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Burg Himeji

Burg Himeji

📍 Himeji, Japan 📅 Gebaut im Jahr 1333

Das Schloss des Weißen Reihers

Die **Burg Himeji** (Himeji-jo) gilt weithin als die spektakulärste Burg Japans. Im Gegensatz zu vielen anderen, die durch Krieg, Feuer oder Erdbeben zerstört wurden, steht Himeji als eine der zwölf ursprünglichen Burgen und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre strahlend weißen Putzwände und die elegante, vogelähnliche Silhouette haben ihr den Spitznamen **"Shirasagi-jo"** (Schloss des weißen Reihers) eingebracht.

Geschichte: Ein Überlebenskünstler

Die erste Befestigung wurde 1333 erbaut, aber der prächtige Komplex, den wir heute sehen, wurde 1609 von Ikeda Terumasa fertiggestellt. Wie durch ein Wunder hat die Burg über 400 Jahre intakt überlebt.

  • Die Meiji-Demontage: In den 1870er Jahren wurden viele japanische Burgen abgerissen. Himeji wurde für 23 Yen (heute etwa 20 Euro) an einen Mann versteigert, der sie als Schrott abreißen wollte. Zum Glück waren die Abrisskosten zu hoch, also ließ er sie stehen.
  • Zweiter Weltkrieg: Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt Himeji bombardiert und brannte nieder. Die Burg stand allein inmitten der Asche. Eine Brandbombe fiel tatsächlich auf das oberste Stockwerk des Hauptturms, explodierte aber nicht – ein Wunder, das den Schutzgeistern der Burg zugeschrieben wird.
  • Das große Hanshin-Erdbeben: 1995 ließ das verheerende Erdbeben, das Kobe zerstörte, die Burg Himeji unversehrt und bewies die Genialität ihrer seismischen Konstruktion.

Architektur: Schönheit und Verteidigung

Obwohl Himeji wunderschön aussieht, ist es eine tödliche Militärmaschine, die darauf ausgelegt ist, Angreifer zu verwirren und in die Falle zu locken.

Der weiße Putz

Die Wände der Burg sind mit einem weißen Putz aus Kalk, Muschelasche, Hanffasern und Seetang bedeckt. Dies diente nicht nur der Schönheit; der Putz ist feuerfest und schützt die Holzstruktur vor Brandpfeilen und Musketen.

Das Wegnetz

Der Weg zum Hauptturm ist ein verworrenes Netz von Wegen. Er windet sich in einer Spirale, mit Toren, die sich zurückdrehen, Sackgassen und steilen Hängen. Dies sollte Angreifer desorientieren. Verteidiger konnten von den **Sama** (Schießscharten) in den Wänden auf verwirrte Feinde herunterschießen. Es gibt 997 Schießscharten in verschiedenen Formen (Kreis, Dreieck, Quadrat) für Gewehre und Pfeile.

Die Geschichte von Prinzessin Sen (Senhime)

Himeji ist auch Schauplatz einer tragischen historischen Romanze um **Prinzessin Sen** (Senhime), die Enkelin von Tokugawa Ieyasu. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete sie Honda Tadatoki, den Herrn von Himeji. Sie lebte eine Zeit lang glücklich im Westlichen Bailey des Schlosses. Doch das Unglück schlug erneut zu, als ihr Sohn und kurz darauf ihr Mann starben. Eine trauernde Senhime wurde buddhistische Nonne. Der Kosmetikturm (Kessho-yagura) ist der Ort, an dem sie sich während ihrer Spaziergänge ausgeruht haben soll.

Legenden und Geistergeschichten

Himeji ist reich an Folklore. Eine der berühmtesten Geistergeschichten Japans, *Banchō Sarayashiki*, spielt hier. **Okiku** war eine Dienerin, die fälschlicherweise beschuldigt wurde, einen von zehn wertvollen Tellern verloren zu haben. Sie wurde in einen Brunnen im Schloss geworfen. Die Legende besagt, dass ihr Geist nachts aufsteigt und die Teller zählt: "Eins... zwei... drei..." und schreit, wenn sie merkt, dass der zehnte fehlt. Der Brunnen (Okiku-ido) ist noch immer auf dem Schlossgelände zu sehen.

Der Hauptturm (Tenshu)

Der Hauptturm ist 46 Meter hoch und scheint von außen fünf Stockwerke zu haben. Wie bei der Burg Matsumoto verbirgt er jedoch ein geheimes sechstes Stockwerk sowie ein Untergeschoss. Die massiven Holzsäulen, die die Konstruktion tragen, umfassen einen 26 Meter langen Zypressenstamm, der von den Bergen heruntergebracht wurde. Im obersten Stockwerk befindet sich ein kleiner Shinto-Schrein, zu dem die Burgbesitzer einst zum Gebet hinaufstiegen – eine seltene Verbindung von militärischer Macht und spiritueller Praxis.

Die neun Gärten von Koko-en

Direkt auf der anderen Seite des Burggrabens liegt der Koko-en-Garten, ein wunderschönes Ensemble aus neun einzelnen, ummauerten Gärten, die jeweils in einem anderen Edo-zeitlichen Stil gestaltet sind. Der Garten wurde 1992 auf dem Gelände der ehemaligen Samurai-Residenzen angelegt. Zu den Highlights gehören der Garten der Herrenresidenz mit einem Karpfenteich und einem Wasserfall, der Teegarten mit einem rustikalen Teehaus sowie der Bambusgarten mit 15 Bambussorten. Die Gärten werden häufig als Drehort für historische Dramen (Jidai-geki) genutzt. Ein Kombiticket für Burg und Garten ist stets empfehlenswert.

Der Stein der alten Witwe (Ubagaishi)

Eine rührende Legende besagt, dass Toyotomi Hideyoshi beim Bau der Burg keine Steine mehr hatte. Eine alte, arme Witwe hörte davon und spendete ihr Handmühlstein (ubagaishi). Von ihrer Opferbereitschaft bewegt, folgten ihr andere und schenkten ebenfalls Steine, sodass die Mauer vollendet werden konnte. Der runde Mühlstein ist noch heute in die Trockenmauer des Schlosses eingemauert und ein beliebtes Detail für aufmerksame Besucher.

Häufig gestellte Fragen

Wie komme ich nach Himeji?
Himeji liegt an der Sanyo-Shinkansen-Linie. Von Tokyo dauert die Fahrt etwa drei Stunden, von Kyoto eine Stunde und von Osaka nur 30 Minuten. Die Burg ist 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt.
Wie lange dauert der Besuch?
Planen Sie mindestens zwei Stunden für die Burg selbst und eine weitere Stunde für den Koko-en-Garten ein. In der Kirschblütenzeit (Anfang April) kann es deutlich länger dauern.
Gibt es einen Aufzug?
Nein. Als originalgetreues Gebäude aus dem 17. Jahrhundert und nationales Kulturgut kann kein Aufzug eingebaut werden. Die Burg ist über das Eingangstor hinaus nicht rollstuhlgerecht zugänglich.

Besuchertipps

Wie bei allen originalen japanischen Burgen müssen Sie die Schuhe ausziehen, um den Turm zu betreten. Die Holztreppen sind unglaublich steil, also tragen Sie bequeme Socken. Im Frühling ist Himeji einer der besten Orte in Japan für die Kirschblüte (Sakura), aber bereiten Sie sich auf riesige Menschenmassen vor. Laden Sie unbedingt die offizielle AR-App herunter, um zu sehen, wie die Burg in der Edo-Zeit aussah.

Himeji als Filmkulisse

Die Burg Himeji ist eine der beliebtesten Filmkulissen der Welt. Sie erschien in James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (1967), in der Titelsequenz von Shogun, in Kagemusha von Akira Kurosawa sowie in der Fernsehserie Shōgun (2024). Die beeindruckende weiße Silhouette der Burg vor blauem Himmel oder im Kirschblütenregen ist eines der ikonischsten Bilder Japans.

Häufig gestellte Fragen zur Burg Himeji

Was bedeutet der Name Himeji?
Der Name bedeutet wörtlich „Himeji-Schloss" auf Japanisch, wobei „hime" für „Prinzessin" oder „edle Frau" steht und „ji" für „Festung" oder „Burg". Der offizielle Name ist Himeji-jō, und der Beiname Shirasagi-jō bedeutet „Weißreiher-Burg".
Kann man die Burg bei Nacht besuchen?
Die Burg ist normalerweise nur tagsüber zugänglich. Allerdings wird sie abends illuminiert und ist vom Außengelände her sichtbar. An besonderen Feiertagen, insbesondere im Herbst und während der Kirschblüte, gibt es gelegentlich spezielle Nachtveranstaltungen mit Lichtinstallationen.
Was ist der Eintritt zur Burg?
Der Eintritt für Erwachsene beträgt etwa 1.000 Yen (ca. 6-7 Euro). Das Kombiticket mit dem Koko-en-Garten kostet etwa 1.050 Yen. Kinder unter 15 Jahren haben in der Regel freien Eintritt, und es gibt Ermäßigungen für Senioren.