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Arundel Castle

Arundel Castle

📍 Arundel, West Sussex, England 📅 Gebaut im Jahr 1067

Eine Festung des englischen Hochadels

Arundel Castle ist ein wahrhaft majestätisches, aufwendig restauriertes mittelalterliches Schloss und zugleich ein prunkvoller Herrensitz (Stately Home) in der malerischen Grafschaft West Sussex im Süden Englands. Seit über 850 Jahren dient dieses monumentale Bauwerk ununterbrochen als stolzer Stammsitz der mächtigen Herzöge von Norfolk (Dukes of Norfolk) und ihrer illustren Vorfahren. Hoch auf einem strategisch wichtigen Hügel thronend, dominiert die Festung das gesamte umliegende Flusstal und bietet Besuchern atemberaubende, weite Panoramablicke über die sanften Hügel der South Downs und den sich windenden Fluss Arun. Im krassen Gegensatz zu vielen anderen britischen Burgen, die heute nur noch als romantische Ruinen existieren, ist Arundel ein lebendiges, noch immer bewohntes Familienheim. Es verbindet auf faszinierende Weise massive, abweisende mittelalterliche Festungsarchitektur mit der romantischen, luxuriösen Erhabenheit der viktorianischen Neugotik.

Eine Chronik von Herzögen und Grafen

Die steinerne Geschichte des Schlosses begann am Weihnachtstag des Jahres 1067, als die Festung von Roger de Montgomery, einem der engsten und vertrautesten Berater von Wilhelm dem Eroberer, gegründet wurde. Der ursprüngliche, primäre Zweck der wehrhaften Anlage bestand schlicht darin, das strategisch wichtige Flusstal vor feindlichen Invasionen vom Ärmelkanal aus zu schützen. Seit diesen rauen Anfangstagen ist das Schloss durch die Hände mehrerer der einflussreichsten und mächtigsten Familien des Landes gegangen, bis es schließlich endgültig in den Besitz der Familie Howard, der heutigen Herzöge von Norfolk, überging.

Die Herzöge von Norfolk nehmen eine absolut einzigartige Position im britischen Adelssystem ein. Sie sind die sogenannten "Premier Dukes" (die ranghöchsten Herzöge) von England und bekleiden zudem das äußerst prestigeträchtige erbliche Staatsamt des Earl Marshal. In dieser hochrangigen Funktion sind sie bis zum heutigen Tag persönlich verantwortlich für die minutiöse Organisation der wichtigsten und feierlichsten Staatsanlässe des Landes, darunter die feierlichen Krönungszeremonien der britischen Monarchen in der Westminster Abbey sowie die jährliche, prunkvolle feierliche Eröffnung des Parlaments (State Opening of Parliament). Dieser extrem hohe soziale und politische Status hat die Familie Howard über viele Jahrhunderte hinweg unweigerlich ins absolute Zentrum der turbulenten englischen Geschichte gerückt – was oft nicht ohne erhebliche und manchmal tödliche Risiken verbunden war.

Zerstörung im Englischen Bürgerkrieg

Während der extrem blutigen und brutalen Jahre des Englischen Bürgerkriegs (1642–1651) erlitt das stolze Schloss katastrophale Schäden. Die Festung wechselte mehrfach dramatisch den Besitzer: Zunächst wurde sie von den royalistischen Truppen (den Anhängern des Königs) gehalten, dann gewaltsam von den Parlamentariern (den Anhängern von Oliver Cromwell) erobert, wenig später von den Royalisten in einem Überraschungsangriff zurückerobert, und schließlich erneut und endgültig von den parlamentarischen Truppen unter dem Kommando von General William Waller belagert und eingenommen. Um absolut sicherzustellen, dass diese strategisch wichtige und schwer einnehmbare Festung niemals wieder als militärischer Stützpunkt gegen sie verwendet werden konnte, ordnete das siegreiche Parlament kurzerhand an, das Schloss zu "schleifen" (also gezielt militärisch unbrauchbar zu machen und teilweise zu ruinieren). Infolge dieses Befehls lag das einstige Prachtschloss für viele lange Jahre in einem traurigen, halbruinierten Zustand, während die adlige Familie notgedrungen in den wenigen verbliebenen, halbwegs bewohnbaren Seitenflügeln der Anlage hauste.

Der sammelnde Graf (The Collector Earl)

Eine der wohl faszinierendsten und historisch bedeutendsten Persönlichkeiten in der langen Geschichte des Schlosses ist unbestritten Thomas Howard, der 14. Earl of Arundel (1585–1646). Er ging als der berühmte "Collector Earl" (der sammelnde Graf) in die britische Kulturgeschichte ein. Howard reiste ausgiebig und leidenschaftlich durch Italien und das restliche Europa und trug dabei eine wahrhaft gigantische und unschätzbar wertvolle Sammlung von feiner Kunst und seltenen Antiken zusammen. Das absolute Herzstück seiner Bemühungen waren die weltberühmten "Arundel Marbles" (die Arundel-Marmore), eine bedeutende Sammlung antiker griechischer und römischer Skulpturen. Obwohl ein großer Teil dieser unglaublichen Sammlung in den Wirren des darauffolgenden Bürgerkriegs leider zerstreut oder verkauft wurde, begründete seine tiefe Leidenschaft für die Kunst eine bis heute anhaltende Tradition im Hause Howard. So beherbergt das Schloss noch heute eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Englands, darunter unschätzbare Meisterwerke von Giganten wie Van Dyck, Gainsborough und Canaletto.

Die glanzvolle viktorianische Rekonstruktion

Das atemberaubende Schloss, wie es sich den Besuchern heute in seiner ganzen Pracht präsentiert, ist größtenteils das beeindruckende Resultat eines absolut massiven und sündhaft teuren Restaurierungsprojekts, das im späten 19. Jahrhundert durchgeführt wurde. Henry, der 15. Herzog von Norfolk, nahm sich der gewaltigen Aufgabe an und vollendete die ehrgeizigen Arbeiten, die bereits von seinen direkten Vorgängern begonnen worden waren. Er engagierte den renommierten und visionären Architekten Charles Alban Buckler, um das fast verfallene Schloss im damals äußerst populären, romantischen Stil der Neugotik fast von Grund auf neu zu errichten. Dieses gigantische Bauprojekt gilt heute als eine der größten und ambitioniertesten architektonischen Meisterleistungen des gesamten viktorianischen Englands. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die äußere Fassade: Das Projekt umfasste auch die für die damalige Zeit revolutionäre und hochmoderne Installation von Elektrizität, einer funktionierenden Zentralheizung und sogar von Personenaufzügen. Dies machte Arundel Castle zu einem der allerersten großen englischen Landhäuser, das über diese luxuriösen, modernen Annehmlichkeiten verfügte. Das finale Ergebnis dieser jahrzehntelangen Arbeit ist eine absolut faszinierende und äußerst erfolgreiche architektonische Vermählung von abweisender, mittelalterlicher militärischer Stärke und opulentem, warmem viktorianischem Wohnkomfort.

Das prunkvolle Innere des Schlosses

Besucher von Arundel Castle haben das Privileg, eine beeindruckende Abfolge von geradezu opulenten Räumlichkeiten zu erkunden, die eindrucksvoll den immensen Reichtum, die weitreichende Macht und den erlesenen Geschmack der Familie Howard über die Jahrhunderte hinweg widerspiegeln.

  • Die Halle der Barone (The Barons' Hall): Ein wahrhaft gigantischer Raum, der durch eine enorm hohe, aufwendig geschnitzte Holzdecke besticht. Er wurde bewusst im majestätischen Stil einer klassischen mittelalterlichen Großen Halle (Great Hall) entworfen. Die Wände werden von prächtigen Buntglasfenstern gesäumt, die detailreich Schlüsselszenen der Familiengeschichte darstellen. Dieser beeindruckende Raum wird bis heute von der Familie für festliche, große Bankette genutzt.
  • Die Schlossbibliothek: Sie gilt völlig zu Recht als einer der schönsten und atmosphärischsten Räume im gesamten Schloss. Die Bibliothek ist fast vollständig aus edlem, dunklem Mahagoniholz geschnitzt und besticht durch zwei elegante, umlaufende Galerien. Sie beherbergt eine ehrfurchtgebietende Sammlung von über 10.000 wertvollen Büchern, die eindrucksvoll die ernsthaften und vielfältigen intellektuellen Interessen der Adelsfamilie über viele Generationen hinweg dokumentieren.
  • Die königlichen Schlafzimmer: Mehrere der prunkvollsten historischen Schlafzimmer sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Das absolute Highlight darunter ist das sogenannte Victoria Room (Victoria-Zimmer). Dieser Raum wurde eigens und mit enormem Aufwand für einen offiziellen, mehrtägigen Besuch der jungen Königin Victoria und ihres Gemahls Prinz Albert im Jahr 1846 hergerichtet. Die maßgefertigten, luxuriösen Möbel und die schweren, roten Samtbehänge wurden seinerzeit exklusiv nur für diesen einen prestigeträchtigen königlichen Besuch in Auftrag gegeben.
  • Die Fitzalan-Kapelle (The Fitzalan Chapel): Eine architektonische und historische Besonderheit: Auf dem weitreichenden Gelände des Schlosses befindet sich eine wunderschöne Kapelle, die seit Jahrhunderten als traditionelle, private Begräbnisstätte der Herzöge von Norfolk dient. Obwohl das Gebäude rein physisch direkt an die örtliche, anglikanische Pfarrkirche der Gemeinde angebaut ist, ist die Kapelle rechtlich gesehen striktes Privateigentum des katholischen Herzogs. Bis heute ist sie im Inneren durch eine massive Glaswand symbolisch und praktisch vom anglikanischen Teil der Kirche getrennt – ein faszinierendes architektonisches Zeugnis der komplexen englischen Religionsgeschichte.

Ein Paradies für Gartenliebhaber

Die weitläufigen Gartenanlagen von Arundel Castle sind ebenso spektakulär und berühmt wie das mächtige Schloss selbst. In den letzten Jahren wurden sie mit immensem Aufwand und großer botanischer Expertise umfassend neu gestaltet und erweitert.

  • Der Garten des sammelnden Grafen (The Collector Earl's Garden): Dieser beeindruckende Garten wurde im Jahr 2008 von Prinz Charles (dem heutigen König Charles III.) feierlich eröffnet. Er ist eine wunderschöne, liebevolle botanische Hommage an den 14. Earl of Arundel. Die Anlage ist meisterhaft als formeller Garten im klassischen jakobinischen Stil konzipiert. Besucher können hier aufwendig geschnitzte Eichenpagoden, plätschernde, klassische Springbrunnen und als absolutes Highlight 'Oberons Palast' bewundern – eine mit Tausenden von Muscheln ausgekleidete, fast surreale architektonische Struktur, die in ihrem Zentrum eine optisch schwebende, goldene Krone birgt.
  • Die Stumpery (Der Wurzelgarten): Ein wirklich einzigartiger, fast schon mystischer Gartenbereich, der äußerst kreativ aus unzähligen umgestürzten, knorrigen Baumwurzeln (Stümpfen) erschaffen wurde. Diese rauen Holzstrukturen bieten heute den perfekten, schattigen Lebensraum für eine Vielzahl von seltenen Farnen und anderen schattenliebenden Waldpflanzen. Beim Durchschreiten entsteht sofort eine urzeitliche, märchenhafte und fast magische Atmosphäre, die besonders an nebligen Tagen an einen verzauberten Wald erinnert.
  • Der Küchengarten (The Kitchen Garden): Dies ist kein Museumsstück, sondern ein voll funktionsfähiger, biologisch bewirtschafteter Nutzgarten. Er produziert das ganze Jahr über frisches, hochwertiges Obst, knackiges Gemüse und wunderschöne Schnittblumen, die direkt für die Küchen des Schlosses und die prächtigen Veranstaltungen der Familie verwendet werden.

Spektakuläre Veranstaltungen und historische Festivals

Arundel Castle ist landesweit berühmt für seinen dicht gedrängten und spannenden Veranstaltungskalender voller historischer Events. Während der gesamten Öffnungssaison im Sommerhalbjahr veranstaltet das Schloss regelmäßig atemberaubende mittelalterliche Ritterturniere (Jousting), authentische Kampfdemonstrationen mit historischen Waffen und äußerst beliebte "Living History"-Tage für die ganze Familie. Das absolute Highlight der Saison ist jedoch die "International Jousting Week" (Die internationale Woche des Ritterturniers), die traditionell im Juli stattfindet. Dieses Mega-Event zieht die besten Ritter und Reiter aus der ganzen Welt an, die hier in voller, glänzender Plattenrüstung vor der dramatischen Kulisse der Burg gegeneinander antreten.

Als charmante englische Besonderheit befindet sich auf dem weitläufigen Schlossgelände auch ein professioneller Cricketplatz. Dieser wird von Kennern oft als einer der mit Abstand malerischsten und schönsten Cricket-Austragungsorte im gesamten Vereinigten Königreich gelobt. Einem entspannten Cricketspiel zuzusehen, während sich die massiven, alten Türme des Schlosses imposant im Hintergrund abzeichnen, ist eine zutiefst englische und unvergessliche Erfahrung.

Praktische Tipps für Ihren Besuch

  • Öffnungszeiten unbedingt prüfen: Wie viele historische britische Häuser ist das Schloss während der nasskalten Wintermonate (in der Regel von November bis März) für die Öffentlichkeit komplett geschlossen. Überprüfen Sie daher zwingend immer die offizielle Website auf die aktuellen Öffnungszeiten, bevor Sie Ihre Reise antreten.
  • Steile, anstrengende Aufstiege: Der Zugang zum ältesten Teil der Burg, dem massiven normannischen Bergfried (Keep), erfordert den beschwerlichen Aufstieg über eine extrem steile, oft unebene historische Steintreppe. Der atemberaubende Panoramablick von der Spitze ist die Mühe definitiv wert, erfordert jedoch eine zumindest angemessene körperliche Fitness und gute Knie.
  • Ausreichend Zeit einplanen: Die Gärten sind riesig und es gibt unzählig viel zu entdecken. Planen Sie unbedingt mindestens 3 bis 4 Stunden ein, wenn Sie sowohl das faszinierende Innere des Schlosses als auch die weitläufigen, wunderschönen Gärten angemessen, in Ruhe und ohne Stress besichtigen möchten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Schloss für Rollstuhlfahrer zugänglich?
Die meisten Bereiche der weitläufigen Gärten sowie das untere Erdgeschoss des Schlosses sind barrierefrei zugänglich. Aufgrund des unvermeidbaren mittelalterlichen Designs mit seinen engen Wendeltreppen und Stufen sind der historische Bergfried (Keep) und alle oberen Stockwerke des Schlosses (einschließlich der prächtigen Schlafzimmer und der historischen Bibliothek) für Rollstuhlfahrer jedoch leider absolut nicht zugänglich.
Darf ich im Schloss fotografieren?
Das Fotografieren für private Zwecke ist in den gesamten Gärten und auf dem Außengelände ausdrücklich gestattet und erwünscht. Im Inneren der historischen Schlossräume ist das Fotografieren jedoch strengstens untersagt, um die empfindlichen historischen Stoffe, Tapeten und unersetzlichen Kunstwerke vor potenziellen Lichtschäden durch Blitze zu schützen und den Besucherfluss nicht zu behindern.
Gibt es ein Café oder Restaurant vor Ort?
Ja, das Schlossgelände verfügt über ein exzellentes Restaurant und ein gemütliches Café. Beide servieren warme Mahlzeiten, traditionellen englischen Cream Tea, frisches Gebäck und eine Vielzahl von Erfrischungen für eine entspannte Pause während der Besichtigung.