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Burg Niedzica

Burg Niedzica

📍 Niedzica, Polen 📅 Gebaut im Jahr 1325

Der treue Wächter der Karpaten

Wie ein Adlerhorst erhebt sich die mächtige Burg Niedzica (die im allgemeinen Sprachgebrauch Polens auch häufig als Burg Dunajec bezeichnet wird) stolz und furchteinflößend auf einem steilen, robusten Kalksteinfelsen, der sich exakt 566 Meter über dem Meeresspiegel in den Himmel reckt. Von dieser strategisch optimalen Erhebung aus bietet die Festung einen der spektakulärsten, atemberaubendsten Panoramablicke in ganz Südpolen. Tief im Tal unterhalb der Burgmauern erstreckt sich die weite, im Sonnenlicht flimmernde, blaue Fläche des glasklaren Czorsztyn-Stausees. In der weiten, dunstigen Ferne zeichnen sich hingegen eindrucksvoll die schroffen, hochalpinen und schneebedeckten Gipfel der Tatra ab, die eine natürliche und gewaltige Barriere bilden. Viele Jahrhunderte lang repräsentierte dieses Bauwerk die absolut nördlichste und wichtigste Verteidigungsstellung des damaligen Königreichs Ungarn und hatte die zentrale Aufgabe, die immer wieder stark umkämpfte Grenzregion zu Polen, welche direkt entlang des Flusses Dunajec verlief, militärisch abzusichern. Blickt man heute auf die exakt gegenüberliegende Seite des weiten Gewässers, erkennt man unweigerlich die zerfallenen mittelalterlichen Ruinen der einst feindlichen polnischen Burg Czorsztyn. Wie zwei gut gepanzerte Rivalen starren sich die Anlagen noch immer an und erinnern als stumme Zeugen an eine Zeit heftiger historischer Konkurrenzkämpfe, die diese strategische Grenzregion so lange prägten. In der heutigen, deutlich friedlicheren Zeit ist Niedzica weit mehr als ein bloßes, verwittertes Relikt alter Grenzkriege; die Burg hat sich zu einem pulsierenden und lebendigen kulturellen Zentrum sowie einem faszinierenden Museum entwickelt. Darüber hinaus ist sie der Hauptschauplatz eines der wohl skurrilsten, merkwürdigsten und rätselhaftesten historischen Geheimnisse ganz Europas, welches tief im tragischen Schicksal des königlichen Inka-Adels wurzelt und jährlich Tausende von Touristen in seinen Bann zieht.

Niedzica dient Historikern als Paradebeispiel und architektonisches Lehrbuch für den klassischen Bau von Bergfestungen in Osteuropa. Die Besucher betreten glücklicherweise keine bloße Ruine, sondern wandern durch einen nahezu vollständig intakten und hervorragend konservierten Gesamtkomplex, der eine hochgotische sogenannte obere Burg und eine erst später hinzugefügte untere Burg im Stil der Renaissance umfasst. Es ist ein besonderer, mystischer Ort, an dem Geografie, Weltgeschichte und unsterbliche mythische Legenden zu einem hochinteressanten Erlebnis verschmelzen.

Eine tiefgründige Historie: Die ewig ungarische Festung auf polnischem Boden

Obwohl sich die Anlage zweifellos zu einem der geschätztesten und bedeutendsten nationalen Kulturgüter Polens entwickelt hat, liegen die Wurzeln von Niedzica tief im ungarischen Adel. Der langwierige Bau der ursprünglichen Kernfestung wurde etwa im Jahr 1325 durch Kokos von Brezovica in Auftrag gegeben, einen äußerst einflussreichen ungarischen Adligen. Die militärische Bestimmung des Bauwerks war klar definiert: Es diente als massiver Schutzwall für die nördliche ungarische Staatsgrenze und gewährleistete gleichzeitig die absolute Kontrolle über die damals extrem lukrativen und stark genutzten Handelsrouten, die sich ihren Weg durch das lange Tal des Flusses Dunajec bahnten. Angesichts dieser enormen geografischen und wirtschaftlichen Wichtigkeit verblieb die Burganlage für den deutlich größten Teil ihrer Existenz fest in der unangefochtenen Macht ungarischer Hände. Renommierte und unglaublich zahlungskräftige Adelsfamilien der Epoche – primär die Dynastien der Zápolyas, der Horváths und schließlich die Familie Salamon – erbten, erweiterten und beherrschten diese Ländereien. Die hohen Kalksteinmauern fungierten hierbei stets als unbestechlicher, standhafter Beobachter inmitten der stetig wechselnden und oft blutigen Gezeiten und radikalen Machtwechsel Zentraleuropas. Das massive Bollwerk hielt im Laufe des Mittelalters sowohl den verheerenden und wütenden Überfällen zügelloser Tatarenhorden stand, als auch – Jahrhunderte später – dem organisatorischen Chaos und den brutalen Schlachten während der unerbittlichen Napoleonischen Kriege.

Eine der ruhigsten, finanziell stabilsten und verhältnismäßig friedfertigsten Epochen konnte die Burg unter dem strengen, aber gerechten Patronat der Familie Salamon genießen. Diese einflussreiche Familie befand sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zum finalen Ende des Zweiten Weltkriegs im Besitz der Anlage. Während der dunkelsten Stunden des letzten großen globalen Konflikts diente das Schloss ununterbrochen als schützender Hauptwohnsitz der Salamons. Erst als das schwere Rumpeln der Panzer und die bedrohlich anrückende massive Front der sowjetischen Armee den Landstrich im bitterkalten Winter des Jahres 1945 unweigerlich erreichte, war die Adelsfamilie zur Aufgabe und zur überstürzten Flucht gezwungen. Infolge des plötzlichen Abzugs blieben Plünderungen des nun herrenlosen Anwesens durch marodierende Banden natürlich nicht aus, wodurch zahlreiche unbezahlbare Schätze, Gemälde und Antiquitäten für die Ewigkeit verloren gingen. Dennoch blieb das robuste Steingebäude als solches wie durch ein Wunder intakt und von schweren Artillerieschäden weitgehend verschont. Seit dem Jahr 1948 untersteht die Anlage der äußerst fachkundigen und sorgsamen Obhut der Vereinigung der Kunsthistoriker Polens. In mühevoller Detailarbeit wurde das Gemäuer vorbildlich restauriert und einem breiten internationalen Publikum zugänglich gemacht, um das überaus seltene und faszinierende ungarisch-polnische Kulturerbe dieser Gemäuer für kommende Generationen zu bewahren.

Die meisterhafte Architektur: Gotische Wehrtürme und der Luxus der Renaissance

Sobald man den Komplex tiefgehender erkundet, fällt rasch auf, dass die Anlage grundsätzlich in zwei architektonisch ganz klar zu unterscheidende Zonen separiert ist: die sogenannte Obere Burg und die Mittlere respektive Untere Burg. Diese Aufteilung spiegelt die unterschiedlichen Bauepochen der Burg wie auch ihren stetigen Wandel vom reinen funktionalen Wehrbauwerk hin zum repräsentativen, wohnlichen Adelswohnsitz exzellent wider.

Die Obere Burg

Die unzweifelhaft allerälteste Bauphase der Konstruktion ist die stark fragmentierte, aber dennoch dominante Obere Burg, welche kühn auf dem steilsten und höchsten Punkt des natürlichen Felsens ruht. Diese Sektion wurde radikal im sehr strengen und kompromisslosen gotischen Stil errichtet und ordnete seinerzeit absolut jeden erdenklichen Bauaspekt allein dem primären Ziel der brachialen Verteidigung unter. Folglich finden sich hier der massive, alles überragende Hauptturm, die karge Gefängniskapelle und die spartanisch und kühl anmutenden Wohnquartiere der mittelalterlichen Ritterschaft. Die Architektur zeigt sich dem Besucher in diesen Bereichen äußerst archaisch, trist und absolut furchteinflößend. Enorm dicke, fensterlose Bollwerke aus tiefem Kalkstein prägen das Bild – eine Bauweise, die speziell daraufhin konzipiert war, dauerhaft den verheerenden und wuchtigen Treffern schwerer mittelalterlicher Belagerungsmaschinerie wie gewaltigen Triböcken oder Rammböcken unbeschadet zu trotzen. Der Aufstieg über die glatten und steilen Treppen zur höchsten, dem Wind ausgesetzten Aussichtsterrasse erfordert durchaus ein wenig Kondition. Die Mühe belohnt jedoch reichhaltig: Ein wahrhaft grenzenloser, majestätischer Panoramablick über die weite Fläche der Talsperre, den Czorsztyn-See hinweg, direkt in die tiefen und geheimnisvollen Nadelwälder des Pieniny-Nationalparks eröffnet sich von dort. Erst wenn man an dieser hohen Zinne steht, wird einem die außerordentlich überkalkulierte, unbestrittene taktische Brillanz und immense strategische Relevanz dieser speziellen Lage völlig bewusst – wer diesen Punkt kontrollierte, beherrschte spielend leicht das logistisch bedeutsame Flusstal tief unter sich.

Die Untere Burg

Im starken und direkten Gegensatz dazu formte sich während des florierenden 16. und 17. Jahrhunderts allmählich die Untere Burg, basierend auf Plänen, die auf das Wohlbefinden und die Zurschaustellung von immensem Reichtum abzielten. Hier war das Hauptziel, das Anwesen wesentlich komfortabler und heller zu gestalten und dadurch den stetig heranwachsenden, enormen Reichtum und Status der feinen ungarischen Eigentümer offen zur Schau zu stellen. Zu den wesentlichen Elementen dieser deutlich späteren Erweiterung in der Unteren Burg zählen unter anderem elegant ornamentierte Renaissance-Innenhöfe, modifizierte, moderne Bastionen sowie sehr großzügig geschnittene, wohnliche Flügel. Heutzutage sind die herrschaftlichen „Kammern der Lehnsherren“ detailgetreu und mit großer Hingabe anhand historischer Inventarlisten penibel restauriert worden, um interessierten Besuchern exakt aufzuzeigen, welch hohen Lebensstandard der dortige Geldadel pflegte. Von fein geschnitztem, schwerem Mobiliar über antike Waffen und reich verzierte Ritterausrüstungen bis zu pompösen, ausladenden Jagdtrophäen aus den vergangenen vier Jahrhunderten wird hier ein authentischer Eindruck vermittelt. Die unbestrittene Perle dieser Räumlichkeiten ist jedoch der sogenannte Große Saal (die Sala Rycerska). Seine feingliedrige, aufwendige Holzkassettendecke sowie die ausgestellten historischen Exponate sind überaus faszinierend, weshalb dieses spezielle, herrliche Zimmer auch heute noch regelmäßig, etwa für offizielle Festbankette, wissenschaftliche akademische Konferenzen oder besondere Feierlichkeiten, gebucht und genutzt wird und somit eine Brücke in die pulsierende Gegenwart schlägt.

Ein unwahrscheinliches Geheimnis: Die atemberaubende Legende rund um den Inka-Schatz

Trotz all ihrer reichen europäischen und regionalen Historie ist der Hauptgrund für die globale, anhaltende Bekanntheit der Burg Niedzica jedoch tatsächlich eine mystische Legende, welche in ihrer Skurrilität und Abenteuerlichkeit so verwegen klingt, als sei sie direkt dem meisteingespielten Drehbuch eines actionreichen Hollywood-Blockbusters vom Schlage eines Indiana Jones entsprungen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts unternahm der bekannte, mutige ungarische Adlige und unermüdliche Abenteurer Sebastian Berzeviczy eine weite und damals höchst gefährliche Reise, die ihn buchstäblich bis ans andere Ende der Welt, nach Peru, führte. Laut den weitreichenden und populären Überlieferungen ehelichte der charmante europäische Aristokrat fernab seiner Heimat tatsächlich eine geborene Inka-Prinzessin (oft unter dem klingenden Namen Umina in den historischen Geschichtsbüchern erwähnt). Aus dieser unkonventionellen Verbindung ging sehr bald eine gemeinsame Tochter als legitime Erbin hervor. Doch das familiäre Glück wurde überschattet: Während der massiven und gewalttätigen lokalen und indigenen Aufstände gegen das ausbeuterische spanische Kolonialregime (insbesondere während des großen Túpac Amaru II-Aufstands) sah sich die adelige Familie akut in ihrer Existenz bedroht. Um das hochgradig wertvolle und gefährdete königliche Blut der direkten Inka-Blutlinie vor der finalen Auslöschung zu bewahren, sah sich Berzeviczy gezwungen, heimlich mit seiner Frau zurück in die vergleichsweise deutlich stabilere Umgebung Europas zu fliehen. Gerüchten und Überlieferungen zufolge trugen sie hierbei ebenfalls einen signifikanten Teil des unsagbaren, unendlichen inkaischen Reichtums und Familiengoldes mit sich heim.

Die Flüchtenden bezogen letzten Endes ihr neues Domizil im relativen Schutz von Niedzica. Jedoch hatten sie die Hartnäckigkeit ihrer Verfolger gnadenlos unterschätzt: Erbarmungslose spanische Auftragsmörder spürten sie bis in dieses ablegende Eckchen Polens auf. Aus diesem Grund wurde Umina schlussendlich 1797 im Innenhof genau dieser Burg hinterhältig und skrupellos erstochen. Es existiert die Theorie, sie habe sich geweigert, das gut gehütete, absolute Geheimnis um den genauen Ort des vergrabenen Schatzes preiszugeben. Um sein Überleben zu garantieren und ihn dem unnachgiebigen Visier der spanischen Krone zu entziehen, wurde ihr überlebender kleiner Sohn, Anton, kurzerhand offiziell adoptiert und an die ortsansässige und loyale bürgerliche Familie Benesz übergeben, sodass seine wahre Identität systematisch im Dunkel der Geschichte verschwinden konnte. Die anhaltende lokale Legende proklamiert weiterhin enthusiastisch, das sagenumwobene Gold der Inkas sei exakt hier – irgendwo verborgen auf den riesigen Ländereien, in den dunklen Gewölben oder Gärten der Festung – von der adeligen Familie eilig vergraben worden.

Das wirklich Verrückte und unglaublich Spannende an dieser Geschichte ist die Tatsache, dass sie eben keineswegs ausschließlich auf der vagen, wilden lokalen Folklore basiert, sondern tatsächlich auf einer handfesten Spur. Genau im Jahr 1946 entdeckte ein Mann namens Andrzej Benesz – der sich unverkennbar als direkter und rechtmäßiger Nachkomme jener adoptierenden Familie wähnte – eine sehr alte, stark korrodierte Röhre aus massivem Blei, die tief verborgen und eingemauert unterhalb einer unscheinbaren Steinstufe auf dem Areal des Schlosses verdeckt worden war. Im Inneren dieses metallenen Zylinders stieß er wundersamerweise auf ein sehr gut erhaltenes „Quipu“ – jenes altehrehrwürdige knotenbasierte und höchst komplexe südamerikanische Fadensystem, welches das hochentwickelte Volk der Inkas für jegliche systematische Aufzeichnung und Speicherung von wichtigen verschlüsselten Informationen verwendete. Schnell kamen wilde Vermutungen auf, dass es sich hierbei zweifelsohne um die genaue, codierte und verschlüsselte Landkarte handeln müsse, die direkt zu dem lange verborgenen Inka-Gold führt. Unglücklicherweise und absolut filmreif verschwand das authentische Quipu unter extrem dubiosen, mysteriösen und weitgehend ungeklärten Umständen beinahe sofort und spurlos, direkt nachdem es überhaupt an fachkundige akademische Historiker zur ordnungsgemäßen Entschlüsselung und tieferen Analyse verschickt wurde. Trotz intensiver logistischer Bemühungen moderner Technologie wurde der sagenumwobene Schatz bis hin zum allerheutigen Tag nicht aus dem Erdreich geborgen. Diese unglaubliche, wahre Faktenlage befeuert seither die absolute Faszination Tausender begeisterter Mystery-Fans, ambitionierter Archäologen und hobbymäßiger Schatzsucher, die jährlich motiviert an die Festungsmauern von Niedzica strömen.

Der tragische Geist: Die rastlose Weiße Dame

Untrennbar verwachsen mit der bereits dramatischen Inka-Legende ist auch der primäre, berühmt-berüchtigte Hausgeist des massiven Komplexes. Die geheimnisvolle „Weiße Dame“, die regelmäßig bei Einbruch tiefer Dämmerung und im kalten nächtlichen Mondlicht gesichtet wird und ewig um den ruhigen Innenhof sowie auf den langen, kalten, steilen gotischen Festungsmauern und Zinnen umherwandeln soll, gilt weithin unmissverständlich als die gepeinigte Seele und der suchende Geist eben jener schrecklich und feige ermordeten Inka-Prinzessin Umina. Es wird in lebendigen örtlichen Legenden berichtet, dass sie als sehr zarte, blasse Erscheinung in einem unendlich fließenden, schneeweißen Stoffkleid in das weitreichende Schlossreich eintritt, um ewiglich das heilige, lang vergrabene familiäre Geheimnis um das verlorene südamerikanische Ahnengold wachsam und rastlos zu hüten. Zahlreiche ehemalige Wachtposten, loyale Hausangestellte und Wachpersonal berichteten über den Verlauf vieler langer und stürmischer Jahrzehnte unabhängig voneinander immer und immer wieder von sehr seltsamen und unerklärlichen Erscheinungen unregelmäßiger lodernder Lichter und von plötzlich auftretenden, extrem unnatürlichen Temperaturstürzen in unmittelbarer, enger Umgebung zu ebendieser gotischen Schlosskapelle, in deren Nähe man die südamerikanische Dame in jener blutigen Nacht eilends begraben haben soll. Was diese spezielle Spukgeschichte wesentlich von vielen anderen europäischen Burghistorien unterscheidet, ist natürlich die klare Konnotation zu ihrem weiten und fast unvorstellbar exotischen südamerikanischen Erbe. Im krassen Gegensatz zu den vielen lokal geprägten Gespenstern herkömmlicher europäischer Burgen und tragischer Romanzen symbolisiert der traurige, ziellose Geist der verzweifelten Umina in Polen eine fast schon surreale, sehr starke und unwahrscheinliche kulturelle Bindung zu einem fernen, längst vollkommen untergegangenen gigantischen indigenen Überseeimperium und sorgt daher stets für ein besonders faszinierendes Element des Schauers.

Praktische Reiseinformationen für potenzielle Besucher

Lageplan und empfohlene Anreisemöglichkeiten

Das Schloss Niedzica befindet sich tief in der malerischen südlichen polnischen Verwaltungsregion Kleinpolen (bekannt als Malopolska), was in etwa einer circa zweistündigen und gemütlichen Autofahrt ab der historischen und kulturell reichen Metropole Krakau in südliche Richtung entspricht. Direkt am idyllischen, beschaulichen Gewässerufer des beliebten Czorsztyn-Sees erbaut, präsentiert sich die Anreise als lohnendes visuelles Erlebnis. Der mit großem Abstand und ohne Frage romantischste, spektakulärste und wohl allerschönste Weg, sich heutzutage dieser majestätischen Sehenswürdigkeit zu nähern, ist die Anreise per entspannter Bootsrundfahrt. Es ist absolut empfehlenswert, an Bord einer der Touristenbarken oder Holzboote zu steigen, die oft bei der angrenzenden mächtigen Ruine des Schlosses Czorsztyn auf der direkt gegenüberliegenden Uferseite ablegen. Insbesondere in der betriebsamen und sommerlichen Feriensaison werden diese Strecken regelmäßig und zuverlässig durch kleine Fährschiffe im echten „Gondel“-Stil zurückgelegt, was es den reisenden Touristen überhaupt erst ermöglicht, die immensen, massiven Steinprofile beider Burgen direkt vom Wasser und somit aus einer beeindruckenden, historischen „Feindesperspektive“ in voller Pracht zu bestaunen.

Museumskomplex und die altehrwürdige Kutschensammlung

Direkt unterhalb des großen Daches der weitläufigen Schlossanlage befindet sich heute ein extrem modern operierendes, erstklassig ausgestattetes und äußerst fundiertes geschichtliches Museum und Heimatforschungszentrum. In diesem kann der Gast zahlreiche gut sortierte, originalgetreue, historische Wohnräumlichkeiten begehen, tief in eine feuchte und bedrückende grausame mittelalterliche Folterkammer im eisigen untersten Verlies (welche nicht zuletzt und völlig verständlicherweise, als faszinierendster und unheimlichster Favorit unter den jungen Gästen und Kindern gilt) hinabsteigen oder detaillierte anthropologische und historische Sonderausstellungen bezüglich der generellen Entwicklung, Geschichte und Kulturgeografie der umliegenden polnischen und slowakischen Großregion Spisz in stundenlanger Lektüre erleben. Nur sehr leichten, buchstäblich fußläufig gelegenen Abstand zu den mächtigen, grauen Schutzmauern des Zentrums hält das große, weite Kutschenhaus (bekannt unter der Bezeichnung Wozownia). Dieser architektonische Nebenflügel dient primär als fantastische, groß angelegte und hochpolierte historische und themenübergreifende Ausstellung exzellent erhaltener antiker, durch kraftvolle Pferdestärken gezogener Reit- und Prunkfahrzeuge aus den florierenden Zeiten des späten 19. Jahrhunderts. Eine besonders hohe Ausstellungsdichte entfällt hierbei auf aufwendig verzierte, hölzerne Adelsschlitten und teure, handgeschnitzte edle Reisewagen, auf welche die hochrangige adelige Oberschicht während ihrer Reiseeskapaden stets angewiesen war.

Der große Staudamm und lokale Freizeitmöglichkeiten

Unmittelbar am Fuße und exakt angrenzend an die enormen Grundfestungen der Burg ragt die beeindruckend wuchtige Betonsilhouette der gigantischen Niedzica-Talsperre und des Dammes empor. Obwohl die massive Umsetzung dieses extrem dominanten ingenieurtechnischen und umstrukturierenden Meisterwerks in den 1990er Jahren aufgrund immenser potenzieller Schäden für das direkte Ökosystem im Allgemeinen sehr stark umstritten und heftig politisch diskutiert wurde, ist sie dennoch hauptverantwortlich für die künstliche Erschaffung jenes herrlichen, weiten Seebeckens, das nun die gotischen Felsen und Türme so makellos harmonisch widerspiegelt und die landschaftliche Ästhetik des Landstrichs perfekt umrahmt. Ein ruhiger kleiner und windiger Spaziergang über die exakte flache oberste Betonkante des langen Damms fungiert heute als unbestrittener Hauptanziehungspunkt für ambitionierte Fotografen, Hobbykünstler und Familien: Von diesem völlig unbehinderten und flachen Aussichtspunkt aus entstehen die wohl beeindruckendsten, ikonischsten Landschaftsaufnahmen und fantastischen Erinnerungsfotos. Die dicken Festungsmauern der großen Schlossanlage erheben sich direkt vor der Kameralinse wie ein Bollwerk der Vergangenheit, werfen eine majestätisch lange Reflexion in die spiegelglatte Talsperrenoberfläche und die rauen Berge im Hintergrund komplementieren dieses Panorama exzellent. Zudem können naturliebende Urlauber die direkte Umgebung rund um die weite Wasseroberfläche des idyllischen Sees im strahlenden Hochsommer intensiv an den eigens eingerichteten, geschützten und gut ausgebauten sandigen Randzonen sehr flexibel zum ausgelassenen Segeln, Baden oder für andere vergnügliche und erholsame Wasser- und Freizeitaktivitäten nutzen.

Kompakte praxisorientierte Tipps am Rande

Prinzipiell hat das weitläufig bewirtschaftete Innere des gesamten Burg- und Museenkomplexes über das gesamte Kalenderjahr und an allen Wochentagen in vollem Umfang seine großen Tore für Touristen geöffnet, jedoch sollten potenzielle Tagesgäste insbesondere bei extrem widrigen und kalten Witterungsbedingungen die vergleichsweise signifikant reduzierten Besucher- und Schließzeiten in den dunklen und harten Wintermonaten des Jahres im Blick behalten. Die Tatsache, dass das Schloss unweigerlich zu den begehrtesten Touristenhotspots und beliebtesten inländischen Ferienzielen in Südpolen aufgestiegen ist, führt in der ohnehin stark frequentierten sommerlichen Urlaubsphase sowie generell bedingt an örtlichen offiziellen polnischen Feiertagen oftmals zu einem großen Touristenandrang, langen Wartezeiten an den Kassenschaltern oder Engpässen. Eine pünktliche Anreise direkt am späten Vormittag sichert oftmals ein wesentlich stressfreieres Urlaubserlebnis am Bauwerk und man weicht den Besuchermassen in der Regel exzellent aus. Ferner wird seitens erfahrener Besucher grundsätzlich angeraten, nicht auf sehr solides und überaus bequemes Schuhwerk bei der Besichtigung zu verzichten. Die enorm steile topografische Beschaffenheit des Burgberges und nicht zuletzt die zahlreichen, stark verwitterten und zum Teil sehr unebenen steinernen Auf- und Abgänge sowie engen Zinnen und Gänge könnten andernfalls bei Regen oder Feuchtigkeit eine gewisse Stolpergefahr bergen.