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Hearst Castle

Hearst Castle

📍 San Simeon, Kalifornien, USA 📅 Gebaut im Jahr 1919-1947

Der verzauberte Hügel (The Enchanted Hill)

Hoch oben und majestätisch auf einem einsamen, weiten Kamm der Santa Lucia Mountains thronend, mit einem wahrhaft atemberaubenden, endlosen Panoramablick hinab auf den wilden Pazifischen Ozean, steht Hearst Castle. Es ist ein ultimatives, steinernes Monument für amerikanische Ambitionen, schier unbegrenzten finanziellen Reichtum und eine extrem exzentrische, künstlerische Vision. Offiziell und liebevoll von seinem Erbauer als "La Cuesta Encantada" (Der verzauberte Hügel) bezeichnet, war dieses absolut gigantische, weitläufige Anwesen einst der private, luxuriöse Wohnsitz des mächtigen, amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst. Es ist durch und durch ein faszinierender Ort der extremen Gegensätze und Widersprüche: Ein völlig privates Zuhause, das von außen aussieht wie ein gigantischer, antiker europäischer Palast; eine damals voll funktionierende Rinderfarm (Ranch), die in ihren Hochzeiten den damals größten privaten Zoo der Welt beherbergte; und nicht zuletzt ein geradezu manisches Bauprojekt, das unfassbare 28 Jahre andauerte und doch – in den Augen seines Perfektionisten-Erbauers – niemals auch nur ansatzweise wirklich komplett fertiggestellt wurde.

Eine absolut einzigartige kreative Partnerschaft: Hearst und Morgan

Die gesamte, komplexe Entstehungsgeschichte von Hearst Castle ist im Grunde die Geschichte einer absolut einzigartigen, extrem produktiven und bemerkenswert langen Partnerschaft zwischen einem unermesslich reichen, exzentrischen Auftraggeber und einer wahrhaft brillanten, visionären Architektin. Im Jahr 1919 erbte Hearst das riesige, unberührte Stück Land von seiner verstorbenen Mutter, Phoebe Apperson Hearst. Er hatte einen Großteil seiner unbeschwerten Kindheit damit verbracht, genau hier auf diesem Hügel gemeinsam mit seiner Familie ganz rustikal in einfachen Zelten zu campen. Doch als er schließlich auf die 60 zuging, wünschte er sich für seine Aufenthalte dann doch etwas deutlich Komfortableres als ein Zelt. Er wandte sich mit einem heute weltberühmten, fast schon legendär untertriebenen Zitat an die Architektin Julia Morgan: "Miss Morgan, wir sind es langsam leid, hier draußen auf der Ranch in San Simeon unter freiem Himmel zu campieren, und ich würde daher gerne eine kleine Kleinigkeit (a little something) bauen lassen."

Aus dieser besagten "kleinen Kleinigkeit" wuchs in den folgenden fast drei Jahrzehnten ein gigantisches, schlossähnliches Anwesen mit unfassbaren 165 opulenten Räumen und über 51 Hektar (127 Acres) an makellos gepflegten Gärten, sonnigen Terrassen, kunstvollen Pools und kilometerlangen, marmorierten Wegen. Julia Morgan, die absolut bemerkenswert war, da sie als die allererste Frau überhaupt in ganz Kalifornien offiziell als Architektin lizenziert wurde, war das unbestrittene, technische und ingenieursmäßige Genie hinter dieser schier unmöglichen Vision. Sie entwarf die riesigen, schweren Strukturen so meisterhaft, dass sie dank innovativer Nutzung von Stahlbeton selbst schweren Erdbeben problemlos standhalten konnten, und integrierte gleichzeitig nahtlos und perfekt Hearsts absolut gigantische, stetig wachsende Privatsammlung an wertvollsten europäischen Antiquitäten direkt in die Bausubstanz. Für fast drei lange Jahrzehnte kollaborierten die beiden extrem eng und fast schon obsessiv an buchstäblich jedem noch so winzigen Detail – angefangen bei der absolut exakten, millimetergenauen Platzierung einer bestimmten, historischen spanischen Fliese bis hin zur absolut perfekten, theatralischen Einrahmung des Ozeanblicks durch die Fensterbögen.

Die Architektur und die grenzenlosen Sammlungen

Das riesige Anwesen besteht primär aus dem gigantischen Haupthaus, der sogenannten Casa Grande (welches die gesamte, weit sichtbare Skyline des Hügels mit seinen beiden ikonischen, andalusisch inspirierten Glockentürmen absolut dominiert), sowie drei weiteren, außergewöhnlich großen und luxuriösen Gästehäusern: Casa del Mar, Casa del Monte und Casa del Sol. Die Architektur des gesamten Komplexes ist ein wildes, aber harmonisches Pastiche (eine Collage) aus sogenanntem Spanish Colonial Revival, Mediterranean Revival und diversen gotischen Stilelementen, die optisch ganz stark und bewusst den alten, ehrwürdigen Kathedralen und Palästen in Südspanien nachempfunden sind.

Hearst war ein geradezu unersättlicher, manischer Kunstsammler, dessen Agenten ganz Europa systematisch nach antiker Kunst durchkämmten. Er kaufte völlig skrupellos komplette, geschnitzte Holzdecken aus alten spanischen Klöstern, massive gotische Steinkamine aus verfallenen französischen Châteaus, antike griechische Vasen und riesige, mittelalterliche Wandteppiche, und ließ sie allesamt in Kisten verpackt per Schiff nach Kalifornien transportieren. Morgans wohl größte und schwierigste architektonische Herausforderung bestand täglich darin, völlig neue Räume im Schloss buchstäblich exakt um diese hochspezifischen, bereits gekauften historischen Objekte herum zu entwerfen und zu bauen. Das verblüffende Resultat ist, dass das fertige Schloss heute im Grunde als ein riesiges Museum fungiert, bei dem das Gebäude selbst lediglich die kunstvolle, steinerne Vitrine für den eigentlichen Inhalt darstellt.

Das sogenannte Gothic Study (das gotische Arbeitszimmer) war das absolute, unantastbare Herzstück von Hearsts riesiger privater Suite. Es befand sich strategisch klug im dritten Stock der Casa Grande, verfügt über eine spektakuläre Gewölbedecke, die mit hochkomplexen, mittelalterlichen Mustern bemalt ist, und ist randvoll mit unschätzbar wertvollen, extrem seltenen Erstausgaben und alten Büchern gefüllt. Genau hier zog sich Hearst jede einzelne Nacht zurück, um die morgigen Ausgaben der vielen Zeitungen seines gigantischen Medienimperiums akribisch vorab zu prüfen, und kontrollierte so von seiner völlig isolierten, luxuriösen Festung auf dem Hügel aus tagtäglich maßgeblich die öffentliche Meinung von ganz Amerika.

Die absolut legendären, dekadenten Swimmingpools

Hearst Castle ist weltweit nicht zuletzt absolut berühmt für seine zwei gigantischen, atemberaubenden Swimmingpools, die beide für sich genommen bereits unbezahlbare Kunstwerke darstellen.

  • Der Neptun-Pool (The Neptune Pool): Dieser gewaltige, klassizistische Pool befindet sich im Freien und ist das unbestrittene visuelle, glitzernde Zentrum der gesamten Außenanlage. Um Hearsts stetig wechselndem, extrem perfektionistischem Geschmack gerecht zu werden, wurde dieser Pool sage und schreibe dreimal komplett abgerissen und wieder völlig neu (und noch größer) aufgebaut. Die finale, heutige Version ist beeindruckende 32 Meter (104 Fuß) lang, wird stetig mit kristallklarem, gefiltertem Quellwasser aus den Bergen gespeist und ist fast vollständig umgeben von echten, massiven antiken römischen Säulen und originalen Marmorstatuen. Er bietet Schwimmern einen atemberaubenden, völlig unverstellten Panoramablick auf die weite Pazifikküste und sieht aus wie ein magisch wiederauferstandener, opulenter Tempel aus der römischen Antike.
  • Der Römische Pool (The Roman Pool): Dieser Pool befindet sich komplett im Inneren eines Gebäudes und wurde in seinem Design sehr stark den weltberühmten, antiken römischen Caracalla-Thermen nachempfunden. Er ist eine absolut atemberaubende, riesige künstliche Höhle in strahlendem Tiefblau und leuchtendem Gold. Der gesamte, riesige Raum – inklusive aller Wände, der hohen Decke und sogar des gesamten Bodens des Schwimmbeckens – ist lückenlos mit über einer Million kleinster Mosaikfliesen bedeckt, in die jeweils hochkarätiges 22-Karat-Blattgold fest eingeschmolzen wurde. Die perfekte, spiegelnde Reflexion der vielen weißen Marmorstatuen in dem fast schwarzen, völlig stillen, tiefblauen Wasser erschafft eine absolut surreale, traumhafte und fast schon mystische Atmosphäre. Paradoxerweise wurde dieser Pool von den vielen Gästen jedoch erstaunlich selten wirklich zum Schwimmen genutzt; er diente Hearst vielmehr primär als ein reines, ehrfurchtgebietendes Schaustück seiner schier grenzenlosen Extravaganz.

Der exklusive Spielplatz der Hollywood-Elite

In seinen absoluten, glamourösen Hochzeiten während der wilden 1920er und 1930er Jahre war Hearst Castle unbestritten der absolute soziale und gesellschaftliche Nabel der aufstrebenden Hollywood-Elite. Eine persönliche Einladung auf den Hügel nach San Simeon war mit gigantischem Abstand das absolut begehrteste, wertvollste und am schwersten zu bekommende Ticket in der gesamten Filmstadt. Die extrem elitären Gäste reisten für gewöhnlich sehr komfortabel in privaten Eisenbahnzügen oder sogar eigenen Flugzeugen an, um luxuriöse, ausschweifende Wochenenden auf "Der Ranch" (wie Hearst es fast schon kokett und stark untertreibend nannte) zu verbringen. Zu den ständigen, absoluten Stammgästen zählten dabei absolute Weltstars und Legenden wie Charlie Chaplin, der charmante Cary Grant, die urkomischen Marx Brothers, die geheimnisvolle Greta Garbo, Hollywood-König Clark Gable und sogar der britische Staatsmann Winston Churchill.

Doch trotz der absolut palastartigen, geradezu erdrückend luxuriösen Umgebung bestand Hearst bei seinen Besuchen auf eine ganz bestimmte, sehr eigentümliche und fast schon skurrile Art der Informalität. Die prominenten Gäste waren tagsüber völlig frei und konnten die schier endlosen Annehmlichkeiten des riesigen Anwesens ganz nach eigenem Belieben genießen – sei es beim Ausreiten auf teuren Pferden, beim Tennisspielen auf den vielen Plätzen oder beim Schwimmen in den luxuriösen Pools. Es gab jedoch eine absolut eiserne, unverrückbare Regel: Ausnahmslos jeder Gast hatte sich abends auf die Minute pünktlich um exakt 19:30 Uhr im großen Versammlungsraum (Assembly Room) zu formellen Cocktails einzufinden, gefolgt von einem opulenten, gemeinsamen Abendessen im riesigen Refektorium (Speisesaal). Hearst selbst saß dabei stets als unangefochtener Patriarch exakt in der Mitte der unendlich langen Tafel, und die jeweilige, von ihm festgelegte Sitzordnung der Gäste war für alle Anwesenden ein extrem feiner, aber absolut deutlicher Indikator dafür, wie hoch man aktuell in der Gunst des allmächtigen Gastgebers stand. In einer weiteren, extrem schrulligen und amüsanten Gegenüberstellung von höchster, adeliger Kultur und absolut banaler Alltagskultur wurden auf den langen, millionenschweren antiken Speisetischen direkt neben dem feinsten, historischen Tafelsilber und den unbezahlbaren, mittelalterlichen Kandelabern völlig gewöhnliche, einfache Plastikflaschen mit Ketchup und Senf aus dem Supermarkt platziert – eine bewusst aufrechterhaltene, trotzige kleine Erinnerung an die einfachen, alten Zeiten des rustikalen Campings auf dem Hügel.

Der gigantische Privatzoo und die exotischen Wildtiere

Als wäre das alles nicht bereits genug, erschuf der exzentrische Hearst auf seinem Land zusätzlich den zu jener Zeit absolut größten und umfassendsten privaten Zoo der gesamten Welt. Der ambitioniert betitelte "Hearst Garden of Comparative Zoology" (Hearst-Garten für vergleichende Zoologie) beherbergte in extrem großen, speziell angelegten Gehegen in unmittelbarer Nähe des Schlosses unzählige, stark gefährdete und exotische Tiere, darunter sogar Eisbären, Löwen, gefährliche Tiger, Leoparden und unzählige Schimpansen. Ganze riesige Berghänge des Anwesens wurden zudem kilometerweit aufwendig eingezäunt, um so ein gigantisches, weites Freigehege für in Herden grasende, exotische Tiere wie beispielsweise Kamele, große Yaks, afrikanische Strauße und australische Kängurus zu schaffen.

Obwohl dieser extrem teure Zoo bereits in den späten 1930er Jahren aufgrund beginnender, gravierender finanzieller Schwierigkeiten des Hearst-Imperiums schweren Herzens wieder weitgehend aufgelöst und die Tiere an öffentliche Zoos gespendet werden mussten, ist das bemerkenswerte, lebendige Erbe dieser Zeit bis heute sichtbar geblieben. Wilde Nachkommen der ursprünglich von Hearst importierten großen Herde von echten afrikanischen Zebras durchstreifen nämlich noch heute, Jahrzehnte später, völlig frei und ungestört die weiten, grünen Hügellandschaften direkt entlang des berühmten Highway 1, nicht weit unterhalb des Schlosses. Diese exotischen Zebras dort völlig friedlich direkt neben völlig normalen, kalifornischen Rindern grasen zu sehen, ist für ahnungslose Autofahrer auf dem Pacific Coast Highway oft ein absolut surreales, ungläubiges Erlebnis und eine wahrhaft lebendige, streifige Erinnerung an die extrem exzentrische, wilde und grenzenlose Vergangenheit dieses einmaligen Anwesens.

Wichtige Besucherinformationen und Touren

Im Jahr 1957, einige Jahre nach Hearsts Tod, spendete die Hearst Corporation das gesamte, völlig unbezahlbare Anwesen großzügig an den Staat Kalifornien. Heute ist es ein offizielles State Historical Monument, das jedes Jahr Millionen von faszinierten Besuchern aus aller Welt anzieht. Der Zugang zum Schloss selbst ist absolut streng geregelt und ausschließlich über die offiziell gebuchten, geführten Touren (guided tours) möglich. Diese Touren starten alle unten am großen Visitor Center am Fuße des Berges. Von dort aus bringt ein spezieller, konzerneigener Bus die erwartungsvollen Besucher auf einer stark kurvigen, über 8 Kilometer (fünf Meilen) langen Privatstraße langsam den Berg hinauf zum Schloss, wobei während der Fahrt bereits eine sehr spannende, erzählte Geschichte des Anwesens eingespielt wird.

Es werden vor Ort zahlreiche, völlig unterschiedliche Touren mit verschiedenen Schwerpunkten angeboten. Für absolute Erstbesucher wird jedoch allgemein dringend die sogenannte Grand Rooms Tour empfohlen, da diese einen hervorragenden, umfassenden Überblick bietet und die absolut wichtigsten Hauptsäle abdeckt (wie den Assembly Room, das Refektorium, den Morning Room, das Billardzimmer und das private Kino/Theater). In den beliebten, milden Frühlings- und Herbstmonaten werden zusätzlich oft sehr spezielle, extrem begehrte und stimmungsvolle Nacht-Touren (Night tours) angeboten. Bei diesen ganz besonderen Führungen kleiden sich die fachkundigen Guides (Docents) authentisch in originale, historische Abendgarderobe aus den 1930er Jahren und wandeln durch das wunderschön beleuchtete Schloss, wodurch die Besucher auf magische Weise das intensive, greifbare Gefühl erhalten, für eine Nacht lang tatsächlich persönliche VIP-Gäste auf einer von William Randolph Hearsts absolut legendären, glanzvollen Hollywood-Partys zu sein.