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Cardiff Castle

Cardiff Castle

📍 Cardiff, Wales 📅 Gebaut im Jahr 1081

Eine Festung aus drei völlig verschiedenen Epochen

Cardiff Castle ist keineswegs nur ein einzelnes, homogenes historisches Gebäude; es ist vielmehr eine komplette, in massiven Stein gemeißelte Zeitleiste der walisischen Geschichte. Perfekt und extrem prominent gelegen direkt im pulsierenden Herzen der walisischen Hauptstadt, ist dies ein wahrlich magischer Ort, an dem drei völlig unterschiedliche, prägende historische Epochen auf engstem Raum frontal aufeinandertreffen: die kalte, rein praktische militärische Ingenieurskunst des Römischen Reiches, die rohe, brutale militärische Gewalt der normannischen Eroberung und schließlich der absolute, schier grenzenlose Reichtum und die romantische Fantasie des viktorianischen Industriezeitalters. Es gibt auf der gesamten Welt nur sehr wenige Orte, an denen man innerhalb eines einzigen, kurzen Nachmittags ganz buchstäblich durch mehr als 2.000 Jahre komplexer Geschichte spazieren kann, aber Cardiff Castle bietet genau diese einzigartige Möglichkeit.

Die alten römischen Mauern (The Roman Walls)

Die lange, blutige Geschichte dieses spezifischen Ortes nimmt ihren Anfang um das Jahr 50 nach Christus, nur kurz nach der erfolgreichen römischen Invasion Britanniens. Die strategisch absolut brillanten Römer erkannten sofort die immense Wichtigkeit dieser speziellen Lage, genau an der Mündung des schiffbaren Flusses Taff, und errichteten hier pflichtbewusst ein starkes erstes Fort. Es diente viele Jahrzehnte lang als wichtiger, sicherer Marinestützpunkt und als eiserne Festung gegen die extrem wilden, kriegerischen und gefürchteten Stämme der Silurer aus dem ungezähmten Südwales. Während die ersten, frühen hölzernen Strukturen dieses Forts natürlich schon seit vielen Jahrtausenden restlos verschwunden sind, existieren die massiven, wuchtigen Steinmauern des allerletzten, späten Forts aus dem 4. Jahrhundert noch heute. Tatsächlich bilden genau diese uralten, römischen Steine das starke Fundament für die heutigen, sichtbaren Burgmauern. Bei einem Spaziergang um die Außenmauer können aufmerksame Besucher noch immer sehr deutlich eine markante Linie aus rotem Sandstein erkennen, die extrem sauber das antike, originale römische Mauerwerk von den sehr viel späteren, mittelalterlichen Rekonstruktionen trennt. Es ist eine absolut greifbare, physische Verbindung zu jenen fernen Tagen, in denen schwer bewaffnete römische Legionäre genau dort marschierten und Wache hielten, wo heute entspannte, moderne Touristen und Einheimische zum Einkaufen flanieren.

Der normannische Bergfried (The Norman Keep)

Nachdem das Römische Reich schließlich zusammengebrochen war und die Legionen Britannien endgültig verlassen hatten, fiel das strategische Gelände für mehrere Jahrhunderte in einen tiefen Dornröschenschlaf und wurde weitgehend ungenutzt gelassen – bis im fernen 11. Jahrhundert schließlich die Normannen in Wales einfielen. Robert Fitzhamon, ein besonders mächtiger und rücksichtsloser normannischer Lord, erkannte den noch immer immensen strategischen Wert der alten, verfallenen römischen Verteidigungsanlagen sofort. Er ließ kurzerhand eine klassische, wehrhafte Turmhügelburg (Motte and Bailey) exakt innerhalb der schützenden, antiken römischen Mauern errichten. Die sogenannte Motte (ein riesiger, in mühsamer Handarbeit aufgeschütteter, künstlicher Erdhügel) dominiert noch heute völlig unangefochten das grüne Zentrum des weiten Burghofs. Gekrönt wird dieser steile Hügel von einem absolut furchteinflößenden, steinernen Muschel-Bergfried (Shell Keep), der im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Dieser extrem wuchtige, düstere Turm war bei einem feindlichen Angriff die absolut letzte, eiserne Verteidigungslinie – eine karge, dunkle und rein funktionale militärische Struktur, die einzig und allein dazu entworfen wurde, langwierigen, brutalen Belagerungen standzuhalten. Besucher können heute die extrem steilen, abgetretenen Steinstufen bis ganz nach oben zur Spitze des Bergfrieds erklimmen. Von dort aus bietet sich ein absolut spektakulärer, windiger Panoramablick über die gesamte moderne Stadt und das gigantische, nahegelegene Principality Stadium (Rugby-Stadion), wodurch ein unglaublich faszinierender, scharfer visueller Kontrast zwischen der harten, mittelalterlichen Skyline und der Architektur der Moderne entsteht.

Ein viktorianischer Fantasiepalast der Extraklasse

Während die rohen römischen und wuchtigen normannischen Elemente des Schlosses zweifellos extrem beeindruckend sind, ist das absolute, unangefochtene Highlight und der wahre Publikumsmagnet von Cardiff Castle jedoch unbestritten die absolut extravagante Arbeit, die hier im 19. Jahrhundert verrichtet wurde. Im Jahr 1868 wurde der 3. Marquess of Bute, John Crichton-Stuart, volljährig und übernahm die Kontrolle über sein Erbe. Er war zu diesem Zeitpunkt durch das absolute Monopol seiner Familie auf die extrem lukrativen Kohleexporte aus den riesigen Docks von Cardiff einer der mit Abstand reichsten Männer der gesamten Welt. Doch er war nicht nur ein kühler Geschäftsmann; er war auch ein brillanter Gelehrter, ein hochbegabter Linguist und vor allem ein grenzenloser, obsessiver Romantiker, der absolut vernarrt in die Kultur und Architektur des europäischen Mittelalters war. Er engagierte kurzentschlossen den ebenso exzentrischen wie genialen Architekten William Burges mit dem fast unmöglichen Auftrag, die eher schlichten, historischen Wohnquartiere des Schlosses komplett in eine atemberaubende, luxuriöse Residenz zu verwandeln, die seinen wildesten, kühnsten gotischen Träumen entsprach.

Was das Duo Bute und Burges in den folgenden Jahrzehnten erschuf, ist ein unübertroffenes, vollkommenes Meisterwerk des sogenannten Gothic Revival-Stils (der Neugotik). Die beiden Männer strebten bei ihrem Projekt jedoch keineswegs nach langweiliger, historischer Korrektheit; stattdessen zielten sie bewusst auf eine extrem stark romantisierte, unfassbar farbenfrohe und unglaublich verschwenderische Vision dessen ab, wie das düstere Mittelalter ihrer Meinung nach im Idealfall hätte sein sollen. Absolut jeder noch so kleine Quadratzentimeter des riesigen Interieurs ist über und über mit atemberaubenden Dekorationen bedeckt: leuchtende Wandmalereien, bunte, schwere Buntglasfenster, feinster Marmor aus aller Welt, zentnerweise echtes Blattgold und unglaublich detaillierte, filigrane Holzschnitzereien. Jeder einzelne Raum folgt einem strengen, eigenen Thema und erzählt eine komplexe Geschichte:

  • Das Arabische Zimmer (The Arab Room): Dies ist vielleicht der mit Abstand atemberaubendste und visuell überwältigendste Raum im gesamten Schloss. Tief inspiriert von Butes zahlreichen, ausgedehnten Reisen durch den Nahen Osten, besticht der Raum durch eine geradezu hypnotisierende, komplexe Stalaktitendecke, die fast vollständig mit feinstem, echtem Blattgold überzogen ist (der heutige materielle Wert dieses Goldes würde sich auf etwa 8 Millionen Dollar belaufen!). Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbare, architektonische Schmuckschatulle des feinsten islamisch inspirierten Designs.
  • Der große Bankettsaal (The Banqueting Hall): Der mit Abstand größte, imposanteste Raum des Schlosses, der ganz bewusst so gestaltet wurde, dass er exakt wie die klassische, große Festhalle (Great Hall) einer mittelalterlichen Burg aussieht. Die hohen Wände sind vollständig mit großformatigen, detailreichen Wandmalereien verziert, die die gesamte, wechselvolle Geschichte des Schlosses darstellen. Der massive, offene Kamin ist eine monumentale, steinerne Struktur, die Robert, den Herzog der Normandie, darstellt, wie er traurig hinter dicken Gefängnisgittern hervorblickt (er wurde historisch belegt für ganze 8 lange Jahre in genau dieser Burg eingesperrt).
  • Die alte Bibliothek (The Library): Das absolute Paradies für jeden echten Gelehrten. Die dunklen, massiven hölzernen Bücherregale sind meisterhaft mit unzähligen, detailreichen Tieren und Pflanzen beschnitzt, und die schweren, antiken Schreibtische wurden speziell und exklusiv nur für Butes eigene, intensive Studien entworfen. Es ist ein extrem warmer, intellektuell anregender und reicher Raum, der sehr tief die vielfältigen, ernsthaften akademischen Interessen des exzentrischen Marquess widerspiegelt.
  • Das Kinderzimmer (The Nursery): Ein heller, freundlicher Raum, der exklusiv nur für die vielen Kinder der Bute-Familie entworfen wurde. Die Wände sind liebevoll mit handbemalten Kacheln verziert, die berühmte, klassische englische Märchen wie 'Hans und die Bohnenranke', 'Rotkäppchen' und 'Der unsichtbare Prinz' darstellen. Der Raum ist unglaublich charmant und verspielt und zeigt dem Besucher eine deutlich weichere, menschlichere Seite des ansonsten so grandiosen und ernsten architektonischen Designs.
  • Der versteckte Dachgarten (The Roof Garden): Ein absolutes, verstecktes Juwel ganz oben auf dem Dach des höchsten Turms. Dieser friedliche Ort verfügt über einen sprudelnden Springbrunnen, der von kleinen bronzenen Bibern verziert ist, und bunt geflieste Wände, die alte hebräische Geschichten darstellen. Es war ein streng privates, ruhiges Heiligtum für die adlige Familie, hoch erhaben über dem Lärm und Schmutz der pulsierenden, industriellen Kohle-Stadt.

Die grüne Lunge: Bute Park

Direkt an die massiven Mauern des Schlosses angrenzend erstreckt sich der sogenannte Bute Park, eine absolut gigantische, tiefgrüne Oase mitten in der Stadt, die einst als privater, streng abgeschirmter Lustgarten des reichen Marquess diente. Im Jahr 1947 wurde dieser riesige Park von der Familie überaus großzügig der Stadt Cardiff und ihren Bürgern als öffentliches Geschenk übergeben. Der Park ist heute ein botanisches Arboretum von enormer nationaler Bedeutung und beherbergt unzählige extrem seltene, alte Bäume aus absolut allen Teilen der Welt. Er bildet einen wunderschönen, breiten grünen Korridor direkt entlang des Flusses Taff. Dies ermöglicht es Besuchern und Einheimischen gleichermaßen, vom mittelalterlichen Burgfried aus kilometerweit bis tief in die unberührte, ruhige walisische Landschaft zu spazieren, ohne dabei jemals die offiziellen Stadtgrenzen verlassen zu müssen. Ein absolut ikonisches, besonders beliebtes und von Kindern geliebtes Merkmal an der äußeren Begrenzungsmauer des Schlosses zum Park hin ist die berühmte 'Animal Wall' (Die Tiermauer) – eine Reihe von absolut realistisch gestalteten, steinernen Tierskulpturen (darunter Löwen, brüllende Affen und Seehunde), die so geschickt auf der Mauer platziert sind, als würden sie gerade über die Brüstung direkt auf den öffentlichen Gehweg klettern wollen.

Die dunklen Tunnel aus der Kriegszeit (The Wartime Tunnels)

Das stolze Schloss hat jedoch auch ein wesentlich jüngeres, weitaus düstereres und sehr ernstes Kapitel in seiner langen Geschichte vorzuweisen. Während der furchtbaren, ständigen Bombardements im Zweiten Weltkrieg (dem sogenannten Blitz) boten die meterdicken, unzerstörbaren mittelalterlichen Burgmauern den verängstigten Bürgern von Cardiff einen absolut sicheren, lebensrettenden Zufluchtsort. Es wurden hastig lange, dunkle Tunnel tief in die massiven, alten Festungswälle gegraben, um sie als sichere Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung zu nutzen. Dies waren jedoch keineswegs nur feuchte, kalte Erdhöhlen; sie waren überraschend gut ausgestattet und verfügten über hölzerne Etagenbetten, einfache Küchen und sogar voll funktionsfähige Erste-Hilfe-Stationen. In der Spitze waren diese Tunnel in der Lage, bei einem Luftangriff weit über 1.800 Menschen sicher Schutz zu bieten. Heute wurden diese historischen Tunnel für Besucher sorgfältig und authentisch rekonstruiert und mit extrem atmosphärischen, oft bedrückenden Klangkulissen (Sirenengeheul, fallende Bomben) versehen, die es den heutigen Besuchern ermöglichen, die enorme Anspannung, die tiefe Angst, aber auch die große Kameradschaft der damaligen Zeit sehr intensiv und fast schon körperlich nachzuempfinden.

Praktische Informationen für Ihren Besuch

Cardiff Castle ist völlig unbestritten eine der absolut wichtigsten, beliebtesten und meistbesuchten touristischen Hauptattraktionen in ganz Wales. Die Anlage ist erfreulicherweise das gesamte Jahr über für Besucher geöffnet. Ein Standard-Eintrittsticket gewährt Ihnen bereits den vollen, unbegrenzten Zugang zu den riesigen Außengeländen, dem massiven normannischen Bergfried, den antiken römischen Mauern, dem exzellenten 'Firing Line Museum' (einem sehr informativen, modernen Militärmuseum, das der langen, oft blutigen Geschichte des einfachen walisischen Soldaten gewidmet ist) sowie den faszinierenden, dunklen Tunneln aus dem Zweiten Weltkrieg. Um jedoch die wirklich spektakulären, opulenten viktorianischen Privatgemächer des Marquess im Inneren zu sehen, müssen Sie zwingend an einer offiziell geführten Haustour (House Tour) teilnehmen (oder ein kleines Aufpreis-Ticket erwerben, je nach aktuellen Bestimmungen). Dies wird absolut und uneingeschränkt empfohlen; erst die unglaublichen, oft sehr humorvollen Hintergrundgeschichten, die von den exzellent geschulten Tourguides erzählt werden, erwecken den überaus exzentrischen Marquess und seinen genialen Architekten für den Besucher wirklich zum Leben.

Darüber hinaus fungiert das riesige Gelände des Schlosses das ganze Jahr über als fantastische Kulisse für große, öffentliche Veranstaltungen – von authentischen, lauten mittelalterlichen Ritterturnieren über exquisite lokale Food-Festivals bis hin zu absolut gigantischen, ausverkauften Open-Air-Rockkonzerten im Hochsommer. Seine perfekte, unübertroffene Lage direkt im absoluten Zentrum der Stadt macht das Schloss unglaublich leicht zugänglich und ideal für einen Tagesausflug. Sie können buchstäblich eine faszinierende, mehrstündige historische Tour durch die Burg beenden und stehen nur zwei Minuten später inmitten eines hochmodernen, verglasten Einkaufszentrums oder sitzen gemütlich in einem lauten, traditionellen walisischen Rugby-Pub. Das Schloss ist und bleibt das unbestrittene, pulsierende historische Herz von Cardiff, ein eisernes, stolzes Symbol für die extreme Ausdauer der Stadt und ihre absolut unglaubliche, rasante Transformation von einem winzigen, unbedeutenden römischen Außenposten über eine rußige, industrielle Kohlemetropole hin zu der modernen, lebendigen und selbstbewussten europäischen Hauptstadt, die sie heute ist.