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Dunnottar Castle

Dunnottar Castle

📍 Stonehaven, Schottland 📅 Gebaut im Jahr 14. Jahrhundert (Ruinen)

Die Festung auf dem rauen Felsen

Es gibt weltweit nur sehr wenige Burgen, die eine derart dramatische und atemberaubende Kulisse aufweisen können wie Dunnottar Castle. Majestätisch und fast schon trotzig thront sie auf einem 50 Meter (160 Fuß) hohen, schroffen Felsen aus sogenanntem Konglomeratgestein, der weit und ungeschützt in die raue Nordsee hineinragt. Sie ist an drei Seiten vollständig von extrem steil abfallenden, unüberwindbaren Klippen umgeben. Mit dem sicheren schottischen Festland ist die Burg einzig und allein durch einen sehr schmalen, extrem steilen und windungsreichen Pfad sowie unzählige, in den Stein gehauene Stufen verbunden. Jahrhundertelang machte genau diese natürliche, furchteinflößende Verteidigungslinie Dunnottar zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung, von der aus die lebenswichtigen, maritimen Handelsrouten in den hohen Norden Schottlands kontrolliert und geschützt wurden. Auch die Geologie des Ortes selbst ist höchst faszinierend; der Felsen besteht aus dem sogenannten 'Old Red Sandstone'-Konglomerat. Im Volksmund wird er oft liebevoll 'Pudding Stone' (Puddingstein) genannt, da er mit seinen großen, fest eingeschlossenen Kieselsteinen stark an einen traditionellen Plumpudding erinnert, der prall mit Rosinen gefüllt ist. Genau diese absolut einzigartige geologische Formation ist unfassbar hart und extrem widerstandsfähig gegen die stetige, zerstörerische Erosion durch Wind und Salzwasser, wodurch sie den perfekten, unverrückbaren natürlichen Sockel für eine solch gewaltige Festung bildet.

Die blutige Geschichte: William Wallace und die englische Garnison

Dunnottar Castle spielte eine ebenso entscheidende wie brutale Rolle in den unerbittlichen Schottischen Unabhängigkeitskriegen. Im verhängnisvollen Jahr 1297 eroberte der legendäre schottische Nationalheld William Wallace (den meisten wohl am besten bekannt durch die heldenhafte Darstellung im Hollywood-Epos Braveheart) die stark befestigte Burg aus den Händen der englischen Besatzer zurück. Laut den dramatischen Überlieferungen des zeitgenössischen Dichters Blind Harry geriet die englische Garnison in Panik und floh geschlossen in die kleine steinerne Kirche der Burg, um dort verzweifelt auf das absolute Kirchenasyl zu hoffen. Wallace jedoch, der in diesem blutigen Konflikt keinerlei Gnade kannte, ließ die schweren Holztüren der Kirche kurzerhand von außen fest verriegeln und das Gebäude in Brand stecken, wobei ausnahmslos jeder einzelne englische Soldat im Inneren einen grausamen Flammentod starb. Die verkohlten, stummen Ruinen ebenjener Kapelle können noch heute auf dem Gelände besichtigt werden – eine zutiefst feierliche und bedrückende Erinnerung an die unfassbare Brutalität und Erbarmungslosigkeit des finsteren Mittelalters.

Die Earls Marischal und die Löwengrube

Über viele Jahrhunderte hinweg war Dunnottar der unangefochtene und stolze Stammsitz der enorm mächtigen Familie Keith, die in Schottland den erblichen, extrem einflussreichen Titel der Earls Marischal trug. Sie zählten zu den mit Abstand reichsten und mächtigsten Familien im gesamten Land. Trotz der äußerst rauen, windgepeitschten und extrem isolierten Lage der Burg lebten sie hier in einem für damalige Verhältnisse unvorstellbaren Luxus. Die sogenannten Gemächer des Earls (Earl's Lodging), die im 16. Jahrhundert aufwendig errichtet wurden, umfassten unter anderem einen prachtvollen Großen Saal, herrschaftliche Privatgemächer und sogar eine lange, elegante Galerie für Spaziergänge an regnerischen Tagen.

Eines der interessantesten, wenn auch bizarrsten Merkmale der Burg ist jedoch eine spezielle Raumflucht, die bis heute als Die Löwengrube (Lion's Den) bekannt ist. Sie verdankt diesen Namen der ebenso unglaublichen wie wahren Tatsache, dass die exzentrischen Earls Marischal hier tatsächlich einst einen echten, lebenden afrikanischen Löwen als exotisches Haustier hielten. Das gewaltige Brüllen des Löwen muss furchteinflößend von den umgebenden Klippen widergehallt haben – ein ebenso deutliches wie extravagantes und potentes Symbol für die uneingeschränkte Macht und den elitären Status der Familie. Besucher können noch heute die stummen Überreste dieser einst so prachtvollen Gemächer erkunden und sich in ihrer Fantasie die schweren, bunten Wandteppiche und die edlen, geschnitzten Möbel ausmalen, die einst diese kalten, leeren Steinhüllen füllten und wärmten. Ein weiteres architektonisch bemerkenswertes Gebäude ist das sogenannte Benholm's Lodging, ein massives, fünfstöckiges Turmhaus (Tower House), das direkt in die steile Felswand hineingebaut wurde und in der Vergangenheit sowohl als ausbruchsicheres Gefängnis als auch als absolut sicherer Tresorraum diente.

Die wagemutige Rettung der schottischen Kronjuwelen (Honours of Scotland)

Die mit Abstand größte und stolzeste Stunde in der langen Geschichte von Dunnottar schlug jedoch in der Mitte des turbulenten 17. Jahrhunderts. Nachdem König Karl I. (Charles I) in England öffentlich hingerichtet worden war, marschierte die hochgerüstete englische Armee unter dem Kommando von Oliver Cromwell in Schottland ein, um auch dort die absolute Kontrolle zu erlangen. Die sogenannten Honours of Scotland – bestehend aus der wertvollen Königskrone, dem Zepter und dem prunkvollen Staatsschwert – wurden in einer nächtlichen Geheimaktion hastig nach Dunnottar Castle gebracht, um sie dort in absolute Sicherheit zu bringen, da die Burg weithin als die stärkste, unbezwingbarste Festung des gesamten schottischen Reiches galt.

Cromwells kampferprobte Truppen belagerten die stolze Burg in den Jahren 1651 und 1652 unerbittlich für volle acht lange Monate. Da die lebenswichtigen Vorräte innerhalb der Mauern jedoch stetig und bedrohlich zur Neige gingen und schwere englische Kanonen ununterbrochen gegen die dicken Mauern hämmerten, war der unvermeidliche Fall der Festung irgendwann abzusehen. Die komplette Zerstörung der Kronjuwelen schien damit absolut gewiss – Cromwell hasste und betrachtete sie als verabscheuungswürdige Symbole monströser monarchischer Tyrannei und hätte sie zweifellos umgehend eingeschmolzen. Doch in der sprichwörtlich letzten Sekunde wurde ein ebenso waghalsiger wie brillanter Plan ausgeheckt. Je nachdem, welcher Version der Legende man Glauben schenkt, wurden die unschätzbar wertvollen Juwelen entweder mutig von einer mutigen einheimischen Frau namens Christian Fletcher versteckt unter ihren weiten Röcken aus der Burg geschmuggelt, oder aber in einem Korb an den extrem steilen Klippen hinabgelassen, wo ein Diener, der vorgab harmlosen Seetang zu sammeln, sie in Empfang nahm. Die Insignien wurden anschließend in einer waghalsigen Aktion in der Nacht unter dem unscheinbaren Fußboden der nahegelegenen alten Kirche von Kinneff vergraben. Dort blieben sie unglaubliche neun Jahre lang sicher, unentdeckt und unbeschadet verborgen, bis die Monarchie schließlich in voller Pracht wiederhergestellt wurde.

Das Whigs-Gewölbe (Whigs' Vault): Ein extrem dunkles Kapitel

Doch bei Weitem nicht die gesamte Geschichte von Dunnottar ist geprägt von ritterlichem Heldentum. Im Jahr 1685, während einer extrem finsteren Periode massiver und blutiger religiöser Verfolgung, wurden 167 sogenannte Covenanters (strenge Presbyterianer, die sich standhaft weigerten, die absolute Kontrolle des Königs über die schottische Kirche zu akzeptieren) in einem brutalen Gewaltmarsch direkt in die Festung getrieben. Sie wurden kurzerhand und gnadenlos in einen einzigen dunklen Kellerraum gesperrt, der heute als das berüchtigte Whigs-Gewölbe bekannt ist. Die Bedingungen dort waren unbeschreiblich grausam und unmenschlich. Männer und Frauen wurden viel zu dicht gedrängt in einen einzigen, fensterlosen und völlig unbelüfteten Raum gesperrt, ohne jegliche sanitären Anlagen, und standen buchstäblich knietief in ihren eigenen Fäkalien und Schmutz. Viele von ihnen starben elendig an völliger Unterernährung und rasch grassierenden Krankheiten; andere wurden brutal gefoltert oder getötet, als sie verzweifelt versuchten aus dem Horror zu fliehen (einige stürzten auf ihrer Flucht in der Dunkelheit an den Klippen in den sicheren Tod). Ein schlichter, aber bewegender Gedenkstein auf dem kleinen Friedhof in der Stadt Stonehaven erinnert heute an all jene unschuldigen Seelen, die in jenen Tagen zugrunde gingen. Das Gewölbe selbst ist heute noch immer ein äußerst bedrückender, düsterer Ort, der jedem Besucher einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt. Es wird oft und hartnäckig behauptet, dass es von den friedlosen, schreienden Geistern der verzweifelten Gefangenen heimgesucht wird.

Der langsame Verfall und die rettende Restaurierung

Der langsame, aber stetige Niedergang der Burg begann kurz nach dem endgültigen Scheitern des Jakobitenaufstands von 1715. Der damalige 10. Earl Marischal hatte die Sache der Stuart-Könige vehement unterstützt und wurde, nachdem der Aufstand blutig niedergeschlagen worden war, gezwungen, sofort in ein lebenslanges Exil zu fliehen. Seine weitreichenden Adelstitel und sämtliche Ländereien, einschließlich Dunnottar, wurden unerbittlich von der britischen Krone konfisziert. Im Jahr 1720 wurde die Burg schließlich an die sogenannte York Buildings Company verkauft. Dieses rein profitorientierte Unternehmen zeigte keinerlei Respekt für das historische Erbe und beraubte das Anwesen systematisch und rücksichtslos all seiner wertvollen Bestandteile – die schweren Bleidächer wurden abgetragen, Fußböden herausgerissen und antike Möbel verkauft –, wodurch das Gebäude lediglich als völlig entkernte, leere Ruine zurückblieb. In diesem trostlosen Zustand verharrte es über zweihundert Jahre, bis die verfallenen Mauern schließlich im Jahr 1925 vom Viscount Cowdray gekauft wurden. Die ambitionierte Familie Cowdray startete daraufhin ein massives, extrem kostspieliges Erhaltungsprojekt, bei dem die bröckelnden Mauern aufwendig gesichert und der meterhohe Schutt aus den Höfen geräumt wurde. Durch diese beherzte Intervention retteten sie diesen wahrhaften nationalen Schatz in letzter Minute davor, für immer und unwiderruflich ins Meer abzustürzen.

Der historische Alltag auf der isolierten Festung

Auch wenn die dramatische Militärgeschichte die Erzählungen über Dunnottar stark dominiert, so war die Burg zu ihren Glanzzeiten auch ein äußerst geschäftiges, pulsierendes Zuhause für Hunderte von Menschen. Besucher können heute ausführlich die Überreste der alten Brauerei und Bäckerei erkunden, die für das absolute Überleben der vielen Schlossbewohner absolut unerlässlich waren. Im oft unhygienischen Mittelalter war speziell gebrautes Dünnbier (Ale) weitaus sicherer zu trinken als das potenziell keimverseuchte Wasser, weshalb die große Brauerei der Burg im Dauerbetrieb arbeiten musste. Die riesigen, gemauerten Backöfen in der Bäckerei geben einen faszinierenden Hinweis auf das schiere, unglaubliche Volumen an Brot, das jeden Tag ununterbrochen gebacken werden musste, um die große Familie des Earls, die Hunderte von hungrigen Soldaten und die zahlreichen Bediensteten überhaupt angemessen zu ernähren. Diese faszinierenden, alltäglichen Ruinen bilden einen sehr ergreifenden Kontrast zu den gewaltigen, martialischen militärischen Verteidigungsanlagen und erinnern uns eindrücklich daran, dass hier über Jahrhunderte hinweg ganz normale Menschen gelacht, gearbeitet, gelebt und schließlich auch gestorben sind.

Wichtige Besucherinformationen und Tipps

  • Der kurze Fußweg: Vom offiziellen Besucherparkplatz aus ist es zwar nur ein kurzer, aber landschaftlich überaus reizvoller und steiler Spaziergang bis an den äußersten Rand der Klippe. Seien Sie jedoch dringend auf unzählige Stufen vorbereitet! Sie müssen erst fast bis zum Meeresspiegel an der Klippe hinabsteigen, um das untere Torhaus zu erreichen, und anschließend den beschwerlichen Weg wieder hinauf in die eigentliche Burg bewältigen.
  • Die Ortschaft Stonehaven: Die unmittelbar nahegelegene Kleinstadt Stonehaven ist ein äußerst charmanter und malerischer schottischer Fischerhafen. Ein sehr beliebter, etwa 40-minütiger und gut ausgebauter Küstenwanderweg führt direkt vom Hafen der Stadt bis zur Burg und bietet Wanderern spektakuläre, atemberaubende Ausblicke auf die steilen Klippen und die unzähligen brütenden Seevögel (halten Sie besonders im frühen Sommer unbedingt Ausschau nach den possierlichen Papageientauchern (Puffins), Dreizehenmöwen und Eissturmvögeln!).
  • Moderner Einfluss auf die Popkultur: Die markante, fast schon gespenstische Silhouette der Burgrüine diente unverkennbar als primäre und wichtigste visuelle Inspiration für die Festung der Familie DunBroch im extrem erfolgreichen Disney-Pixar-Animationsfilm Merida – Legende der Highlands (Brave) aus dem Jahr 2012. Ebenso fungierte sie bereits als raue, dramatische Filmkulisse für Franco Zeffirellis berühmte Filmadaption von Shakespeares Hamlet im Jahr 1990 (mit Mel Gibson und Glenn Close in den Hauptrollen).
  • Das raue Wetter: Die Burgruine liegt komplett ungeschützt und in jeglicher Hinsicht exponiert direkt an der Küste der Nordsee. Es kann dort selbst im Hochsommer extrem windig, nass und unerwartet kalt werden. Kleiden Sie sich daher für Ihren Besuch unbedingt angemessen und in Schichten und tragen Sie zwingend festes, rutschfestes Schuhwerk.