinnerung an die noch gar nicht so lange zurückliegende Zeit Maltas als extrem wichtige strategische britische Kronkolonie dient. Der prächtige Fußboden in diesem Saal ist zudem vollständig mit hochkomplexem, überaus farbenfrohem und teurem eingelegtem Marmor bedeckt, der unzählige, kunstvoll ineinander verschlungene Wappen des ehrwürdigen Ordens darstellt.

Das weltberühmte Gobelin-Zimmer (Tapestry Chamber)

Die sogenannte Ratskammer (Council Chamber) beherbergt einen der allergrößten – und gleichzeitig fragilsten und empfindlichsten – Kunstschätze des gesamten Palastes: die weltberühmten, riesigen Gobelin-Wandteppiche. Dieses absolut vollständige, makellos erhaltene Set trägt den offiziellen, faszinierenden Titel Les Teintures des Indes (Die Wandbehänge der Indien/der Neuen Welt) und war ein extrem kostbares, sehr persönliches Geschenk des amtierenden Großmeisters Ramón Perellos in den sehr frühen Jahren des 18. Jahrhunderts. Diese atemberaubend feinen Webarbeiten zeigen extrem exotische, farbenprächtige Szenen einer damals noch weitgehend unbekannten Flora und Fauna aus der Neuen Welt – darunter detailreiche Darstellungen von großen Elefanten, Nashörnern, wilden Straußen und unglaublich fremdartigen, wuchernden tropischen Pflanzen. Diese fantastischen Motive basierten in der Regel auf den oft stark übertriebenen, mündlichen oder skizzierten Berichten früher europäischer Entdecker und Seefahrer, weshalb sie oft auch eine faszinierende Mischung aus Realität und purer Fantasie darstellen. Sie sind heutzutage von unschätzbarem Wert und unglaublich selten, da die originalen Zeichnungen (die sogenannten Kartons), die einst als Vorlage dienten, im Laufe der Zeit zerstört wurden, was exakt dieses vollständige Set weltweit absolut einzigartig macht. Um diese extrem kostbaren, Jahrhunderte alten und hochempfindlichen Seidenfarben vor dem schädlichen Verblassen durch Sonnenlicht zu schützen, wird der Raum bewusst in ständiger, tiefer Halbdunkelheit gehalten. Dank dieser rigorosen Schutzmaßnahme haben die Farben ihre bemerkenswerte Leuchtkraft über mehr als 300 Jahre hinweg erstaunlich gut bewahrt.

Die beeindruckende Palast-Waffenkammer (Palace Armoury)

Für unzählige Besucher – insbesondere für jene, die sich für Militärgeschichte begeistern – ist das absolute Highlight des gesamten Besuchs jedoch unzweifelhaft die gewaltige Palast-Waffenkammer (Palace Armoury). In ihren historischen Hochzeiten lagerte der hochgerüstete Orden hier tatsächlich genügend moderne Waffen und schwere Rüstungen, um buchstäblich innerhalb von nur wenigen Stunden Tausende von gut ausgebildeten Soldaten für eine Schlacht auszurüsten und sofort in den Kampf zu schicken. Obwohl ein sehr großer, schmerzhafter Teil der wertvollsten Stücke im Jahr 1798 von den plündernden, einmarschierenden Truppen Napoleons geraubt wurde (welche die Rüstungen rücksichtslos von fast allem Gold und Silber befreiten, um dieses gewinnbringend einzuschmelzen), ist die noch immer hier verbliebene, riesige Sammlung absolut von internationalem Weltrang. Sie gilt als eine der weltweit größten historischen Waffensammlungen ihrer Art, die sich noch immer exakt in ihrem originalen, historischen Gebäude befindet.

Hier kann der Besucher die faszinierende, rasante militärische Evolution der Kriegsführung über Jahrhunderte hinweg fast hautnah nachvollziehen – angefangen bei der extrem schweren, oft sehr unbeweglichen Plattenrüstung der klassischen mittelalterlichen Ritter, bis hin zu den deutlich leichteren, funktionaleren und vor allem kugelsicheren Brustpanzern des späteren 17. Jahrhunderts, die den ersten Feuerwaffen geschuldet waren. Die umfangreiche Sammlung umfasst darüber hinaus auch die sehr persönlichen, extrem kunstvoll und reich mit echtem Gold tauschierten Prunkrüstungen berühmter Großmeister wie beispielsweise Alof de Wignacourt, sowie – was besonders berührend ist – einen winzigen, vollständig funktionsfähigen und extrem aufwendig gefertigten Plattenpanzer, der einst ganz speziell für ein kleines Kind angefertigt wurde. Zudem gibt es hier eine extrem große, wertvolle Auswahl an erbeuteten osmanischen Waffen zu bestaunen, darunter hochgefährliche Reflexbögen, scharfe Krummsäbel (Scimitars) und die berühmten, furchteinflößenden "Sipahi"-Rüstungen. Diese Beutestücke veranschaulichen auf eindrucksvolle Weise die hochgradig interkulturelle, oft brutale Natur dieses jahrhundertelangen Konflikts im Mittelmeerraum. Die schiere, erdrückende Menge an massenhaft produzierter, standardisierter Munitionsrüstung für einfache Fußsoldaten, die hier scheinbar endlos an den Wänden hängt, dient als eine sehr stumme, aber extrem eindringliche Erinnerung an das absolut gigantische, industrielle Ausmaß der unzähligen, oft sehr blutigen Kriege, die genau von hier aus geführt und orchestriert wurden.

Die Innenhöfe (Courtyards): Ruhige, schattige Oasen der Besinnung

Der gesamte, riesige Palastkomplex ist architektonisch raffiniert um zwei sehr große, schattige Haupthöfe herum gebaut, welche an glühend heißen maltesischen Sommertagen eine extrem willkommene, erfrischende und dringend benötigte Abkühlung bieten. Der sogenannte Neptunhof (Neptune's Courtyard) hat seinen Namen von der großen, dominanten Bronzestatue des römischen Meeresgottes, die erhaben in seiner Mitte thront und über das sprudelnde Wasser wacht; eine hartnäckige, sehr amüsante lokale Legende besagt jedoch, dass es sich dabei ursprünglich eigentlich um eine Ehrenstatue des berühmten genuesischen Admirals Andrea Doria handelte, die von den pragmatischen Rittern später kurzerhand durch wenige Modifikationen zum Gott Neptun umfunktioniert wurde. Der zweite große Innenhof ist der Prinz-Alfred-Hof (Prince Alfred's Courtyard), der weit über die Grenzen des Palastes hinaus für seinen markanten, historischen Uhrenturm berühmt ist. Dieser hochkomplexe Turm, bekannt als die Pinto-Uhr (Pinto Clock), verfügt über gleich vier separate, detaillierte Zifferblätter. Diese zeigen nicht nur ganz profan die aktuelle Uhrzeit an, sondern zudem das genaue Datum, die exakte Phase des Mondes und sogar den aktuellen astronomischen Stand der Sonne am Himmel. Dieses Meisterwerk der Uhrmacherkunst war in den 1740er Jahren ein absolutes technologisches Wunderwerk seiner Zeit und stellte sicher, dass die streng gläubigen Ritter stets eine extrem genaue, verlässliche Zeitangabe für ihre obligatorischen, täglichen Gebete und ihre strikten militärischen Pflichten hatten.

Eine bis heute absolut lebendige, funktionierende Institution

Während bedeutende Teile des Palastes heute erfreulicherweise als öffentliches Museum fungieren, bleibt das Gebäude im Kern seiner Natur doch nach wie vor ein extrem wichtiges, voll funktionierendes Regierungsgebäude. Es ist daher keine Seltenheit, dass Besucher auf ihren Gängen plötzlich wichtig aussehende Staatsbeamte in dunklen Anzügen durch die langen, historischen Korridore eilen sehen, oder durch halb geöffnete Türen einen flüchtigen Blick auf die festlichen Vorbereitungen für einen wichtigen, offiziellen Staatsempfang erhaschen können. Exakt diese bemerkenswerte, ununterbrochene Kontinuität der Nutzung ist es, die den Großmeisterpalast so absolut besonders und einzigartig in der Welt macht. Er ist ganz sicher kein starres, versteinertes oder verstaubtes historisches Relikt; er ist auch heute noch das absolut pulsierende, unangefochtene Zentrum der Autorität und der politischen Macht im modernen Staat Malta – und das fast auf den Tag genau so, wie er es bereits war, als der allererste, symbolische Grundstein in der aufstrebenden neuen Hauptstadt im Jahr 1571 feierlich gelegt wurde.

Wichtige Besucherinformationen und praktische Tipps

Offizielle Öffnungszeiten

Die Prunkräume des Palastes (State Rooms) sowie die umfangreiche Waffenkammer (Armoury) sind in der Regel täglich von 09:00 Uhr morgens bis 17:00 Uhr am Nachmittag für die Öffentlichkeit zugänglich (wobei der allerletzte Einlass in das Gebäude strikt um 16:30 Uhr erfolgt). Es ist jedoch von äußerster Wichtigkeit zu beachten: Da es sich bei dem Gebäude primär um den offiziellen, arbeitenden Amtssitz des Präsidenten der Republik Malta handelt, können die Prunkräume gelegentlich und manchmal auch extrem kurzfristig ohne vorherige öffentliche Ankündigung aufgrund von unvorhergesehenen, wichtigen staatlichen oder protokollarischen Verpflichtungen für normale Touristen geschlossen werden. Die Waffenkammer im Erdgeschoss bleibt jedoch erfreulicherweise in fast allen Fällen auch dann für Besucher geöffnet, wenn die Prunkräume im oberen Stockwerk kurzfristig gesperrt werden müssen.

Anreise und zentrale Lage

Der Palast befindet sich absolut unübersehbar und extrem zentral gelegen direkt am imposanten St. George's Square (St.-Georgs-Platz), dem wichtigsten und größten Hauptplatz mitten im Herzen der Hauptstadt Valletta. Er ist in nur wenigen Gehminuten bequem vom großen Hauptstadttor (City Gate) und dem direkt angrenzenden, zentralen Busbahnhof zu erreichen. Die historische Innenstadt von Valletta ist prinzipiell extrem fußgängerfreundlich und nahezu komplett autofrei gestaltet, und der gigantische Palastkomplex selbst ist bei einem Spaziergang durch die geraden Straßen der Stadt ohnehin absolut unmöglich zu übersehen. Er ist zudem dicht umgeben von zahlreichen kleinen, charmanten Cafés, hervorragenden Restaurants und vielen Souvenirläden, was es extrem einfach und angenehm macht, einen Besuch dieses Wahrzeichens perfekt in einen ausgedehnten, entspannten Sightseeing-Tag in der Stadt zu integrieren.

Nützliche Tipps für Ihren Besuch

Ein überaus informativer und sehr gut gemachter Audioguide ist erfreulicherweise bereits fest im regulären Ticketpreis inbegriffen. Es wird absolut und ausdrücklich empfohlen, diesen auch tatsächlich intensiv zu nutzen, um die doch sehr komplexe, vielschichtige und teils sehr blutige Geschichte der Ritter und ihres Ordens wirklich in ihrer vollen Tiefe zu verstehen. Sie sollten für einen entspannten, informativen und nicht zu gehetzten Besuch des gesamten Komplexes mindestens 1,5 bis 2 volle Stunden einplanen. Bitte seien Sie zudem vorab darauf aufmerksam, dass aufgrund der recht hohen Sicherheitsvorkehrungen im Regierungsgebäude sehr große Taschen, schwere Rucksäcke oder voluminöses Gepäck obligatorisch und ohne Ausnahme an der bewachten Garderobe im Eingangsbereich abgegeben werden müssen, bevor Sie die Ausstellungsräume betreten dürfen.